Was tun, wenn das Kleinkind schlechte Laune hat?

Am Wochenende war es mal wieder soweit: mein sonst so gut gelauntes Kleinkind war schlecht gelaunt. Und damit meine ich nicht nur ein wenig quengelig, sondern schlechte Laune im Ausmaß eines zweitägigen Gewittersturms. Aus unserem 2-jährigen, kleinen Sonnenschein wurde innerhalb von Minuten „Lord Gnatschi, der dunkele Herrscher“. Und egal was mein Mann und ich versucht haben: nichts war recht oder gut genug.

Das Problem in diesem Alter ist leider die Kommunikation. Mein Sohn hat mir zwar bei jeder Gelegenheit „aua“ gesagt, aber das Wort „aua“ ist derzeit ein Synonym für alles, was ihm in irgendeiner Weise Ungemach bereitet. Was also tun, wenn das (Klein)Kind ständig aua sagt? Man versucht natürlich, der Ursache auf den Grund zu gehen. Hat man ihn unglücklich angefasst? Tut ihm tatsächlich etwas weh? Oder ist er tatsächlich einfach nur schlecht gelaunt und/oder müde?

So begibt man sich also auf die Suche nach der Wurzel des Übels und überprüft alle Möglichkeiten, die einem einfallen. Selbstredend wurde der Gemütszustand unseres Kindes deswegen nicht besser. Und nach mehrstündigem Kampf gegen die schlechte Stimmung kommt auch das geduldigste Elternteil irgendwann an seine Grenzen. Ein dauerhaft schreiendes und tobendes Kind führt dann irgendwann dazu, dass man selbst auch schlechte Laune hat.

Da wir an besagtem Wochenende Besuch von der Verwandtschaft hatten, kamen die gut gemeinten Ratschläge und Weisheiten auch gleich gratis und frei Haus. Mein besonderer „Un-Satz“ des Wochenendes: „Der will halt seine Grenzen wissen“. Oder aber: „Da muss er halt durch“. Wobei damit gemeint ist, dass er da alleine durch soll und ich da nicht so viel drauf eingehen soll. Jegliche Erklärungsversuche meinerseits, dass ein Kind in dem Alter zu so sowas kognitiv noch gar nicht in der Lage ist, sind leider an starren Vorstellungen und fehlender Empathie abgeprallt.

Auch wenn das Verhalten unserer Kinder uns Erwachsenen manchmal völlig abwegig und sinnlos erscheint, hat das Kind immer einen Grund, warum es sich so verhält. Ein Kleinkind wird niemals versuchen schlechte Laune zu verbreiten, nur um etwas durchzusetzen. Das Prinzip „wenn du mir XY nicht gibst, dann schreie ich rum oder mache dieses oder jenes“ funktioniert im Kopf eines Zweijährigen noch nicht. Genauso wenig, wie ein Kind in diesem Alter etwas gezielt für oder gegen jemanden tut. Denn in diesem Alter leben Kinder völlig im Hier und Jetzt. Sie tun ausschließlich etwas für sich, niemals etwas gegen irgendjemand. Das Kind schreit, weil es die Schokolade nicht bekommen hat, aber nicht im Voraus um uns zu zwingen, sie ihm zu geben. Die Ursache geht also immer der schlechten Laune voran.

Wenn unsere Kleinen einen schlechten Tag haben, hat das immer konkrete Gründe. Und die gilt es herauszufinden. Das ist nicht immer leicht, weil es ja mit der Kommunikation häufig noch nicht so gut klappt. „Mama aua“ weißt uns zwar darauf hin, dass etwas im Argen liegt. Was das aber konkret ist, kann zur Nadel im Heuhaufen werden, wenn das Kind zu mehr als „Mama aua“ noch nicht fähig ist. Eine Herausforderung, die uns Eltern an die Grenzen der eigenen Geduld bringen kann.

Würde ich meinem Sohn „mal seine Grenzen zeigen“, wäre das doppelt falsch. Zum einen, weil ich mir noch nicht mal die Mühe gemacht hätte zu schauen, was meinem Kind eigentlich fehlt. Und zum anderen würde ich mich damit auf einen Machtkampf einlassen und mein Kleinkind dafür bestrafen, dass es gerade ein Problem hat und/oder es ihm nicht gut geht. Auf Dauer würde mein Sohn dann nur lernen, dass man zu Mama oder Papa nicht gehen braucht, wenn man Probleme hat. Eine solche Entwicklung würde mich sehr traurig machen. Und sind wir ehrlich: Vertrauen sieht definitiv anders aus!

Im Nachhinein wissen wir nun was unserem Sohn an diesem Wochenende gefehlt hat. Einer der letzten Backenzähne ist ohne Vorwarnung durchgebrochen und hat entsprechend geschmerzt. Mit dieser Information ist es absolut verständlich, dass er zwei Tage so schlecht gelaunt war. Doch was tun, wenn man mitten in der Situation steckt und eben nicht weiß, was los ist. Wenn das Kind tobt und wütet? Und man selbst keine Ahnung hat, wie man das Problem lösen kann?

Erstmal tief durchatmen! Bei meinem Sohn hilft es oft schon, wenn ich zu ihm in die Hocke gehe und ihn umarme. Auch wenn es paradox klingt, ein tobendes Kind zu umarmen. Aber eine Umarmung zeigt Anteilnahme und mein Sohn nimmt die in der Regel gerne an. Es ist zwar dann noch lange nicht gut, aber immerhin weint es sich in Mamas Armen viel angenehmer.

Manchmal „muss man da eben durch“. Aber nicht die Kinder, sondern wir Erwachsenen. Auch wenn es manchmal schwer fällt, über den Dingen zu stehen und ruhig zu bleiben. Aber im Gegensatz zu unseren Kindern haben wir die Möglichkeit, Dinge differenziert und von außen zu betrachten. Wir haben im Laufe unseres Lebens gelernt, mit Emotionen umzugehen und uns im schlimmsten Fall aus der Situation herauszunehmen und die Situation sachlich zu bewerten. All diese Möglichkeiten haben Kleinkinder noch nicht. Sie können von selbst nicht aus dieser Situation raus. Im Hier und Jetzt gefangen sind sie auf unsere Hilfe und Anteilnahme dringend angewiesen.

Auch wenn sich uns der Grund des gegenwärtigen Dramas (noch) nicht erschließt, können wir dennoch für unsere Kinder da sein. Und zwar mit Anteilnahme, liebevoller Zuwendung, Nachsicht und viel Geduld. Denn wir wissen: alles geht vorbei, auch die schlechte Laune unsere Kindes. Hat man eine Situation gemeinsam gemeistert, macht dies das „wir“ stärker. Und irgendwann wird unser Kind in der Lage sein zu formulieren was ihm fehlt und genügend Vertrauen in uns haben, das auch zu tun.

 

Esther

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