Schwanger mit Kleinkind – warum die erste Schwangerschaft immer etwas Besonderes bleibt

Die Schwangerschaft ist die schönste Zeit im Leben – so sagt man zumindest. Sie kann aber auch eine sehr anstrengende und kräftezehrende Zeit sein. Das kann zum einen daran liegen, dass einen der körperliche Zustand in der Schwangerschaft sehr zu schaffen macht. Zum anderen kann einen aber auch die aktuelle Lebenssituation sehr in Anspruch nehmen.

 

Jede Schwangerschaft ist einzigartig – besonders die Erste

Keine Schwangerschaft gleicht der anderen, jede für sich ist einzigartig. Dennoch hat die erste Schwangerschaft immer einen besonderen Stellenwert. Sie ist unser Referenzwert, mit dem wir alle Nachfolgenden vergleichen. Betrachtet man nur die Schwangerschaft an sich und lässt eventuelle gesundheitliche Probleme außen vor, ist die erste Schwangerschaft die Schönste. Denn sie hat etwas, was den anderen darauffolgenden abgeht: Nämlich unsere ungeteilte Aufmerksamkeit.

Was sich erst so profan anhört, kann uns in der Realität ganz schnell einholen. Ich kann mich noch genau an die Schwangerschaft meines ersten Kindes erinnern. Ich konnte mich voll und ganz auf sie konzentrieren. Das brachte selbstverständlich nicht immer nur Gutes mit sich. Denn auch meine Sorgen um die Gesundheit und Entwicklung meines ungeborenen Kindes hatten meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Hinzu kam, dass ich mich damals auf „unbekanntes Terrain“ begab und jede Phase der Entwicklung neue Wunder und Risiken mit sich brachte. Auf der anderen Seite hatte ich aber viel Zeit, mich auf das in mir wachsende Leben vorzubereiten. Ich konnte mich voll und ganz auf das kleine Wunder konzentrieren, das in mir heranwuchs und sich allmählich bemerkbar machte. Konnte seine Bewegungen spüren, hatte viel Zeit um in mich zu gehen und es zu swahrzunehmen. War ich müde, konnte ich es mir auf der Couch gemütlich machen. Denn wenn man sonst keine weiteren Verpflichtungen hat, kann man die Momente der Ruhe auch wirklich genießen. Und auch ein nicht gemachter Haushalt ist nur halb so schlimm, wenn man nur für sich selbst verantwortlich ist.

Ich konnte mir in meiner ersten Schwangerschaft die Zeit so einteilen, wie es für mich am besten passte. War mir danach, habe ich einen gemütlichen Spaziergang gemacht. Wurde ich dabei zwischendrin müde oder plagten mich Vor- oder Senkwehen, habe ich mich einfach auf eine Bank gesetzt, bis ich mich wieder besser fühlte. Konnte ich aufgrund gemeiner Schwangerschaftshormone nachts nicht schlafen, habe ich das einfach tagsüber mit einem kleinen Nickerchen ausgeglichen.

 

Doppelte Belastung

All diese Vorzüge und die Ruhe entfallen nun in der zweiten Schwangerschaft. Denn da ist dieses kleine Wunder, dass nun mittlerweile zwei funktionierende Beine und einen eigenen Willen hat. Nichtsdestotrotz braucht es aber immer noch genauso meine Liebe, Fürsorge und volle Aufmerksamkeit. Und auch wenn die zweite Schwangerschaft umso mehr Kraft kostet, kann ich mir meine Zeit und meinen Tagesablauf nicht mehr nur nach meinen Bedürfnissen einteilen.  

Wenn mir nachts Hormone, Sodbrennen und ein zappelnder Bauchzwerg den Schlaf rauben, kann ich morgens nicht mehr einfach liegen bleiben, bis ich ausgeschlafen habe. Denn da ist ein kleiner Mensch, der mich mehr oder weniger liebevoll wachrüttelt. „Mama raus hier! Mama essen machen!“. Zuverlässiger als jeder Wecker läutet mein großes kleines Wunder den Tag ein. Ob mir der Zeitpunkt nun passt oder nicht. Und der kann durchaus mal bereits vor Sonnenaufgang liegen.

In der ersten Schwangerschaft habe ich mir den Tag und den Haushalt so eingeteilt, wie ich ihn am besten bewältigen konnte. Spätestens in der zweiten Schwangerschaft bestimmt mein süßer, kleiner Mann meinen Tag. Hinlegen oder Ausruhen, wenn man es eigentlich gerade bräuchte, ist meistens nicht möglich. Also hält man es nach dem Motto: ich schlafe, wenn das Kind schläft. Was natürlich dem Haushalt nicht zuträglich ist. Aber man wird flexibel! Man beginnt umzudenken und seine Ansprüche auf das zu kürzen, was mit dem aktuellen „Schwangerschaftszustand“ machbar ist.

 

Geteilte Aufmerksamkeit

Man hat einfach nicht mehr die Zeit, den ganzen Tag in sich hineinzuhören und die Schwangerschaft zu genießen. Denn da ist dieser große kleine Mensch, der uns während der Schwangerschaft noch genauso braucht wie vorher. Man kann sich nicht mittags einfach beruhigt hinlegen, wenn ein kleiner Wirbelwind durch die Wohnung fegt. Und man muss die Zeiten seines Schlafes an die des Kleinkindes anpassen. Hinzu kommt, dass es ganz schön anstrengend sein kann, mit dickem Kugelbauch ein aufgeweckten, aktiven Kleinkind hinterher rennen zu müssen.  

So bekommt die zweite Schwangerschaft einfach viel weniger Aufmerksamkeit, als die Erste. Weniger Aufmerksamkeit für die einzelnen Fortschritte, aber auch weniger Aufmerksamkeit für die Sorgen, die eine Schwangerschaft so mit sich bringt.

 

Die Zeit vergeht schneller, wenn man abgelenkt ist

Meine Erfahrung mit der zweiten Schwangerschaft war, dass sie gefühlt viel schneller vorüber gezogen ist, als die Erste. Es ist zwar immer noch ein Wunder, dass da ein neues Leben in einem heranreift. Aber man hat das ja bereits zumindest einmal durchlebt und weiß, was in etwa auf einen zukommt. Das gilt selbstverständlich auch für die Geburt. Die war bei der ersten Schwangerschaft noch das krönende Finale, dem ich mit mulmigem Gefühl entgegengeschaut habe. Bei der Zweiten bin ich froh, wenn es endlich so weit ist.

Das hat auch sein Gutes. Die Sorgen, die mich das erste Mal vor der Entbindung plagten, haben zum Großteil ihren Schrecken verloren. Auch beim Thema Stillen blicke ich beim zweiten Kind nun viel entspannter. Das „hoffentlich wird alles klappen“ weicht – zumindest bei mir – einem „klappt schon, hat immer irgendwie geklappt“. Dank der ersten erfolgreichen Geburt habe ich auch viel mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

 

Große Kinder – große Sorgen. Kleine Kinder – kleine Sorgen

Meine Kinder werden etwa zwei Jahre auseinander sein. Nun scheiden sich ja am besten Altersunterschied für Geschwister die Geister. Die einen schwören auf einen kurzen Abstand, die anderen auf einen Größeren. Dabei gibt es aber kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur ein „es passt so für mich/uns“ oder ein „es passt so nicht für mich/uns“. Zugegeben: einem kleinen Menschen mit viel Bewegungsdrang und wenig Einsicht hinterher zu rennen kann echt anstrengend sein. Ist das Geschwisterkind älter, ist vielleicht dieser Punkt einfacher. Die Sorgen werden aber deshalb nicht weniger – nur anders. So entspannt oder intensiv wie die erste Schwangerschaft wird aber wohl keine mehr. Also genießt die Zeit!

 

Eure Esther

 

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