“Ich bin dann mal weg Mama!” – wenn Weglaufen zum Problem wird

Als mein Sohn zu laufen begonnen hat, war das ein echtes Highlight. Ich war so stolz, wie toll er schon mit einem Jahr durch die Gegend spaziert ist. Über jeden Schritt, den er gemacht hat, habe mich gefreut. Die Freude über das eigenständige Laufen wurde aber in dem Moment getrübt, in dem mein Sohn entdeckt hat, dass sich die Fähigkeit zu Laufen mit dem eigenen Willen kombinieren lässt. Denn ab da wurde aus Laufen ganz oft, gerne und schnell auch mal Weglaufen.

Wenn Weglaufen plötzlich zum Problem wird

Solange man gut zu Fuß ist und das Kind die ungeteilte Aufmerksamkeit hat, ist das ja noch nicht weiter schlimm. Denn auch wenn der süße, kleine Dreikäsekoch ganz schön flink ist und aus dem Weglaufen ein regelrechtes Spiel macht, ist man doch in der Regel schneller. Blöd wird die Situation dann, wenn es vielleicht gerade nicht möglich ist, sofort und unverzüglich hinterher zu springen. Oder der kleine Mensch gerade drauf und dran ist, sich in Gefahr zu bringen. Insbesondere wenn es Richtung Straße geht, hat dann für mich alle Selbstbestimmtheit ein Ende.

Als mein Sohn in seiner heißen „Weglaufphase“ war, war er etwa 2 Jahr alt und ich gerade mit seinem Bruder hochschwanger. Besonders beliebt war das Fangen spielen mit Mama leider dann, wenn es am unpassendsten war. Etwa auf dem Parkplatz vom nahegelegenen Einkaufszentrum, am See während der Hund gerade sein Geschäft verrichtet hat oder ganz besonders, wenn es in Richtung Straße ging. Da gab es halt auch immer so viel zu sehen und am liebsten hat mein Sohn die Welt dann doch ohne mich erkundet. Weglaufen war da leider nicht nur eine Option, sondern grundsätzliches Programm.

Die Straße – eine einzige “Nein-Zone”

Irgendwie verständlich, denn ich habe an der Straße ständig „Nein“ gesagt. „Nein“ zum rumhüpfen, „nein“ zum über die Straße rennen, “nein” zum Autos antatschen. Leider gehört mein Sohn eher weniger zur vorsichtigen Sorte Kind, das alles mal mit Bedacht angeht und sich Zeit zum Erforschen nimmt. Er ist eher ein kleiner Wirbelwind, der alle Warnhinweise überhört. Und auch gerne mal über alle Kanten drüber rennt und sich hinterher wundert, warum es plötzlich weh tut. Entsprechend unentspannt waren zu der Zeit alle unsere Ausflüge, die irgendwie mit Zivilisation zu tun hatten. Denn wie das halt in dem Alter so ist, war mein Sohn auch überhaupt nicht diskussionsbereit. Seine Frustrationstoleranz lag auch eher bei Null. Reden hat halt zu dieser Zeit absolut nichts geholfen! Denn für Argumente war er in dem Alter einfach noch nicht zugänglich. Wenn ich wollte, dass er bei mir bleibt, musste ich ihn festhalten. Was nicht häufig dazu geführt hat, dass er häufig vor Wut, Zorn und Verzweiflung kreischend auf dem Boden lag. Er war in dem Moment zwar nicht am Weglaufen, aber das war dann fast genauso stressig. 

Eine Belastungsprobe für die Nerven

Auch wenn ich einen bedürfnis- und bindungsorientierten Umgang mit meinem Kind pflege und immer versuche, Verständnis für mein Kind aufzubringen: das Weglaufen hat mich wahnsinnig gestresst! Speziell an der Straße gibt es eben keinen Diskussionsspielraum. Genauso wenig wie mein Kind eine eingebaute Knautschzone hat. An der Straße endet deshalb dann auch leider die Selbstbestimmtheit meines Kindes. Das dies nur zu seiner Sicherheit ist, konnte ich meinem Kind im Alter von zwei Jahren selbstverständlich nicht nahebringen. Er hat es einfach noch nicht verstanden. Und so wurde zu dieser Zeit der tägliche Einkauf leider zum absoluten Spießrutenlauf. Eine Belastungsprobe für meine Nerven und ein ewiger Quell der Frustration für mein Kind. Der Ausdruck „terrible two“ kommt wirklich nicht von ungefähr!

Abendteuer für das Kind – Horrortrip für die Mutter

Aber was macht man, wenn das Kind einfach „Tschüß, ich bin dann mal weg“ sagt und die Ohren auf taub stellt?! Es ist halt leider keine Option, dabei zuzusehen, wie das Kind auf die vielbefahrene Straße oder in den See rennt. Lautes Rufen bis hin zum panischen Hinterherbrüllen hat nichts gebracht außer nur noch mehr Stress. Obwohl: so ganz stimmt das nicht. Denn je lauter ich gebrüllt habe, desto schneller ist mein Sohn gerannt. Tragen war zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr möglich. Denn aufgrund der Schwangerschaft hatte ich große Probleme mit der Symphyse.

Da mein Bauch damals gefühlt jeden Tag größer wurde, kam ich irgendwann tatsächlich auch einfach nicht mehr hinterher. Der Tag, an dem ich feststellen musste, dass mein zweijähriger Sohn tatsächlich schneller ist, war wirklich sehr frustrierend. FRUS-TRIE-REND! Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie unglaublich hilflos ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Als sich mein Kind mal wieder losgerissen hat und Richtung Straße unterwegs war. Und einfach schneller auf den Beinen war wie ich. Da steht man als Mama wirklich schlimme Ängste aus. Für ihn war das Weglaufen ein Spiel und er hat gar nicht verstanden, warum ich so aufgebracht reagiere. Ich war in dem Moment den Tränen nahe und es war gleichzeitig der Tag, an dem ich beschlossen habe, dass bei uns ein Buggy einzieht!

Dem Buggy sei Dank….

…haben meine Nerven diese unglaublich stressige Zeit überlebt. Als ich meinem Sohn nicht mehr hinterher kam, haben wir uns recht zügig einen gebrauchten Buggy gekauft. Auch wenn ich prinzipiell kein Freund von schiebbaren Untersätzen für Kinder bin, war das ein wahrer Segen. Sobald es klar war, dass auf unserer Reise/Spaziergang Gefahrenquellen auftauchen, war der Buggy fortan immer mit von der Partie. Das hat zwar auch zu Protesten geführt, aber insgesamt hat es die Situation für mich, aber auch für meinen Sohn wesentlich verbessert. Es hat die Situation an Straßen für mich wesentlich entstresst und da ich dann nicht mehr so am Ende meiner Nerven war, hat auch mein Sohn davon profitiert. Der Buggy hat uns von da an fast ein Jahr lang immer wieder begleitet. Und nach der anfänglichen Zeit, in der mein Sohn gegen den Buggy protestiert hat, mochte er ihn sogar sehr gerne.

Ich bin wirklich kein Freund davon, Kinder prinzipiell in einen Buggy zu verfrachten. Denn ich finde, Kinder sollten die Welt auf ihren eigenen Beinen erkunden können. Und ich möchte, dass mein Kind sich möglichst viel bewegen kann. Aber für uns war er zu dieser Zeit und in meinem Zustand ein echter Segen. Mittlerweile ist über 1 Jahr vergangen und mein Sohn ist reifer und zugänglicher für Argumente und Vorsichtsgebote. Den Buggy haben wir mittlerweile wieder weiterziehen lassen, denn er stand nun seit einiger Zeit nur noch ungenutzt herum. Ich weiß noch nicht, wie es bei seinem Bruder sein wird. Wir werden es erst mal wieder ohne Buggy probieren. Aber ausschließen werden wir nicht, dass kurzfristig ein Buggy bei uns einzieht.

Wie seid ihr mit der „Weglaufphase“ umgegangen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Herzlichst, Eure Esther

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