Meine Tochter und ich – Unser entspannter Stillstart

Seit dem Tag ihrer Geburt stille ich meine Tochter nach ihrem Bedarf. Schon kurze Zeit später waren wir ein eingespieltes Team, denn Stillen ist Teamarbeit. Im Grunde weiß ein Neugeborenes, was zu tun ist – nur meist die Neu-Mama nicht. Das Baby zeigt also der Mama wie das Stillen funktioniert. Man nennt dies auch intuitives Stillen: Ein Baby fängt direkt nach der Geburt intuitiv mit der Suche nach der mütterlichen Brust an. Dafür ist es jedoch wichtig, dass das Neugeborene direkt nach der Geburt auf Mamas nackten Oberkörper gelegt wird. Es riecht Mamas Haut. Die dunkel gefärbten Brustwarzen setzen sich farblich von der helleren Haut drumherum ab und zeigen dem Säugling den Weg zur Nahrungsquelle. Zudem produzieren spezielle Duftdrüsen rund um die Brustwarze Pheromone, die ihm ebenfalls „Hier geht es lang!“ zeigen .

Dieses erste Kennenlernen, Anlegen, Kuscheln, Haut an Haut nennt sich Bonding (engl. für Bindung) und ist der erste und wie ich finde bedeutendste Schritt in der Mutter-Kind-Beziehung. Niemals werde ich vergessen, wie mein winziges, knatschrotes Würmchen das erste Mal ganz zaghaft an meiner Brust saugte. Ich lag total verkrampft da und beobachtete mein Kind bei jedem kleinen Zug an der Brustwarze. Dank ein wenig Vorbereitung konnte ich sehr selbstbewusst ans Stillen herangehen.

Lernen von anderen Müttern

Zum einen besuchte ich einen Stillvorbereitungskurs in der Uniklinik. Auf diesen stieß ich, weil eine Freundin anfangs Schwierigkeiten mit dem Stillen hatte. Online schaute ich nach einer Stillberatung und fand dabei diesen Kurs. Die Stillberaterin war Kinderkrankenschwester und arbeitete dort auf der Station. Während des Kurses erzählte sie uns von einigen Ammenmärchen rund ums Stillen. Denn solange medizinisch nichts dagegen spricht, könne jede Frau stillen. Dafür haben wir Brüste. Sie dienen nicht (nur) zur Bespaßung des männlichen Volkes. Der Grund für ihre Existenz sind hungrige Babys.

In dem eineinhalbstündigen Kurs wurden mir und ein paar anderen Teilnehmerinnen verschiedene Arten gezeigt, wie man sein Kind an die Brust anlegen kann, welche Hilfsmittel es gibt und dass man eine entspannte Haltung einnehmen soll. Mit Letzterem hatte ich gerade in den ersten Wochen so meine Probleme. Bei jeder Stillmahlzeit schaute ich unentwegt nach unten auf mein Kind. Warum auch nicht? Sie war und ist so wunderschön und perfekt! Nur meinem Nacken war das egal. Er schmerzte. Mit der Zeit wurde ich mutiger. Ich stillte seitlich im Liegen und irgendwann benutzte ich auch das Stillkissen nicht mehr.

Auf der anderen Seite hatte ich die bereits erwähnte Freundin. Ihr Kind kam wenige Monate vor meinem zur Welt. Trotz ihrer Startschwierigkeiten lernte ich am meisten von ihr. Generell bin ich sehr für einen offenen, lockeren Umgang mit dem Thema Stillen. Hätte ich meine Freundin nicht gehabt, wäre ich damit ganz alleine gewesen. Während sie ihr Kind stillte, saß ich daneben, beobachtete und hörte ihren Ratschlägen zu.

Der wichtigste Tipp: Cool bleiben!

Wenn man sich ständig stresst, kann einem schon mal die Milch wegbleiben. Egal, was gerade drumherum passiert: Nichts ist so wichtig als dass es nicht bis nach der Stillmahlzeit warten könnte. Es muss nicht immer mucksmäuschenstill drumherum sein. Entgegen der Empfehlung mancher Stillliteratur lief bei mir währenddessen oft der Fernseher. Allerdings war der Ton dann sehr leise oder manchmal auch aus. Wenn ich draußen unterwegs war, gab es jedoch keine Mute-Taste. Mein Kind stillte trotzdem. Es war ihm egal. Hauptsache Futter.

Stillen ist Teamarbeit & Glückshormone

Wie jede Beziehung ist auch eine Stillbeziehung Teamarbeit. Ein Geben und Nehmen. Ich gebe meinem Kind Nahrung, Nähe, Trost, Geborgenheit, Sicherheit, Liebe. Mein Kind gibt mir ein gutes Gefühl. Es macht mich glücklich und auch stolz, dass mein Kind nur durch mich an Gewicht zunimmt. Dass ich es trösten kann, wenn es weint. Zusätzlich entspannt mich der Hormoncocktail aus Oxytocin und Prolaktin, der beim Stillen ausgeschüttet wird und lässt mich die kurzen Nächte gut durchstehen. Mal abgesehen davon, dass Stillen die Rückbildung unterstützt. In den ersten Tagen nach der Geburt konnte ich bei nahezu jeder Stillmahlzeit spüren, wie sich meine Gebärmutter zusammenzog.

Noch in der Schwangerschaft habe ich ein Päckchen Fertigmilch gekauft „nur für den Fall, dass…“. Doch es dieser Fall trat nie ein. Es war niemals notwendig, dass meine Tochter auf Muttermilch verzichten musste. Gerade in den ersten Monaten pumpte ich hin und wieder etwas Milch ab und fror sie ein. Auf diese Weise konnte ich abends zu meinem Rückbildungskurs gehen, während mein Mann unser Baby versorgte. Ungefähr 8 Wochen nach der Geburt wurde mir ein Plazentarest aus der Gebärmutter entfernt. Dafür war eine kurze Vollnarkose notwendig. Kaum ein Narkosearzt gibt einer stillenden Mutter eine 100%-ige Garantie, dass das Narkosemittel keine Auswirkungen auf den Säugling hat. Mir wurde geraten vorher Milch abzupumpen und nach dem Eingriff noch zwei Stillmahlzeiten. Wobei ich Letztere dann verwerfen sollte, damit meine Tochter im Zweifelsfall nichts von dem Narkosemittel über die Muttermilch aufnimmt. Sie bekam zwei Portionen abgpumpte Muttermilch und das war es dann auch schon.

Langzeitstillen

Alles in Allem würde ich mich immer wieder für das Stillen entscheiden. Es ist nicht nur das von Mutter Natur vorgesehene Nahrungsmittel Nr. 1 für Babys. Stillen ist schlichtweg praktisch: Keine Thermoskanne mit passend temperiertem Wasser. Kein Milchpulver, dass richtig dosiert werden muss. Kein ständiges Abwaschen von Babyfläschchen. Mein Kind kann immer an die Brust. Gerade an heißen Tagen oder während der Wachstumsschübe clustert (Cluster, engl. für Anhäufung) meine Tochter. D. h. sie stillt häufiger, aber dafür nicht so lange am Stück. Ich empfinde dies aber nicht als stressig. Stillen sollte Mama und Kind Spaß machen und ein gutes Gefühl geben und zwar so lange es beide möchten. In unserem Fall hoffe ich auf eine schöne, lange Stillzeit.

An meiner anfänglichen Euphorie hat sich im Großen und Ganzen nichts geändert. Meine Tochter ist mittlerweile über eineinhalb Jahre alt und stillt nach wie vor – phasenweise mal mehr oder weniger. Ich stille mein Kind immer noch nach ihrem Bedarf. Am meisten stillt sie beim Aufwachen und Einschlafen. Hin und wieder gibt es Tage an denen sie tagsüber kaum oder überhaupt nicht stillt. Dafür stillt sie fast ununterbrochen, wenn sie Zähne bekommt oder sie krank ist und so richtig in den Seilen hängt. Auch nach über einem Jahr genieße ich unsere Stilleinheiten sehr. Meine Tochter war allerdings nie das “Bilderbuch-Stillkind”. Sie hat nie 20 Minuten an der einen Brust und dann noch mal 5 Minuten an der anderen Brust im fröhlichen Wechsel getrunken. Sie clustert nach wie vor, bzw. sie stillt meist häufig und kurz – außer am Morgen und Abend.

Seit wenigen Wochen gehe ich nun wieder arbeiten. Meine Tochter wird zukünftig tagsüber in der Kinderkrippe sein und kann dann dementsprechend in dieser Zeit nicht stillen. Ich hoffe sehr, dass diese Veränderung unsere (Still-) Beziehung nicht belastet. So gern ich auch wieder arbeiten gehen möchte, so gern würde ich am liebsten noch bei meinem Kind bleiben. Jede Minute mit ihr ist so unendlich kostbar für mich. Ich habe mir vorgenommen an meinen freien Tagen “quality time” mit ihr zu verbringen. Es wird an diesen wenigen Tagen keine Hausarbeit für mich geben und keine schmutzige Wäsche. Die spärliche freie Zeit möchte ich ganz mir und meinem Kind widmen.

 

Wie war euer Stillstart? Hattet ihr Hilfe dabei oder habt ihr ganz intuitiv damit begonnen?

Eure Anke

Deine Meinung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.