Tragen: Was sollte ich dabei beachten?

Ich bin eine Trage-Mama durch und durch. Seitdem unsere Tochter auf der Welt ist, wird sie von mir und meinem Mann getragen, denn wir besitzen keinen Kinderwagen. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden und tragen unsere Tochter im Tragetuch, Ringsling und in der Tragehilfe seit mittlerweile über 1,5 Jahren. Auch wenn ich vielleicht nicht jeden schicken Fachbegriff kenne oder jedes “Finish” benennen kann, so würde ich mich dennoch als Trage-Profi beschreiben.

Aber bis man mal soweit ist, darf man sich vorher durch einen Wirrwarr an Tragetüchern, -hilfen und -arten wuseln. Es gibt so viele Hersteller und alle unterscheiden sich häufig nur in kleinen Details. Bei einem Hersteller ist die Polsterung der Träger besonders gut, bei einem anderen gefällt mir hingegen das Muster besser. Es gibt sehr viele gute Hersteller und nur wenige wirklich schlechte. Wobei das auch wieder eine Frage des persönlichen Geschmacks ist.

Im Grunde sollte man beim Tragen auf 3 Dinge achten:

  1. Elastisch oder fest?
    Daran scheiden sich leider oft die Geister. Solange ein Neugeborenes körperlich gesund ist und einen normalen Muskeltonus hat, kann man es sehr bequem in einem elastischen Tragetuch tragen. Elastische Tücher sind gut für Anfänger geeignet, weil man sein Baby nicht zu fest einbinden kann, es aber gleichzeitig ausreichend gestützt wird. Wer schon Erfahrungen mit dem Tragen von Neugeborenen hat, kann auch direkt mit einem festen Tragetuch starten. Auf jeden Fall empfehle ich euch eine Trageberatung in eurer Nähe zu kontaktieren oder ihr bittet eine trageerfahrene Freundin um Hilfe.
  2. Anhock-Spreiz-Haltung
    Wenn ihr euch den Rücken eures Neugeborenen anschaut, dann seht ihr, dass dieser gekrümmt und nicht gerade ist. Im Laufe des ersten Lebensjahres richtet sich die kindliche Wirbelsäule allmählich auf. Beim Tragen unterstützt ihr die natürliche Rundung der Wirbelsäule in dem ihr das Baby “beutelt”. Dafür zieht ihr die untere Stoffbahn eures Tragetuchs zwischen euch und eurem Kind so weit hoch, dass euer Baby in einer Art Beutel sitzt. Der Babypopo ist somit etwas tiefer als die Kniekehlen. Knie und Po bilden sozusagen ein M, wie die Beine eines Froschs. Auf diese Weise wird die natürlichen Rundung der Wirbelsäule unterstützt.
    Die untere Tuchbahn oder der Steg eurer Tragehilfe sollte bei Babys immer von Kniekehle zu Kniekehle gehen. Somit verteilt sich das Gewicht gleichmäßig und euer Baby wird optimal gestützt.
  3. Passt es?
    Egal, ob Tragetuch, Ringsling oder Tragehilfe: Wenn es unbequem ist oder irgendetwas drückt, dann ist es entweder nicht die richtige Trageweise oder eine falsch eingestellte Tragehilfe. Ich befürworte das Tragen von Babys und Kleinkindern und begrüße jeden herzlich, der es versuchen möchte. Aber man sollte nicht um jeden Preis tragen. Häufig sehe ich Frauen, die ihre Kinder viel zu tief in der Tragehilfe sitzen haben. Die Kinder hängen quasi direkt vorm Becken. Daraus resultiert eine sehr eigenartige Gangart: Diese Frauen schieben beim Laufen das Becken nach vorn, um das Gewicht des Kindes auszubalancieren. Das kann unmöglich bequem sein!
    Ein kleiner Tipp: Tragt euer Baby so hoch, dass ihr es bequem auf seinen Kopf küssen könnt.

Nicht jede Tragehilfe ist für jeden Tragenden geschaffen, denn wir unterscheiden uns alle in Größe, Form, Gewicht oder Kondition. Wer unsicher ist, welche Tragehilfe am besten für einen selbst geeignet ist, sollte entweder eine Trageberatung aufsuchen oder sich bei trageerfahrenen Freunden durchprobieren.

Leider ist auch nicht jede Tragehilfe für Neugeborene geeignet. Es gibt Modelle bei denen man den Steg von Hand abbinden muss, da er sich nicht ausreichend verkleinern lässt. Ein kleines Baby würde überspreizt darin sitzen, weil der Steg nicht optimal von Kniekehle zu Kniekehle geht. Zudem sind manche Tragehilfen zu steif und passen sich kaum der natürlichen Wirbelsäulenkrümmung eines Neugeborenen an. Schaut euch also die Tragehilfe genau an, ob ihr damit die o.g. Punkte 2 und 3 erfüllen könnt. Es muss auch nicht ungedingt die teuerste Tragehilfe sein, aber sie muss für euch und euer Baby passen.

Bei Tragetüchern ist es vielmehr eine Entscheidung des Geldbeutels und des persönlichen Geschmacks. Vor allem feste Tragetücher gibt es in nahezu jeder Farbe und unzähligen Mustern. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Hat man sich einmal schockverliebt, ist einem der Preis (fast) egal!

Noch ein kleiner Hinweis zum Schluss: Während des Tragens sollte das Baby keinen Strampler mit Füßchen tragen. Durch die Anhock-Spreiz-Haltung rutscht das Hosenbein etwas hoch und die Babyfüßchen würden sich nach oben biegen. Besser geeignet sind Strumpfhosen oder Strampler, die keine festgenhähten Füßchen haben.

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