Vegan durch die Schwangerschaft

Wie bereits Anfang Mai angekündigt, möchten wir künftig anderen Eltern die Gelegenheit bieten, ihre Geschichten mit euch zu teilen. Jeden Tag bringen Frauen rund um den Erdball Kinder zur Welt. Jeden Tag werden Väter geboren. Jede Schwangerschaft ist gleich und doch so unterschiedlich, wie wir Menschen es nunmal sind. Da Esther und ich nur über das schreiben möchten, was wir selbst erleben, gibt es Themenfelder, die wir dadurch nicht abdecken können. Wir beide achten zwar auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Aber wir wissen nicht, wie es ist, wenn man als Veganerin schwanger ist. Auf welche Vorurteile oder Hindernisse man dabei stoßen kann, wenn man vegan lebt, erzählt uns die liebe Alicia in ihrem Gastbeitrag. Wir verfolgen sie schon eine kleine Weile auf Instagram. Man konnte Alicia quasi live durch ihre vegange Schwangerschaft begleiten. Und nicht zu Letzt hat sie uns mit ihrer Liebe zu Stoffwindeln schon früh in ihren Bann gezogen.

Moin, ich bin Alicia!

Moin, ich bin Alicia, 33 Jahre jung und seit Dezember Mutter eines Sohnes. Ich betreibe den Instagram Account Alicia und die Stoffwindeln und ganz neu auch die Seite Stoffwindeln Hamburg mit einer Stoffwindelberatung und –verleih. Doch darum geht es hier heute gar nicht! Denn die liebe Anke hat mich gefragt, ob ich einen Gastbeitrag für euch schreiben möchte und hier bin ich! Es geht heute um meine vegane Schwangerschaft. Die erste Reaktion ist meistens: „Huch, geht das denn?!“ Ja, es geht. Und es ist ganz entspannt!!

Ich wurde vor etwa 5 Jahren Vegetarier, da ich nach zwei Wochen veganem Detox feststellte, dass ich Fleisch einfach nicht vertrug. Ich hatte oft Magen-Darm-Beschwerden und wusste nie, warum. Als ich nach den zwei Wochen in eine saftige Hähnchenkeule biss, folgten ein paar Stunden später direkt die Konsequenzen. Und so verabschiedete sich Fleisch aus meinem Leben. Ein paar Jahre später, ich schätze so zwei, sah ich dann auf Facebook ein Video über Massentierhaltung. Ich saß abends alleine weinend vor meinem Ipad und dachte mir: Nein, das möchte ich nicht mehr unterstützen. Von da an begann dann die komplette Umstellung. Der Anfang war hart, weil ich mich durch so unendlich viele Ersatzprodukte testete, die einfach furchtbar schmeckten und der Ehemann mich jedes Mal auslachte. Er ist übrigens omnivor geblieben. Es gibt bei uns aber alles, was sich veganisieren läßt, in vegan für uns beide (wie z.B. Saucen oder Gratins) und er bekommt ein Stück Fleisch dazu. Mir ist wichtig, dass jeder seine eigene Entscheidung trifft. Ich möchte nicht missionieren, aber mit gutem Beispiel vorangehen und für mich die richtigen Entscheidungen treffen.

Vor etwas über einem Jahr stellten wir abends gemeinsam fest, dass ich schwanger war. Hui, das war eine Überraschung! Wir hatten es zwar darauf angelegt, aber aufgrund meiner Hormonerkrankung PCOS und der schlechten Prognose meiner Frauenärztin nicht damit gerechnet. Gar nicht. Und freuen konnten wir uns anfangs auch nicht richtig, weil wir beide totale Angst vor den ersten 12 Wochen hatten. Dass ich vegan bleibe, stellten wir allerdings nie in Frage – unser Umfeld schon! Oft wurde ich gefragt, ob ich „das“ jetzt so weiter machen möchte, ob das denn so ginge. Ob ich jetzt nicht doch mal ein Stück Fleisch essen möchte. Ich kann so was zum Glück ganz gut ignorieren. Wenn Menschen mit mir diskutieren wollen, frage ich sie vorher immer, ob sie das auch wirklich wollen. Denn ich bin gut informiert darüber, dass Fleisch absolut gar nichts enthält, was ich oder mein Baby dringend brauchen und nicht anderweitig zuführen könnten. B12 habe ich mir im Vorfeld schon spritzen lassen und Eisen kann man durch viele Lebensmittel zu sich nehmen oder auch in Form von Tabletten, wenn man es verträgt. Mein Mann reagierte allerdings ganz anders und das fand ich ganz großartig! Er als Omnivor verteidigte immer meine vegane Lebensweise, weil er wusste, wie gut es mir tat und wie viel ich mich über mein Essen informierte. Ihm war klar, dass ich nur das Beste für mich und unser Baby wollte und damit auch verantwortungsbewusst umgehen würde. So regte er sich für mich auf und diskutierte an der ein oder anderen Stelle – herrlich!  Dass ich je wieder Fleisch esse, kommt für ihn nämlich so gar nicht in Frage, da er weiß, wie schlecht es mir damit ging. Die Entscheidung gegen Käse, Milch & Co. kann er zwar nicht nachvollziehen, aber damit leben – Hauptsache, es schmeckt!

Vegan? – Geht gar nicht!

Der zweite Faktor, der viele von einer veganen Schwangerschaft abbringt, sind die Ärzte. Auch hier hatte ich Glück. Meine Frauenärztin wusste, dass die pflanzliche und bewußte Ernährung im Vorfeld mir erst zu meiner Schwangerschaft verholfen hat und sagte so gar nichts dazu. Die Arzthelferin meinte dann auch, den Ernährungsratgeber brauche sie mir gar nicht geben, denn ich esse ja eh keine Salami, Mett oder Rohmilchkäse. Meine Hausärztin war da leider anders eingestellt. Sie meinte, ich müsse davon ja jetzt weg – wegen dem erhöhten Eiweißbedarf. Ich habe sie dann nur angeguckt und gemeint, ich esse genug Bohnen und tracke mein Essen, so dass ich sehr genau weiß, was ich zu mir nehme. Danach war Ruhe und ich bekam ein neues Rezept für meine B12-Spritzen. Man muss dazu sagen, dass viele Ärzte auch überhaupt nicht in Ernährung ausgebildet sind. Sie gehen meistens von der klassischen Meinung aus und hinterfragen da wenig. Dabei hat Ernährung so einen großen Einfluss auf die Gesundheit der Menschen; bspw. Schweinefleisch und rheumatische Erkrankungen.

Tja, und so blieb ich dann einfach vegan. Ich supplementierte wie jede Schwangere Folsäure, Vitamin D und Omega-3 und -6, dazu dann B12 und am Ende der Schwangerschaft Eisen, wie auch fast jede andere Schwangere. Und was soll ich sagen? Die Schwangerschaft war sooo entspannt. Ich hatte fast nie mit Übelkeit zu kämpfen, hatte kaum körperliche Beschwerden und konnte bis zum letzten Tag vorm Mutterschutz voll arbeiten gehen. Und als Storemanagerin bei einer großen Textilmarke ist das nicht gerade der einfachste Job! Dem kleinen Mann in mir ging es gut und er wuchs prächtig. Sehr prächtig! Da wir beide sehr groß sind, wurde auch unser Sohn recht groß und bekam von meinem Mann den Spitznamen „das unernährte Veganer-Baby“. Er kam mit 56cm, 3920g und einem Kopfumfang von 38 cm auf die Welt – jetzt nach vier Monaten veganem Vollzeitstillen ist er 66cm, wiegt 8100g und hat einen Kopfumfang von 45 cm. Also eher so die Werte eines 6 Monate altem Babys!

Einen schönen Moment hatten wir noch bei der U2 im Krankenhaus, als ich den Kinderarzt fragte, ob man in solchen Fällen bei den kleinen den B12-Wert testen sollte. „Äh, nee, vegane Schwangerschaft und Stillzeit, das geht ja gar nicht! B12 läßt sich seines Wissens nach auch nur tierisch herstellen, also könnte man das gar nicht vegan supplementieren.” Er war auch wirklich überrascht, dass mein Sohn keine Mangelerscheinungen oder Fehlbildungen hatte. Die Unterhaltung war dann für mich beendet. Unserem Kinderarzt habe ich bisher noch nichts gesagt, denn so lange sich mein Sohn gut entwickelt, habe ich kein Interesse an weiteren unqualifizierten Meinungen und Ratschlägen.

Mein Fazit

Vegane Schwangerschaft geht total gut! Als vegan lebender Mensch, macht man sich oft mehr Gedanken über sein Essen. Informiert und achtsam zu essen ist besser als jeden Mist in sich hineinzustopfen. Durch den Druck, den man als Veganer von Außen erhält, ist man immer lieber ewas mehr informiert als zu wenig. Und jeden, der euch veganen Schwangeren etwas zum Thema Ernährung dazu sagen möchte, fragt doch einfach mal, ob er andere Schwangere auch nach ihrem Essen fragt. Denn wenn eine omnivore Schwangere jeden Tag zu McDonalds geht, scheint das irgendwie keinen zu interessieren… Seid informiert, für den Fall es möchte jemand mit euch diskutieren – und alle anderen, lasst einfach reden!

Eure Alicia

Ein Kommentar bisher - Was sagst du?

  1. […] Ich vermute mal, dass die meisten von uns früher oder später auf dieses Problem stößt: Was koche ich heute? Was macht wenig Arbeit und geht schnell? Immer wieder nur Nudeln im ständigen Wechsel mit Tomatensauce, Ketchup, Käse überbacken oder einfach nur mit Maggie… ganz abgesehen davon, dass so eine Ernährung auf Dauer nicht besonder gesund ist, ist sie auch nicht besonders abwechslungreich. Und schmeckt am Ende immer irgendwie gleich. Zeit also, um ein bisschen Abwechslung und Schwung in den Kopftopf zu bringen. Schnell, lecker und sogar vegan! […]

    17. Juni 2019
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