Warum mir meine Elternzeit so wichtig ist

Es gibt Dinge im Leben, die sind wichtiger als andere. Sachen, die durch einen finanziellen Aufwand ersetzbar sind, sind eben ersetzbar. Nicht ersetzbar ist die Zeit, die wir haben. Zeit ist eines unserer wichtigsten Güter. Kann man der Gesundheit manchmal mit ärztlicher Hilfe und Medikamenten auf die Sprünge helfen, ist vergangene Zeit unwiederbringlich weg. Aus diesem Grund war und ist mir meine Elternzeit sehr wichtig.

Wenn wir Kinder auf die Welt bringen, sind sie in der ersten Zeit völlig auf unsere Hilfe angewiesen. Nicht umsonst hat der Gesetzgeber uns Müttern einige Zeit eingeräumt, um nach der Geburt wieder auf die Beine zu kommen und unser Kind kennen zu lernen. Wie alle Mamas wissen, endet die hilflose Zeit unserer Kinder nicht mit dem gesetzlichen Mutterschutz. Nie wieder im Leben machen Kinder solche großen Entwicklungsschritte, wie in den ersten drei Lebensjahren. Und auch nie wieder werden wir die Möglichkeit haben, mit unserem Kind so viel Zeit verbringen zu können, wie in eben diesen ersten Jahren. Im Handumdrehen kommt die Zeit, an denen der Tag unserer Kinder zunehmend erst durch den Kindergarten, dann durch die Schule vereinnahmt wird.

Meine Mutter hat einmal zu mir gesagt: „Die Zeit verfliegt so schnell. Wenn man sich einmal umdreht, gehen sie [die Kinder] in den Kindergarten. Dreht man sich ein zweites Mal um, gehen sie zur Schule. Beim dritten Mal ziehen sie schon aus.“ Hatte ich diese Aussage anfangs noch relativiert, muss ich nun feststellen, dass die ersten beiden Jahre unserer gemeinsamen Zeit geradezu vorbeigeflogen sind. Es ist fast als wäre es gestern, als ich meinen Sohn nach einer anstrengenden Geburt endlich in die Arme schließen durfte. Er war so klein und hilflos, ich konnte ihn auf einem Arm schaukeln. Als ich kürzlich das Fotobuch, dass wir kurz nach seiner Geburt haben machen lassen, in die Hand genommen habe, bin ich fast ein bisschen wehmütig geworden. Konnte es mir am Anfang mit dem Wachstum meines Kindes gar nicht schnell genug gehen, scheint nun die Zeit gerannt zu sein. Ich kann mich an alles genau erinnern. An den Tag, als er sich das erste Mal in den Vierfüßlerstand gestemmt hat und dann wieder umgefallen ist. Als er den ersten Löffel Brei gegessen hat. Wie er angefangen hat, sich an Gegenständen hochzuziehen und wie aus dem Entlanghangeln an Gegenständen der erste freie Schritt wurde. Mein persönliches Highlight: das erste „Mama“. Mittlerweile rennt er alleine durch die Gegend und möchte alles selbst anschauen und bewältigen.

All diese Momente haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt und ich werde sie wohl nie vergessen. Sie war so schön die Zeit – und bald wird sie vorbei sein. Denn wenn man sein Kind jeden Tag sieht, fällt es gar nicht so sehr auf, wie schnell sich Kinder weiterentwickeln. Aus dem hilflosen Wunder, dessen Kopf in eine Handfläche gepasst hat, ist innerhalb von zwei Jahren ein temperamentvoller Wirbelwind geworden, der schon richtig flott durchs die Gegend rennt und innerhalb von gefühlt nur einer halben Minute alle Schubladen aufmacht und ausräumt. Wie lange wird es wohl dauern, bis mein Sohn ganz alleine ohne Mama spielen möchte? Momentan schläft er noch bei uns im Familienbett. Kommt bald der Tag, an dem er auf sein eigenes Zimmer besteht? Die Zeit wird vorbeirasen bis er mir das erste Mal sagt: „Hör auf Mama! Ich will jetzt keinen Kuss!“

Für unsere Familie kann ich mir aus mehreren Gründen während dieser wichtigen Zeit im Leben meines Kindes keine Fremdbetreuung vorstellen. Zum einen ist die Betreuung bei einer Tagesmutter oder in einer Kita ja nicht kostenlos, sondern veranschlagt jeden Monat eine nicht unerhebliche Summe. Hinzu kommen die täglichen Fahrtkosten zur Kita oder Tagesmutter. Unter Umständen muss eine Familie sogar ein zweites Auto haben, um das realisieren zu können. Die Mamas, die keinen gut bezahlten Job haben, müssen häufig voll arbeiten gehen, damit sich für sie der Aufwand lohnt. Würde ich mich für dafür entscheiden, frühzeitig wieder arbeiten zu gehen, würde mich dieses Los auch treffen. Und das wäre dann der andere Punkt, der für uns gegen eine frühe Fremdbetreuung spricht. Würde ich jetzt wieder arbeiten gehen, wäre ich nicht nur acht Stunden am Arbeitsplatz, hinzu kämen noch der Weg dorthin, sowie der Weg zum Betreuungsplatz. Zuhause würde dann der Haushalt auf mich warten, der sich ja zwischenzeitlich auch nicht von alleine erledigt. Auch wenn mir mein Mann viel unter die Arme greift – wieviel Zeit würde dann wohl noch für mein Kind bleiben? Obwohl es finanziell für uns ein riesiger Einschnitt ist, sind die drei Jahre Elternzeit für uns glücklicherweise realisierbar. Wir haben uns dazu entschieden, auf den Jahresurlaub und allen anderen Luxus zu verzichten, damit ich voll und ganz für mein Kind da sein kann. Ich habe größten Respekt vor den Mamas, die diese Wahl nicht haben und frühzeitig wieder arbeiten gehen müssen. Die Job und Familie unter einen Hut bekommen müssen und so täglich ein gewaltiges Pensum an Arbeit und Verantwortung stemmen.

Da es für uns finanziell machbar ist, hat sich für uns nie wirklich die Frage gestellt, ob wir uns für Elternzeit oder Fremdbetreuung entscheiden. Es war für uns von Anfang an klar, dass ich drei Jahre Elternzeit nehmen werde. Um mein Kind bei all seinen Entwicklungsschritten zu begleiten, um da zu sein, wenn es mich braucht. Sicher ist da auch ein kleines Stückchen Egoismus dabei, denn schließlich will ich ja auch nichts verpassen. Ich möchte nicht irgendwann feststellen müssen, dass ich gar nicht bemerkt habe, wann mein Sohn dieses oder jenes erlernt hat oder wann er sein erstes Wort gesprochen hat. Natürlich ist es manchmal ganz schön anstrengend, wenn man rund um die Uhr für ein quirliges und manchmal auch sehr schlecht gelauntes kleines Wesen da ist. Insbesondere, wenn – wie in unserem Fall – die Großeltern weit weg wohnen. Aber wenn ich an die vielen schönen Momente zurückdenke, die ich schon miterleben durfte, haben sich alle Entbehrungen gelohnt.

Habt ihr euch für die Elternzeit entschieden? Wann seid ihr wieder in den Beruf eingestiegen? Wolltet oder musstet ihr arbeiten gehen?

Ich freue mich auf eure Kommentare!

Eure Esther

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