Schwangerschaftsdiabetes 2.0

Die Freuden einer Schwangerschaft sind leider nicht immer von langer Dauer. Bereits während meiner ersten Schwangerschaft hatte ich einen Schwangerschaftsdiabetes. Nachdem der „kleine Test“ auffällig bei mir war, musste ich zum sogenannten OGTT antreten. OGTT bedeutet oraler Glukosetoleranztest oder auch Zuckerbelastungstest. Dabei wird überprüft, ob der Körper einen gestörten Zuckerabbau hat. Das Hormon Insulin, welches in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, reguliert normalerweise diesen Abbau. Während der Schwangerschaft kann dieser Vorgang gestört sein. Man spricht dann von einem Gestationsdiabetes bzw. Schwangerschaftsdiabetes.

Es gibt mehrere Gründe, weshalb man eine Schwangerschaftsdiabetes nicht unbeobachtet lassen sollte. Zum einen löst ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel der Mutter beim ungeborenen Kind Stress aus. Die kindseigene Bauchspeicheldrüse produziert selbst viel Insulin, um den Blutzuckergehalt im Körper wieder zu senken. Nach der Geburt kann dieser Mechanismus dadurch gestört sein. Zudem kommen die Kinder oft mit einem hohen Geburtsgewicht zur Welt. Dadurch kann eine natürliche Geburt erheblich erschwert werden und häufig kommt es dann zum Kaiserschnitt. Kinder, deren Mutter Diabetes während der Schwangerschaft hatte, neigen später zu Übergewicht und können unter Umständen selbst an Diabetes erkranken.

Die Betreuung während der Schwangerschaft übernimmt ein Diabetologe. Auch der „große Zuckertest“ wird meist in so einer diabetologischen Schwerpunktpraxis gemacht. Dafür muss man morgens in der Praxis nüchtern erscheinen. Man bekommt Blut abgenommen, damit der Nüchternwert aus dem venösen Blutplasma gemessen werden kann. Dann trinkt man eine glucosehaltige Lösung und der Blutzuckergehalt wird nochmals nach ein bzw. 2 Stunden gemessen. Anhand der ermittelten Werte kann der Facharzt deutlich erkennen, ob ein gestörter Zuckerabbau im Körper stattfindet oder nicht. Eine Gestationsdiabetes verschwindet in den meisten Fällen nach der Entbindung wieder. Deshalb sollte man etwa 8-12 Wochen nach der Geburt den OGTT noch einmal wiederholen.

Mein erstes Mal Schwangerschaftsdiabetes hat mich ehrlich gesagt ziemlich gestresst. Nicht der Diabetes an sich, aber die psychische Belastung, die damit für mich einherging. Ich war das erste Mal schwanger und ich war entsprechend ängstlich. Es war ein absolut neues, fremdes Terrain für mich. Ich wusste ja nicht, was mich erwartet. Für jemanden, der gern Pläne schmiedet oder oft versucht „Herr der Lage“ zu sein, ist das alles gar nicht so leicht gewesen. Ich war in ständiger Sorge um mein ungeborenes Baby.

Da ich ja bereits in der vorherigen Schwangerschaft einen Gestationsdiabetes hatte, habe ich mir von meiner Gynäkologin deshalb auch gleich zu Beginn meiner zweiten Schwangerschaft eine Überweisung für den Diabetologen geben lassen. Den kleinen Zuckertest habe ich einfach ausfallen lassen und direkt den OGTT machen lassen. In meinem Fall war bereits mein Nüchternwert erhöht. Daher fiel in dieser Schwangerschaft der OGTT für mich direkt zu Beginn aus. Ehrlich gesagt war es keine Überraschung für mich. Ich hatte ja bereits zuvor einen Gestationsdiabetes und ich bin familiär vorbelastet. Zudem ernähre ich mich oft nicht so gesund, wie ich es eigentlich sollte. Nach Rücksprache mit der Diabetologin sollte ich zunächst eine Woche lang meine Blutzuckerwerte notieren. Meinen Nüchternwert am Morgen und dann jeweils 1 Stunde nach dem Frühstück, Mittagessen und Abendbrot. Nach wenigen Tagen wurde schnell klar, dass meine Tageswerte gar nicht so schlecht sind. Wie bereits in der vorherigen Schwangerschaft, bekomme ich die Werte nach dem Essen gut in den Griff, wenn ich darauf achte, was ich zu mir nehme.

Also substituiere ich nun wieder Weißmehlprodukte wie Nudeln, Brot und Kartoffeln. Stattdessen gibt es nun wieder Eiweißbrot, Vollkornnudeln und viel Gemüse. Eigentlich ist das ja auch die gesündere Variante. Aber ich muss zugeben, dass ich außerhalb einer Schwangerschaft nur mangelnde Motivation an den Tag lege, meine Ernährung dauerhaft umzustellen. Vor allem nach der Geburt meiner Tochter hatte ich in den ersten Wochen so riesigen Hunger wie noch nie zuvor in meinem Leben. Ich hatte den Appetit von 10 Bauarbeitern! Das lag wohl hauptsächlich am Stillen. Denn alle anderen Stillmamis berichteten mir ebenfalls von diesem Phänomen. Es ist ja auch nur logisch, schließlich ernährt der eigene Körper ja noch ein Baby. Und Stillen verbrennt wohl etwa 500 kcal pro Tag.

Leider muss ich auch in dieser Schwangerschaft wieder Insulin spritzen. Es handelt sich dabei um ein Langzeitinsulin, welches eben nicht schnell wirkt, sondern zeitverzögert. Ich muss mich zur Nacht spritzen, damit mein morgendlicher Nüchternwert gesenkt wird. Es ist wieder nicht einfach für mich, jeden Abend die Spritze selbst zu setzen. Ich möchte aber auch nicht, dass jemand anders mich spritzt. Es ist ein unglaublich beklemmendes Gefühl, mir Abend für Abend diese kleine, spitze Nadel in den Oberschenkel zu stechen. Es tut zwar überhaupt nicht weh, aber dennoch benötige ich jedes Mal einen Moment, bis ich mich gesammelt habe.

Alles in Allem gehe ich aber dieses Mal wesentlich entspannter an die ganze Sache heran. Im Gegensatz zum letzten Mal weiß ich nun, was mich erwartet. Ich weiß, dass ich trotz Schwangerschaftsdiabetes ein gesundes Kind auf natürlichem Wege zur Welt gebracht habe. Meine Tochter kam mit perfekten 3560 g auf die Welt. Es heißt auch immer, dass Frauen mit Gestationsdiabetes eher sehr viel Fruchtwasser haben. Bei mir war genau das Gegenteil der Fall.

Aber das Wichtigste war und ist, dass es meinem Kind gut geht. Dafür stelle ich gern meine Ernährung um und finde die Motivation für die Insulinspritze. Beim Essen muss ich keine Angst haben, ich könnte nicht satt werden. Statt kohlenhydrathaltiger Beilagen wie Nudeln und Kartoffeln, gönne ich mir lieber eine Extraportion Fisch, Fleisch oder Gemüse. Zugegen: den einen oder anderen Leckerbissen gönne ich mir schon ab und zu. Ich kann z.B. einfach nicht an (derzeit vegetarischem) Sushi vorbei. Ansonsten geht es mir in meiner zweiten Schwangerschaft bisher sehr gut. Ich merke bis zum jetzigen Zeitpunkt kaum Unterschiede zu meiner ersten Schwangerschaft. Das gibt mir ein gutes und sicheres Gefühl. Ich habe keine weiteren Einschränkungen oder Wehwehchen und gehe auch weiterhin wie gewohnt arbeiten.

 

Hattet ihr auch einen Schwangerschaftsdiabetes? Konntet ihr durch eine Ernährungsumstellung den „Schaden“ begrenzen oder musstet ihr tagsüber Insulin spritzen?

 

Eure Anke

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