Wutausbruch – Mit Liebe und Verständnis durch die Autonomiephase

Wir stecken mitten in den „Terrible Two“, der sogenannten Trotz- oder auch Autonomiephase. Eigentlich steckt zwar unsere Tochter mittendrin, aber wir Eltern bleiben davon ja nicht verschont. Wutausbruch und Tränen gehören seit einigen Monaten bei uns zum Alltag dazu. Leider. Durch diese Lebensphase geht jedes Kind hindurch – die einen weniger intensiv, die anderen dafür umso heftiger. Ein Wutausbruch bedeutet aber nicht, dass ein Kind unbedingt seinen Kopf durchsetzen oder Grenzen austesten will.

Während der Autonomiephase lernt das Kind u.a mit Frust umzugehen. Wenn eine Situation nicht nach seiner Vorstellung abläuft, kann ein Kleinkind davon schnell überfordert sein. Ihm fehlt der Wortschatz, um sich passend auszudrücken und so fängt es dann unter Umständen an zu schreien, schlagen oder weinen. Das ist das Kommunikationsmittel der Wahl, wenn es um den Abbau von Frust geht bei Kindern (Allerdings auch bei so manchem Erwachsenen…).

Ein Kleinkind entwickelt zunehmend ein Gefühl für sich selbst. Es nimmt sich selbst als eigenständige Person wahr und will seinen eigenen Vorstellungen und Ideen nachgehen. Dass das leider nicht auf Anhieb problemlos funktioniert, ist eigentlich auch nachvollziehbar. Es ist ein Lernprozess, der einige Zeit in Anspruch nimmt. Es heißt ja so schön: „Gut Ding will Weile haben.“. So brauchen manche Prozesse im Gehirn einfach ein wenig Zeit bis sie gefestigt sind. Das geht nur über Üben, Üben, Üben.

Kinder lernen beim Spielen. Sie imitieren die alltäglichen Abläufe ihrer Bezugspersonen. Immer und immer wieder. Jedes Mal perfektionieren sie immer mehr ihre Handlungsabläufe und auch ihre Bewegungen werden sicherer und ruhiger. Was anfangs noch nicht gelingen will, kann dann schon mal frustrieren. Sei es, dass die Puppe nicht wie gewünscht sitzen bleibt und immer wieder umfällt oder dass das kleine Auto einfach nicht oben auf dem Bauklotzturm liegen bleibt.

Für uns Erwachsene erscheinen solche Sachen als nichtige Lappalie und an manchen Tagen fehlt es auch mir mal an Verständis, warum die Stimmung plötzlich gekippt ist. Ein passendes Beispiel, dass sich erst vor wenigen Tagen ereignet hat:

Meine Tochter wolle ein paar von Papa’s Chocolat Chips Cornflakes haben. Sie wollte sie trocken, also ohne Milch naschen. Sie griff mit beiden Händen in die Packung und angelte sich ein paar Cornflakes heraus. Ich wollte ihr eine kleine Schale anbieten, damit sie nicht mit vollen Händen durch die Wohnung laufen muss und ganz entspannt essen kann. Das stieß bei meiner Tochter allerdings auf völliges Unverständnis, weil sie die Cornflakes eben gern in den Händen halten wollte. Das Ende vom Lied war ein tränenreicher Wutausbruch. Sie wollte keine Schüssel haben und ich habe es nur gut gemein… Ich könnte etliche solcher Geschichten erzählen. Aus meiner Erwachsenensicht war ihre Reaktion völlig übertrieben. Wenn ein erwachsener Mensch so reagieren würde, würde ich ihn fragen, ob er nicht mehr alle Tassen im Schrank hat! Meiner 2-jährigen Tochter allerdings fehlten die richtigen Worte, um mir in Ruhe zu erklären: „Nein Mama, ich benötige keine Schüssel. Ich bin in der Lage die Cornflakes selbst in den Händen zu halten.“

Nicht jede Reaktion ist immer nachvollziehbar für uns als Eltern. Manchmal fällt mir erst im Nachhinein ein, was mein Kind zu einer solch heftigen Reaktion gebracht haben könnte. An anderen Tagen ist es mir völlig schleierhaft… Aber ganz gleich, ob ich es nun gleich verstehe oder nicht, ich lasse meine Tochter nicht allein mit ihrem Gefühlsausbruch. Ich bin für sie da und versuche sie zu beruhigen oder bleibe zumindest bei ihr. Denn wenn sie mal in so einem Wutausbruch gefangen ist, dann kann es ein paar Minuten dauern, bis ich Zugang zu ihr finde. Vorher ist es egal, was ich sage oder ob ich sie auf den Arm nehmen möchte, sie wehrt alles ab. Ist der größte Frust aber einmal raus, nimmt sie meine Berührungen, eine Umarmung und besänftigende Worte viel besser an. Ich versuche dann mit ihr noch einmal in Ruhe die Situation zu besprechen. Oft gelingt es ihr dann mir zu erklären, was ihr gerade gegen den Strich ging. Ich muss auch sagen, dass es mit der Zeit besser wird. Die Wutausbrüche sind immer noch heftig, aber sie kann mir mittlerweile besser erklären, was sie eigentlich gern machen oder haben wollte.

Ein Kind bekommt man immer nur als Ganzes. Man kann sich nicht aussuchen, welche Lebensphasen man mitnimmt und welche nicht. Oder welche Emotionen. Ich möchte, dass meine Tochter versteht, dass wir immer für sie da sind. Wir nehmen sie an wie sie ist mit ihrer kompletten Gefühlspalette. Ich kann mir nicht nur den Sonnenschein raussuchen und bei Schlechtwetter schicke ich sie weg. Denn ich möchte auch, dass man mich als Person im Ganzen annimmt. Dass ich auch mal schlechte Laune haben darf oder frustriert bin, weil mit etwas nicht auf Anhieb gelingt. Innerhalb meiner Familie möchte ich so angenommen werden, wie ich bin. Laut, leise, launisch, verrückt und glücklich.

Kleine Kinder müssen erst lernen mit ihren Gefühlen umzugehen. Das passiert nicht über Nacht. Auch wenn so ein Wutausbruch ganz schön Nerven kostet und ich nicht jedes Mal die benötigte Portion Geduld an den Tag lege, so möchte ich dennoch nicht, dass mein Kind denkt, es sei in irgendeiner Weise schlecht oder falsch. Wir sehen sie als Ganzes und nehmen sie auch als solches an.

 

Wie geht ihr mit den Wutausbrüchen eurer Kinder um. Welche Strategien habt ihr, um möglichst stressfrei durch den Alltag zu kommen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Eure Anke

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