Terrible Two – Mein Kind macht mich manchmal wahnsinnig

Es gibt in letzter Zeit Tage, an denen treibt mich meine 2-Jährige an den Rand des Wahnsinns. Nicht umsonst wird vielerorts die Zeitspanne zwischen 1,5 – 3 Jahren Terrible Two, also das schreckliche zweite Lebensjahr genannt. Und genau so fühlt es sich an manchen Tagen für mich an.

Bestes Beispiel ist derzeit das Thema Kleidung. Mir persönlich ist es egal, ob die linke Socke zur Rechten passt oder ob der Pullover mit der Hose harmoniert. Aber wenn ich meiner Tochter 5 Paar Socken anbiete und ihr keines davon genehm ist, dann geht sie eben ohne aus dem Haus. Es kommt auch vor, dass sie ohne Schuhe vor die Tür geht. Die Diskussion über Schuhe sieht nämlich ganz genau so aus, wie die über die Socken. Wobei ich immer welche einpacke für den Fall, dass sie es sich anders überlegt. Ich packe auch ein T-Shirt in ihren Rucksack, wenn sie mal wieder lieber nur im Unterhemd rausgehen möchte.

Ehrlich gesagt gehe ich da den Weg des geringsten Widerstandes. Ich bin eigentlich nicht konfliktscheu, aber ich sehe es nicht ein, meine Energie mit sinnlosen Diskussionen zu verschwenden, wenn es doch nur um etwas völlig banales wie ein T-Shirt geht. Es ist glücklicherweise morgens nicht mehr so kalt und der Weg zur Kinderkrippe ist nur ganz kurz. Auch die Erzieherin zeigte bisher immer Verständnis, wenn meine Tochter morgens nur halb angekleidet in die Krippe kam. Aber ich packe immer den Rest ihres Outfits in ihren Rucksack und zu einem späteren Zeitpunkt hilft ihr die Erzieherin beim Anziehen.

Generell gibt es solche Diskussionen meistens nur zu Hause…am frühen Morgen…kurz bevor wir losgehen wollen. Hab ich schon erwähnt, dass die Terrible Two echt anstrengend sind?! Und mein Kind macht mich dann ganz kirre, weil ich das Gefühl habe nichts richtig machen zu können.

„Nein, andere Schuhe! Nicht die Hose. Andere Hose. Andere Socken. Keine Jacke!“

Trotzdem lasse ich sie nicht alleine. Sie ist so gefangen in sich und lernt Gefühle, wie Wut oder Frustration erst allmählich kennen. Sie ist erst 2 Jahre alt und erwirbt nach und nach die Fähigkeit selbstständig zu sein und eigene Entscheidungen zu treffen. Das kann einen schon mal ordentlich überfordern. Ihr fehlen die Worte, um sich adäquat ausdrücken zu können und die Feinmotorik, um sich komplett selbst anziehen zu können. Eine Freundin erzählte mir mal, als ihr Kind mitten in den Terrible Two steckte, wollte es sich unbedingt selbst die Socken anziehen. Weil aber die Feinmotorik noch nicht ganz so wollte wie das Kind, scheiterten die ersten Versuche. Das Kind saß da und heulte, weil es die verdammte Socke nicht über den Fuß bekam. Aber Mama durfte nicht helfen. Mama stand daneben, verdrückte sich die Tränen und wollte ihr Kind in seinem Lernprozess zur Selbstständigkeit nicht unterbrechen. Es war schwer für das Kind und noch viel schwerer für die Mama.

Ich versuche ebenfalls mein Kind auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit zu unterstützen. Sie darf sich selbst raus suchen, was sie anziehen möchte – auch auf die Gefahr hin, dass sie ohne Schuhe in die Kinderkrippe geht. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich sie morgens oft im Onbuhimo auf dem Rücken zur Krippe trage. Ihre Socken bleiben also sauber 😉 Wobei es für mich auch in Ordnung wäre, würde sie barfuß laufen wollen. Ich laufe auch sehr gern ohne Schuhe, wenn es das Wetter zulässt.

Die Terrible Two sind vor allem für uns als Eltern eine echte Herausforderung. Tränen, Geschrei und Wutausbrüche sind da leider keine Seltenheit. Aber niemals möchte ich meinem Kind das Gefühl geben, dass ihre Gefühle fehl am Platz sind. Ich begegne ihr auf Augenhöhe mit Verständnis, Geduld und einer Extraportion Liebe, weil sie das in diesen Momenten gerade am dringendsten braucht. Mein Kind macht ja nichts falsch. Es weiß sich einfach nur nicht anders zu helfen. Aus diesem Grund halte ich persönlich auch nicht von Sanktionen. Für mich und auch meinen Mann steht die Beziehung zu unserem Kind vor der Erziehung. Unsere Tochter soll nicht lernen, dass ihre Gefühle schlecht oder unerwünscht sind. Sie soll verstehen, dass wir sie mit all ihren Facetten sehen, annehmen und respektieren.

Eure Anke

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