Umzug aufs Land – unser Abschied von Mannheim

Ein Umzug ist ja immer in gewisser Weise ein Neuanfang. Besonders dann, wenn man nicht nur drei Häuser weiter zieht. Gerade für Kinder ist ein Umzug ein einschneidendes Ereignis. Sie werden herausgerissen aus ihrem bekannten und sicheren Umfeld und müssen sich in einer völlig neuen Umgebung erst einmal zurecht finden. Das ist gerade für die ganz Kleinen nicht einfach und die Entscheidung für den Neustart will deshalb auch gut überlegt sein. Trotzdem war dieser Umzug genau das Richtige für uns und nach anfänglichen Schwierigkeiten profitieren nun vor allem unsere Kinder davon. Was uns dazu bewogen hat, diesen riesigen Schritt zu gehen, möchte ich euch heute gerne erzählen.

Gründe umzuziehen gibt es ja viele. Entweder weil man andernorts eine neue Arbeitsstelle antritt. Weil man vielleicht mit einem neuen Partner zusammenzieht. Oder weil man – aus welchen Gründen auch immer – aus der alten Wohnung ausziehen muss. Auf uns hat keiner dieser Gründe zugetroffen. Zusammengefasst kann man sagen, dass wir unseren Kindern zuliebe umgezogen sind. Wir haben viele Jahre gerne in Mannheim gelebt. 5 Gehminuten vom Vogelstangsee entfernt und damit direkt am Naherholungsgebiet hatten wir eine tolle Wohnlage. 3 Gehminuten von Einkaufszentrum, (Kinder)Arzt und Straßenbahnhaltestelle in unmittelbarer Nähe waren echter Luxus.

Trotzdem hat diese Wohnsituation für uns und unsere Kinder keine Zukunftsperspektive geboten. Denn auch wenn wir für Mannheimer Verhältnisse sehr „grün“ gewohnt haben, war es doch alles andere als naturnah. Es gab auch am See einfach keine wilden Wiesen oder Flächen, durch die man seine Kinder guten Gewissens stromern lassen kann. Entweder ist es nicht gepflegt und man muss mit Müll, Glasscherben und Hundekot rechnen. Oder es ist so gepflegt, dass es absolut nichts mehr zu entdecken gibt. Ein gepflegter Rasen ist zwar schön, wenn man sich mit dem Badetuch darauf legen will. Aber es ist ein schwarzer Fleck auf der kindlichen Abenteuerkarte. Dss einzige Abenteuer bestand meist darin, nicht in den See zu fallen, mit den streitlustigen Schwänen nicht aneinander zu geraten und sich nicht von rücksichtslosen Fahrradfahrern überfahren zu lassen.

So schön es als Single, junges Paar oder ältere Person ist, dort zu wohnen – für Kinder hat dieses städtische Umfeld nicht das geboten, was wir uns für unsere Kinder wünschen. Mein Mann und ich möchten für unsere beiden Söhne, dass sie einen Bezug zu ihrer Umwelt und den Lebewesen um sich herum entwickeln. Und das ist leider nur schwer möglich, wenn man Tiere immer nur im nahegelegenen Park hinter Glas oder Gitter beobachten kann. Wir möchten jetzt im kommenden Frühjahr den Garten zusammen mit unseren Kindern bepflanzen. Natürlich bienenfreundlich und für die Kinder ungiftig. Wir werden einige Beerensträucher setzen und auch ein Hochbeet mit Gemüse anlegen. Dabei dürfen die Kinder dann hautnah miterleben, wo das Essen herkommt.

Der wohl wichtigste Grund für unseren Umzug, waren aber die fehlenden Betreuungsmöglichkeiten in Mannheim. Mein Sohn war zum Zeitpunkt knapp 4 Jahre alt und hatte noch immer keinen Kindergartenplatz. Wir haben über 2,5 Jahre vergeblich auf einen gewartet – und uns dann frustriert dazu entschlossen, es wo anders zu versuchen. Zur kurzen Erklärung an alle, die nicht aus Mannheim kommen: in Mannheim gibt es eine zentrale Vergabestelle für die Betreuungsplätze. Dort meldet man sein Kind für einen Betreuungsplatz an. Die Vergabe erfolgt über ein Punktesystem. Man bekommt Punkte dafür, dass beide Eltern arbeiten gehen, man alleinerziehend ist, sozial schwach ist (also Hartz IV bezieht) und/oder das Kind bereits älter ist. Leider haben wir anhand dieser Kriterien nicht ausreichend Punkte bekommen und mussten hinten anstehen. Mein Mann hat einen gut bezahlten Job und wir konnten uns den Luxus leisten, dass ich für die Kinderbetreuung zu Hause geblieben bin. Mein jüngeres Kind ist ja auch noch nicht einmal 2 Jahre alt, entsprechend gehe ich auch nicht wieder bzw. nur sehr eingeschränkt arbeiten. Und da liegt für uns auch ein bisschen der Hund begraben. Als selbstständige Fotografin kann ich nur arbeiten gehen, wenn ich eine Betreuung für meine Kinder habe. Leider habe ich keinen Arbeitgeber, der mir eine Bescheinigung ausstellt. Dumm gelaufen für mich – dumm gelaufen für mein Kind. Denn in der Anonymität der Großstadt ist es gar nicht so einfach feste Freunde zu finden, wenn man nicht in den Kindergarten geht. Auf den Spielplätzen ist das dank des sehr wechselnden Publikums leider nicht wirklich möglich gewesen.

Ich verstehe wirklich, dass es Eltern gibt, die sehr viel dringender auf einen Betreuungsplatz angewiesen sind als wir. Ich kann mich dabei aber dem viel gehörten Argument nicht anschließen, dass es unfair sei, Flüchtlingskinder vorzuziehen. NOTwendig ist notwendig – egal wie diese Dringlichkeit entstanden ist. Es gab auch vor der Flüchtlingskrise schon viel zu wenige Betreuungsplätze. Diese Fehlplanung geht allein zu Lasten der Behörden. Egal wie es zu dieser Knappheit kam und wie fair oder unfair das jetzt im Einzelnen ist. Für unseren Sohn ist dieser nicht vorhandene Kindergartenplatz eine denkbar blöde Situation. Denn nur weil seine Eltern dank Studium nun genug verdienen, dass man mit einem Gehalt gerade so überleben kann, bekommt er keine Möglichkeit, in Mannheim altersgerecht gefördert zu werden. Denn sind wir mal ehrlich: egal wie sehr ich mich um „Programm“ für das Kind bemühe, einen Kindergartenplatz kann ich nicht ersetzten. Ich kann ihm nicht die gleiche Beschäftigung und die Erfahrungen bieten, die er mit Gleichaltrigen hat.

Wir wollen, dass unsere Kinder sozial nicht zu kurz kommen und die Möglichkeit haben, eine erfüllte Kindheit zu haben. Dazu gehört halt auch, sich mit anderen Kindern auseinander setzen zu können. Im Guten wie im Schlechten. Lernen kann ein Kind soziale Kompetenzen nur, wenn es die Möglichkeit dazu hat. Ich habe 10 Jahre lang wirklich gerne in Mannheim gelebt. Aber an dieser speziellen Stelle muss ich sagen: Danke Mannheim – Danke für NICHTS!

Wir sind deshalb Ende letzten Jahres sehr kurzfristig in eine kleine Gemeinde in Rheinland-Pfalz gezogen. In ein kleines Häuschen mit Garten, am Ortsrand einer kleinen, verschlafenen Gemeinde (ich liebe sie!). Hier gibt es alles, was wir uns für unsere Kinder erträumt haben: viel Natur, einen Garten, Kinder in der Nachbarschaft, kaum Verkehr UND einen Kindergartenplatz!! Wir hatten echt Glück und haben im örtlichen Kindergarten sogar recht bald einen Platz bekommen. Unser großer Sohn ist gerade mitten in der Eingewöhnung und geht dort jeden Morgen voller Begeisterung hin. Und das Schönste: der Kindergarten hat ein offenes Konzept und ist bedürfnisorientiert. Wir sind wirklich begeistert und auch unser Sohn fühlt sich pudelwohl dort.

Natürlich lief der Umzug nicht ganz so rosa ab, wie sich das hier liest. Die ersten Wochen waren sehr anstrengend. Die Küche war nicht fertig. Es hat überall noch an Möbeln gefehlt und es war am Anfang nur das Wichtigste ausgepackt. Beide Kinder haben die ersten Wochen unglaublich schlecht geschlafen und unser Großer hat mehrfach geäußert, dass er sein altes Zuhause und die Nachbarn dort vermisst. Mittlerweile sind aber beide Kinder angekommen und sehr glücklich mit der neuen Wohnsituation. Ein eigener Garten und ganz viele Möglichkeiten, Abenteuer zu erleben haben den Umbruch schnell vergessen lassen.

Unterm Strich hat der Umzug uns Eltern viel Zeit, Nerven und Geld gekostet. Auch wir müssen hier neu anfangen, uns in der Umgebung zurechtfinden und uns um neue Sozialkontakte bemühen. Unsere Kinder hat er aber sehr glücklich gemacht. Allein dafür war es den Aufwand wert und wir bereuen diesen Schritt keine Sekunde.

Seid ihr glücklich mit eurer Lebenssituation? Wenn ihr gerne etwas ändern würdet, was wäre das?

 

Wir freuen uns auf eure Antworten in den Kommentaren!

Herzlichst,

Esther

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