Wie Kinder auf fremde Hunde wirken

In meinem heutigen Beitrag geht es um Bedürfnisse. Aber nicht nur um die Bedürfnisse unserer Kinder, sondern auch oder gerade speziell um die eines Hundes. Hunde sind unsere besten Freunde, treue Wegbegleiter, loyale Seelen, wunderbare Tröster und tolle Spielgefährten. Leider werden sie aber häufig nicht so behandelt, denn in der Regel kümmert sich niemand so wirklich um ihre Bedürfnisse.

Eines vorweg: Ein Hund, dessen Grundstimmung aggressiv ist, hat keinen Platz in unserer dicht besiedelten Gesellschaft. Und um solche Hunde/Fälle geht es in meinem Beitrag nicht, daher möchte ich sie von dieser Diskussion ausklammern.

 

Hund und Bedürfnisse?

Wir alle möchten gesehen und gehört werden in unserem Wesen, unseren Bedürfnissen und unseren Ängsten. Das gilt für Hund genauso wie für Menschen. Wenn wir uns also über ein bedürfnisorientiertes Leben Gedanken machen, gehört da der Familienhund oder der Hund, der uns unterwegs begegnet, auch dazu. Hunde haben genauso Bedürfnisse und Ängste wie wir Menschen. Sie möchten sich bewegen und kommunizieren können. Sie möchten nicht in unangenehme Situationen gebracht werden und sie möchten – wie wir übrigens auch – zu fremden Personen einen gewissen Individualabstand halten und nicht bedrängt werden.

 

Eine andere Art der Kommunikation

Hunde kommunizieren durch Körpersprache. Das ist zwar allgemein bekannt, wie fein aber diese Art der Kommunikation tatsächlich ist, entgeht den meisten Menschen. Jede Bewegung sagt etwas aus: Körperhaltung, Geschwindigkeit, Energie, sogar in welcher Linie ein Hund auf jemand zukommt, ist ein Statement. Kann ein Hund sich nicht frei bewegen, hindert ihn das natürlich in seiner Kommunikation. Schon ein schlecht sitzendes Brustgeschirr kann für den Hund ganz schön störend sein. Denn es schränkt ein, er kann sich dann nicht mehr bewegen wie er möchte. Eine andere Bewegung = ein anderes Signal beim Gegenüber. Eine Leine, an der womöglich noch ein Halter zieht, tut ihr übriges.

 

Ein menschengemachtes Problem

Ein Hund bewertet Situationen ganz anders als wir Menschen. Zusätzlich haben wir auch noch völlig verschiedene Möglichkeiten der Herangehensweisen, bestimmte Situationen zu bewältigen. Treffen sich beispielsweise fremde Hunde unterwegs, wird zuerst einmal geschaut (an der Körperhaltung des anderen), was das Gegenüber so von der Situation hält. Anschließend wird durch beschnuppern geschaut, wer der andere ist. Läuft die Situation nach Hundemaßstäben gesittet ab, laufen beide Hunde mit etwas Abstand leicht halbreisförmig aneinander vorbei und beschnuppern sich vorsichtig. Braucht einer etwas mehr Zeit, weil er etwa unsicher ist, gibt ihm der höfliche Hund von Welt diese, indem er langsam läuft, auf dem Weg noch hier und da schnuppert und eine Geruchsmarke (Urin) hinterlässt. An dieser kann der andere dann abchecken, in welcher Verfassung man selbst ist und sich dann überlegen, wann man bereit für nähre Bekanntschaft ist.

Das ist der Idealverlauf. Es gibt selbstverständlich auch schlecht gelaunte, unhöfliche und/oder schlecht sozialisierte Hunde, die dann mit viel Schwung frontal auf einen zu rennen. Und das ist für keinen Hund ein höfliches Verhalten, sondern wirkt bedrohlich. Es gibt Hunde, die können besser mit solchen Situationen umgehen, andere wiederum stufen das als aggressives Verhalten ein und reagieren mit Angst oder Abwehr.

Leider ist die höfliche Variante aufgrund von Wegen und Leinen häufig nicht möglich. Tatsächlich ist das größte Problem aber die Halter, die aus Unwissenheit ihrem Hund keine Zeit geben sondern ihn an engen Wegen an unangenehmen Situationen vorbeiziehen. Der Hund selbst würde womöglich gar nicht dort entlang laufen, muss aber, weil ihn jemand an der Leine daran vorbeizieht.

 

Was hat das mit Kindern zu tun?

Vielleicht habt ihr es etwas weiter oben schon bemerkt – das Verhalten eines unhöflichen Hundes ähnelt sehr dem Verhalten von kleinen Kindern. Ich möchte damit nicht sagen, dass Kinder unhöflich sind. Sondern lediglich, dass ein Hund Kinder durchaus als unhöflich oder bedrohlich einstufen kann. Da ich selbst einen Hund habe, bin ich immer wieder mit solchen Situation konfrontiert: Kinder sehen unsere Hündin. Da sie groß und schneeweiß ist, trägt sie eine unsichtbare Leuchtreklame mit sich herum. Die fordert Kinder – und häufig auch wildfremde Erwachsene –scheinbar dazu auf, einfach mal ungefragt hinzufassen. Glücklicherweise hat unsere Hündin das ultimative Nervenkostüm und ist ausgesprochen friedliebend und kuschelbedürftig. Aber die meisten anderen Hunde freuen sich nicht so über Nähe wie unsere Hündin. Viele können mit dieser Grenzüberschreitung nicht so gut umgehen und reagieren gestresst.

 

So erlebt der Hund die Situation

Für einen Hund spielt sich die Situation folgendermaßen ab: angeleint ist er seiner vorprogrammierten Handlung beraubt. Er muss genau dem Weg folgen, den sein Halter geht. Kommt nun frontal etwas auf ihn zu oder wird er auf etwas zugeführt, das ihm nicht geheuer ist, kann er aufgrund der Leine noch nicht einmal ausweichen. Nun ist das was kommt gerade ein Kind oder gar gleich mehrere. Rennend, spielend, schreiend laufen sie direkt von vorne auf ihn zu. Gerade in der Masse kann der Hund ihr Verhalten nicht mehr so richtig einschätzen. Er ist überfordert und möchte eigentlich lieber weglaufen. Und ehe er sich versieht, ist er umringt von fremden Kindern, die ihn von allen Seiten anfassen wollen. Keines hat sich vorgestellt, keines konnte er kennenlernen. Womöglich kommt eines der Kinder gleich noch auf die Idee, ihn zu umarmen und beugt sich von oben auf ihn herab – für Hunde eine bedrohliche Geste! Wegen der Leine kann er weder ausweichen noch weglaufen. Sein Halter bemerkt seinen Kummer, seine Bedrängnis, seine Nöte nicht und lässt ihn – einen absoluten Teamspieler – völlig überfordert in dieser Situation allein. Wie hättet ihr wohl reagiert, wärt ihr an seiner Stelle? Ich jedenfalls wäre nicht nett geblieben, zum Glück wurde ich nicht als Hund geboren!

 

Die Verantwortung von Eltern und Halter

Kinder können nichts für ihr Verhalten, sie sind wie sie sind und können die Tragweite ihres Handelns noch lange nicht überblicken oder einschätzen. Genauso wenig können es aber auch Hunde. Sie sind, wie Kleinkinder auch, im Hier und Jetzt gefangen und können den Faden ihrer Handlung nicht weiterspinnen. Kinder und Hunde handeln ehrlich und authentisch, was leider manchmal zu gegenseitigen Missverständnissen führt. Es ist unsere Aufgabe als Eltern und auch als Hundehalter, die Situation für beide Seiten objektiv und korrekt zu beurteilen und wenn nötig, sowohl Kind als auch Hund voreinander zu schützen. Denn kommt es zu einem Beißunfall, ist das Kind unter Umständen lebenslang geschädigt und den Hund kostet es womöglich das Leben. Und selbst wenn es nicht zu einem Unfall kommt, ist es für beide Seiten doch viel schöner, wenn sich der Hund geschätzt und respektiert fühlt und sich dann unter Umständen auf einen freundlichen Kontakt mit dem Kind einlässt, anstatt zu brummen oder die Flucht zu ergreifen.

 

„Dann klappt´s auch mit dem Nachbarn!“

Deshalb meine Bitte an euch, liebe Eltern: bringt euren Kindern nahe, dass man Hund niemals ungefragt anfassen darf. Dass sie es nicht mögen, wenn man frontal auf sie zu rennt und womöglich noch dabei schreit. Dass fremde Hunde es auf gar keinen Fall toll finden, einfach umarmt zu werden (schon gar nicht von oben) und dass man sie am besten erst schnuppern lässt, bevor man sie streichelt. Dann klappt´s auch mit dem besten Freund! 😉

 

Eure Esther

 

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