Stoffwindeln: alte Liebe rostet nicht!

Ich liebe Stoffwindeln. Dabei verdeutlicht dieser Satz nicht mal im Ansatz, wie groß meine Stoffwindelliebe eigentlich ist! Es gibt Eltern, die entscheiden sich recht früh für ein System und bleiben dann nahezu die gesamte Wickelzeit über dabei. Ich gehöre das eher zu der Kategorie „Einmal von Allem, bitte!“.

Angefangen habe ich im Frühjahr 2016, wenige Tage nach der Geburt meiner Tochter. Bereits zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft war ich urplötzlich davon überzeugt, dass ich mein Kind mit Stoffwindeln wickeln werde. Ich weiß nicht mal, woher dieser Gedanke kam. Denn schließlich kannte ich niemanden, der Stoffwindeln nutzte. Wo ich auch hinsah, scheinbar jeder wickelte mit Wegwerfwindeln. Aber der Gedanke an eine ständig überquellende Mülltonne war für mich kein besonders gutes Kaufargument. Deshalb habe ich mich schon früh für das Wickeln mit Mullwindeln entschieden. Das sind einfache Baumwolltücher, die im Grunde alle Eltern als Spucktücher kennen. Man bekommt sie im Drogeriemarkt oder in Babyfachgeschäften für wenig Geld. Sie können sehr heiß gewaschen werden, trocknen schnell und sind ziemlich alltagsrobust. So einfach war meine Stoffwindelliebe geboren.

Und weil ich es so schön einfach halten wollte, kamen oben drüber ein paar sogenannte Wollschlupfhosen. Also Überhosen aus reiner Schafwolle, die auf Grund ihrer natürlichen Eigenschaften, sehr gut die Temperatur ausgleichen kann. Dadurch ist der zarte Babypopo nie zu warm oder kalt verpackt. Es gibt keinen Hitzestau und der meist empfindliche Windelbereich ist immer gut belüftet, so dass Windelekzeme kaum entstehen.

Genau das, was ich wollte! Geringe Kosten, keinen wunden Babypopo und vielleicht sollte irgendwann einmal ein weiteres Kind wieder damit gewickelt werden. Also sozusagen doppelt geringe Kosten.

Doch wie das Leben so spielt, lernt man andere Eltern kennen, die diese Stoffwindelliebe teilen. Sie erzählen dir, womit sie so ihre Kinder wickeln und was es nicht alles Tolles auf dieser großen, weiten Welt gibt. Und ehe man sich versieht, parkt eine Monatsmiete im eigenen Stoffwindelregal… Ups

Im Laufe der Zeit lernte ich viel über die unterschiedlichen Materialien und Stoffwindelarten. Je nachdem wie oft oder viel ein Baby pieselt, gibt es das passende Saugmaterial. Die einen schwören auf Mikrofaser, die anderen halten es beim Wickeln eher natürlich mit Hanf, Bambus und Co. Und genau DAS liebe ich so sehr am Wickeln mit Stoffwindeln: die scheinbar grenzenlose Abwechslung. <3

Je nachdem, was ich tagsüber vorhabe, es gibt die richtige Stoffwindel für mein Vorhaben. Bin ich lange unterwegs oder komme ich schon nach kurzer Zeit zum Windeln wechseln? Kann ich mein Baby zwischendurch kurz Abhalten oder gibt es irgendwo eine gute Wickelmöglichkeit? Ist es Tag oder Nacht? Erwarte ich auf einen Poo-nami, eine Kackplosion, weil Zwerg Nase seit 3 Tagen alles drinnen behält?

Letzteres ist mit Wegwerfwindeln meist keine sehr schöne Angelegenheit – wobei ein Riesenladung „Dung“ nie eine wirklich schöne Angelegenheit ist… Aber da sie das Bündchen von Wegwerfwindeln am Rücken nicht besonders eng anliegt, schießt so eine Ladung gern mal über‘s Ziel hinaus. Also oben heraus. In den Body und durch den Body, in die Hose, den Pullover und so gefühlt jede Pore! Da gefallen mir Stoffwindeln einfach besser, denn die kann man ganz individuell an ein Kind anpassen. Das Abschlussbündchen am Rücken sitzt enger an und in der Regel quillt da dann nichts raus.

Das klappt mit Mullwindeln und Wollüberhose genauso wie mit anderen Höschenwindeln und Überhosen. Im Laufe unserer knapp 2 Wickeljahre hat sich so Einiges bei mir angesammelt. Irgendwann entdeckte ich Pocketwindeln, sehr zur Freude meines Mannes. Denn obwohl er unsere Tochter mir zu Liebe mit Mullwindeln gewickelt hat, fand er schnell Begeisterung an der Einfachheit der Pocketwindeln. Nach dem Waschen und Trocknen stopften wir unsere Pocketwindeln mit den dazugehörigen Saugeinlagen immer vor. Ganz nebenher z.B. beim Fernsehen. Danach ließen sie sich so schnell und einfach anlegen wie Wegwerfwindeln.

Irgendwann kamen dann noch Höschenwindeln aus natürlichen Materialien hinzu. Gerade Hanf als Saugmaterial ist einfach klasse, wenn es um größere Volumina beim Pieseln geht. Wie etwa bei größeren Wickelkindern in der Nacht oder bei längeren Wickelintervallen am Tag. Für die erste Zeit in der Kinderkrippe besorgten wir ein paar All-in-Ones (AIOs), damit die Erzieherinnen möglichst wenig Arbeit beim Wickeln hatten. Benutzte Stoffwindeln kamen einfach in einer Nasstasche (oder auch Wetbag) wieder mit nach Hause. Sie hatten also nicht mehr Arbeit und unsere Tochter konnte dennoch weiterhin mit Stoff gewickelt werden.

Da Baby Nr. 2 gerade unterwegs ist, freue ich mich schon wahnsinnig darauf meine Stoffwindeln wieder hervorholen zu können! Trotz der dann einjährigen Abstinenz, ist meine Stoffwindelliebe noch genau so groß wie beim ersten Kind. Vielleicht sogar noch ein bisschen größer. 😉

Obwohl wir wirklich gut ausgestattet sind, habe ich mir das eine oder andere Träumchen in diesem Bereich noch erfüllt. Neben unseren altbewährten Mullwindeln, habe ich ein paar verschiedene Höschenwindeln in Neugeborenengröße angeschafft. Der Vorteil daran ist, dass sie sehr gut anliegen bei Neugeborenen und kleinen Babys. Der Nachteil hingegen ist definitiv die verkürzte Nutzungsdauer. Fast alle anderen Stoffwindeln, die ich besitze, sind sogenannte OneSize-Windeln (OS). Sie wachsen eine ganze Weile mit dem Kind mit. Je nach Hersteller von 3,5 – 15 Kg. Wobei ich glaube, dass unsere Pocketwindeln nicht perfekt an so kleinen Babys sitzen. Dafür haben sie aber bei uns dann bis zum Ende der Wickelzeit gereicht.

Wenn man sich unsicher ist, wie oder womit man sein Kind am Besten wickeln sollte, kann einem eine Stoffwindelberatung helfen. Die meisten BeraterInnen sind gut geschult und haben selbst jahrelange Erfahrung in diesem Bereich. Sie beraten einem zu den unterschiedlichen Materialien, aber auch zu optimaler Passform oder Pflege.

Ich liebe Stoffwindeln. So wie ich anfing, möchte ich es auch beenden. Stoffwindelliebe kennt keine Grenzen. Es ist eine Leidenschaft. Und wenn man etwas mit Leidenschaft tut, dann gibt es auch kein „Aber da muss man ja die Kacke aus den Windeln kratzen!“.

Nein, muss man nicht. Zum einen ist Muttermilchstuhl komplett wasserlöslich. Das bedeutet, wenn man die verschmutzten Stoffwindeln in die Waschmaschine schmeißt, geht alles fein säuberlich ins Abwasser. Erst ab Beginn der Beikost wird das Ganze etwas unschöner. Aber wie bereits erwähnt: wenn man etwas mit Leidenschaft tut… und für alles andere gibt es Windelvlies. 😉

 

Eure Anke

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