Warten auf den kleinen Bruder

“Mein Bruder macht echt Party im Bauch.”

Genau das hat meine Tochter heute über ihren zappeligen, kleinen Bruder gesagt. So kurz vor dem Entbindungstermin turnt der kleine Mann noch ordentlich in meinem Bauch herum. Ich hatte fast vergessen, was für „Wellen“ so ein Baby schlagen kann. Die Bauchdecke wölbt sich und immer wieder spüre ich die kleinen Füße, die sich scheinbar versuchen ein Loch nach Draußen zu kicken. Noch etwa 4 Wochen müssen wir warten. Vor allem meine Tochter wartet ganz sehnsüchtig auf ihren kleinen Bruder.

Seit Wochen gibt es bei meiner Tochter kaum ein anderes Thema als ihren kleinen Bruder. Liebevoll umarmt, streichelt und küsst sie meinen wachsenden Babybauch. Genaugenommen bekomme aber nicht ich ihre Zuneigung. Sie gilt ganz allein ihrem Bruder.
Ich bin nicht ganz sicher, in wieweit meine fast 3-Jährige wirklich begreift, dass da in meinem Bauch nun ein neues Leben heranwächst. Aber sie freut sich so sehr und wir reden jeden Tag darüber. Meine Tochter beschäftigen oft die Themen Stillen und Tragen. Denn durch die Schwangerschaft musste ich sie leider nach etwa 2,5 Jahren abstillen.

Der Schritt fiel mir gar nicht so leicht, aber die Schmerzen beim Stillen waren für mich einfach nicht mehr auszuhalten. Seitdem gab es aber immer wieder Momente, in denen ich mir das Stillen zurückgewünscht habe. In der aufwühlenden Zeit unseres Umzugs in ein neues Zuhause hätte es meiner Tochter sicher sehr gut getan, wenn sie ab und an hätte stillen können. Sie hat auch danach gefragt und ich habe es sie probieren lassen. Aber ihre zögerlichen Nuckelversuche hatten schon nach kurzer Zeit nichts mehr mit effektivem Stillen zu tun. Meine Tochter hat dann immer schon nach nur einer Sekunde gesagt: “Geht nicht mehr.“. Ich bin dennoch froh, dass das Abstillen für meine Tochter so selbstbestimmt wie möglich ablief. Sie sagt aber immer wieder, dass ihr Bruder dann stillen darf, sobald er auf der Welt ist.

Ähnlich verhält es sich beim Tragen. Durch die veränderte, körperliche Statik während der Schwangerschaft kann ich meine Tochter leider nicht mehr so oft Tragen, wie ich es gern würde. Weder in der Tragehilfe noch auf nur einem Arm. Mir fehlt mittlerweile einfach die Kraft und so geht mir bereits nach kurzer Zeit die Puste aus. Ich erkläre ihr dann auch in Ruhe, dass ich sie leider wegen dem wachsenden Babybauch nicht mehr so viel tragen kann. Hin und wieder zeigt sie sich für ihre knapp 3 Jahre aber sehr verständnisvoll. Sie sagt dann selbst, dass ich sie wieder tragen kann, wenn ihr Bruder nicht mehr in meinem Bauch ist.

Sie entwickelt sogar lustige Ideen, wie denn der Bruder mal aus meinem Bauch herauskommt:

„Da muss ich mal nachdenken. Mmmh…mmmh…Ich habe eine Ididee!“

Meine liebste Theorie: Da sie von uns ein Bett mit Rutsche zum Umzug geschenkt bekommen hat, kommt ihr Bruder selbstverständlich über eine Rutsche auf die Welt! Und ich muss sagen, sooo verkehrt ist die Idee gar nicht 😉

Auch im Kindergarten ist der kleine Bruder immer wieder Thema. Allerdings bisher noch namenlos. Wir werden unsere Namensvorschläge mit ins Krankenhaus nehmen und uns erst entscheiden, wenn der kleine Mann auf der Welt ist. So haben wir es damals bei unserer Tochter gemacht. Auch deshalb, weil man sich bis zur Geburt ja auch nicht immer 100% sicher sein kann, ob es wirklich ein Junge wird. Am Ende wird es womöglich doch noch eine kleine Schwester 😀

So oder so zählen wir die letzten Wochen und Tage bis zur Geburt. Alle Stoffwindeln sind frisch gewaschen und liegen einsatzbereit im Kleiderschrank. Die Kliniktasche ist gepackt und auch das Lieblingstragetuch von meinem Mann ist mit dabei. Wir haben die Abholliste im Kindergarten aktualisiert, damit unsere große Tochter auch im Notfall abgeholt werden kann und gut versorgt ist. Das ist mir sehr wichtig, damit ich möglichst entspannt in die Geburt gehen kann. Ich möchte nicht, dass mein Mann unter der Geburt den Kreißsaal verlassen muss, um kurz vor Ladenschluss noch unsere Tochter aus dem Kindergarten abzuholen. Seit dem Herbst hat sie auch schon ein paar Mal bei ihrer Omi übernachtet. Das hat bisher super geklappt. Auch das nimmt mir etwas Stress rund um die Geburt. Ich möchte nämlich nicht, dass sich meine Tochter zurückgesetzt fühlt durch die Geburt ihres Bruders. Sie musste in den vergangenen Wochen schon oft zurückstecken und zeigte sich dafür erstaunlich kooperativ.

Ich wünsche mir einen möglichst entspannten Start in unser bald vierköpfiges Familienleben. Wir müssen alle ein Stückchen zusammenrücken, damit unser kleinstes Familienmitglied auch einen Platz findet in unserer Mitte. Bisher sehe ich dem aber recht gelassen entgegen. Denn die große Schwester freut sich so sehr auf ihren kleinen Bruder. Damit wir den kleinen Mann so richtig willkommen heißen können, hat meine Tochter für ihn ein kleines Geschenk zusammengestellt. Sie durfte ein paar Hosen und Bodys, sowie ein kleines Spielzeug aussuchen. Immer wieder packt sie das Geschenk aus und geht nochmal alle Dinge durch, die sie ihrem Bruder schenken möchte. Ich habe eine einfache Schleife darum gebunden, damit sie es selbst öffnen kann. Irgendwie scheint es ihr wichtig zu sein, den Inhalt regelmäßig zu überprüfen. Und wir lassen sie gewähren. Schließlich ist es ihr selbst ausgesuchtes Geschenk für ihren kleinen Bruder <3

 

Eure Anke

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