Wenn Planung zum Wunschpunsch wird

Häufig sitze ich am Ende des Tages müde und abgekämpft auf unserer Couch und überlege mir: ja, von was eigentlich? Von der Beseitigung der Wäscheberge kann es nicht sein, die stehen nämlich immer noch am selben Fleck wie heute Morgen. Genau wie gestern schon, wie den Tag davor. Es waren auch nicht die dreckigen Fenster, die ich seit Wochen verdränge oder die Fußböden, die dringend nach Wasser und Seife schreien.

Zugegeben, ich war noch nie eine Putzfee. Aber seit ich Mutter bin, bin ich den ganzen Tag auf Achse, koche, putze und räume so viel wie noch nie in meinem Leben. Gefühlt zumindest, denn der Zustand unserer Wohnung lässt mich häufig an meiner Einschätzung zweifeln. Kürzlich hat uns meine Mutter für zwei Tage besucht und das Chaos kritisch beäugt. Als ich dann ich ihr dann erklärt habe, dass unser Sohn sich leider nicht für zwei Stunden irgendwo abstellen lässt, damit ich Zeit zum Putzen habe und mir ein glückliches Kind lieber wäre wie ein aufgeräumtes Wohnzimmer, kam von ihr der Rat, dass ich da eben einen Kompromiss zwischendrin finden müsse. Leicht reden für jemand, der in seiner eigenen Zeit als Mutter sich nicht groß um den Haushalt kümmern musste. Denn in meiner Kindheit hat das unsere Oma übernommen, die den ganzen lieben langen Tag nichts anderes gemacht hat als zu putzen und zu kochen. Die heutige Generation von Müttern hat diesen Luxus häufig nicht. Ich selbst wohne fast hundert Kilometer von meinen Eltern entfernt und muss deshalb zusehen, wie ich alles jeden Tag alleine auf die Reihe bekomme.

Der immer wieder kehrende Ansatz: um dem Chaos als Herr zu werden, hilft eine gute Planung – so zumindest die Theorie. Den in meiner wunderbaren Tagesplanung stehe ich um 7.00 Uhr morgens auf. Dann, wenn mein Kind noch schläft und ich mich in Ruhe kurz duschen und meinen Kaffee aufsetzten kann. Bis Kind etwa um 8.00 Uhr aufwacht, habe ich das selbstverständlich erledigt und ihm auch gleich noch das Frühstück gerichtet. Danach wird der junge Mann gewaschen und angezogen, der Hund gefüttert und dann wird zu dritt eine Runde spazieren gegangen. Danach gibt’s für den jungen Mann noch eine Banane, währenddessen ich schnell die Wohnung sauge. Idealerweise hält er danach seinen Mittagsschlaf. Zeit genug, Wäsche zu machen, zu putzen, oder was sonst gerade anfällt. Mein restlicher Tagesplan sieht ähnlich aus. Selbstredend ist am Abend das Essen auf dem Tisch, Hund und Kind waren nochmal an der frischen Luft und die Bude ist aufgeräumt und sauber.

Soweit der Wunsch. Denn so ein typischer Tag, an dem nichts vorangehen will, sieht wie nachfolgend beschrieben aus und die Realität holt mich leider schon beim Aufwachen ein:  Da unsere Nächte dank kommender Zähne, „Mama Gacka“, nächtlichem Stillen und wildgewordenen Kinderfüßchen häufig etwas holprig sind, bin ich morgens manchmal (aber nur manchmal! Hust) nicht ganz so ausgeschlafen, wie ich es gerne wäre. Wenn ich dann weit nach 8 aufwache und auf den Wecker blicke, gerät die Planung schon in ein erstes Wanken. Schnell raus aus dem Bett, im Schnelldurchlauf durchs Bad. Der  Kaffee wird auf später verschoben, denn der kleine Mann teilt mir lautstark seine Bedürfnisse mit. Also schnell für den Kleinen Frühstück richten, selbst Essen kann ich ja nachher, wenn ich meinen Kaffee trinke (die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt). Meinem Mann sei Dank war der Hund ja zumindest schon einmal Gassi. Also erstmal Futter fürs Nasentier und dann schnell saugen – denn das steht aufgrund der Hundehaare auf meiner täglichen Prioritätenliste ganz oben. Ist das erledigt, versuche ich mich wieder am Kaffee. Und stelle dabei fest, dass die Geschirrberge auf unerklärliche Weise über Nacht explosionsartig in die Höhe gewachsen sind. Unsere Küche ist leider sehr klein, fünf dreckige Teller richtig platziert bringen einen da schon in Platznot. Also gut, Kaffee noch ein Stückchen weiter nach hinten verschieben und kurz mal eine Ladung spülen.

Der kleine Mann hat währenddessen sein Frühstück gegessen und/oder in der Gegend verteilt und nun Langeweile. Es dauert nicht lange, da hat er die Hundewasserschüssel zu drölfzigsten mal für sich entdeckt und planscht so drin rum, dass er und die ganze Umgebung nass sind, alternativ leert er die Schüssel einfach aus, denn das plätschert so schön. Während ich das Desaster beseitige, ist dem kleinen Mann wieder langweilig. Wir haben zwar an alle Schränke, an denen es möglich war, Kindersicherungen angebracht, doch irgendwo findet mein Sohn einen Fleck/Karton/Schublade/Mülleimer, den er innerhalb kürzester Zeit ausräumen kann.  Nach einer kurzen Kontrolle, ob der ausgeräumte Inhalt auch kindertauglich ist, versuche ich mich wieder am Geschirr. In der Hoffnung irgendwann einmal Kaffee und dann auch Essen zu bekommen. In der Regel findet es mein Sohn aber recht bald alleine langweilig und so folgt er mir nach einiger Zeit in die Küche. Denn da ist Mama. Mama und jede Menge Dinge, die es zu entdecken gilt. Wie beispielsweise die Kartoffeln oder die Zwiebeln. Besonders letztere haben es ihm angetan. Denn abgesehen davon, dass man die schön in der Küche verteilen oder einzeln Mama bringen kann, kann man an denen auch so schön die Schale ab puhlen.

Nachdem ich den Kampf gegen das Geschirr und den Unrat auf dem Boden so einigermaßen gewonnen habe, schnappe ich mir Kind und Hund und gehe mit den beiden endlich an die frische Luft. Bis wir wieder nach Hause kommen ist fast Mittag und Mittag ist gleichbedeutend mit „Mama essen“. Die Idee des Kaffeemachens habe ich für diesen Tag bereits zu Grabe getragen. Stattdessen gibt es jetzt Mittagessen – wenigstens etwas!

Wenn der Magen voll ist, schläft es sich gut ein. Das gilt aber nicht nur für meinen Sohn, sondern leider auch für mich. In der Regel schlafen wir dann zusammen auf der Couch unseren wohlverdienten Mittagsschlaf. Spätestens wenn ich gegen 15 Uhr aufwache, realisiere ich, dass es mit meiner Tagesplanung vielleicht nun doch ein klitzekleines bisschen eng werden könnte. Also: Mut zur Lücke! Und so fange ich großzügig an, Dinge zu streichen bzw. auf heute Abend zu verschieben. Wie die Wäscheberge oder den Fußboden. Immerhin bin ich noch voller Tatendrang und Hoffnung. Wenn der kleine Schatz dann auch wach, auf der Toilette und wieder angezogen ist, gehen wir beide noch schnell einkaufen, damit fürs Abendessen alles da ist.

So und nun finde den Fehler! Alleine die Begriffe Kind, schnell und einkaufen in einen Satz bzw. Gedanken zu packen, ist planungstechnisch der Super Gau. Es kommt wie es kommen musste: aus der halben Stunde werden anderthalb Stunden. Ich gebe zu: mein Fehler. Schließlich habe ich ja gewusst (und ich kann ihn ja völlig verstehen), dass jeder Käfer, jedes Blatt, jeder Halm/Stock/Baum/Hund/etc. viiieel interessanter ist, als der schnöde direkte Weg nach Hause. Dort irgendwann angekommen, ist es Zeit die nächste Stärkung des kleinen Mannes. Das verschafft mir glücklicherweise genügend Luft, den Inhalt der Einkaufstaschen aufzuräumen (oder auch nicht). Danach ist erst mal eine Runde gemeinsames Spielen oder Vorlesen angesagt. Wenn ich danach auf die Uhr schaue… ach was, brauch ich nicht, denn mein Mann kommt gerade zur Tür rein. S…t! Eigentlich wollte ich das Essen schon fertig haben. Naja, so dauert die Vorfreude länger, ist ja auch was… Dankenswerter Weise schnappt sich mein Mann Kind und Hund und geht mit den beiden spazieren. Immerhin kann ich während dieser Zeit in Ruhe kochen und rudimentär aufräumen. Das ist purer Luxus!

Wenn ich dann nach dem Abendessen müde und geschafft auf die Couch falle, habe ich die Wäsche und den Boden erfolgreich verdrängt. Was du heute kannst besorgen,…. ist morgen auch noch da. Und die Wäsche verdirbt ja nicht!

Vielleicht hätte ich einfach gleichnamiges Buch nicht lesen sollen, und das Karma des Wunschpunsches ging deshalb auf mich über. Vielleicht ist es manchmal aber auch einfach besser, sich einfach nicht so viel aufzubürden und im Pläne schmieden etwas zurückhaltender zu sein.

 

Wie handhabt ihr das? Habt ihr auch Tage, an denen ihr allem hinterher rennt und trotzdem nichts erreicht? Seid ihr klüger als ich und plant erst gar nicht so viel oder läuft bei euch alles wie am Schnürchen?

 

Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

Eure Esther

 

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