Rituale, Rituale

In verschiedenen Ratgebern zum Umgang mit Babys wird darauf hingewiesen, wie wichtig Rituale seien. Dies soll für das Neugeborene einen Rahmen mit regelmäßigen Wiederholungen bestimmter Tätigkeiten oder Ereignissen schaffen . Ich habe anfangs wirklich überlegt, inwiefern ich welche Rituale einführen soll. Wie soll das aussehen? Ist es am Ende vielleicht doch zu viel Stress? Was ist, wenn das Baby meine Rituale blöd findet? Habe ich persönlich denn überhaupt Rituale? Geht es nicht auch ohne?

Als meine Tochter dann zur Welt kam, schwirrten an manchen Tagen all diese Gedanken durch meinen Kopf. Und je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr stagnierte das bewusste Umsetzen der Rituale. Schließlich legte ich die ganze Sache auf Eis und dachte mir, dass ich mich irgendwann später nochmal mit Ritualen beschäftigen werde. Wenige Wochen später wurde mir plötzlich bewusst, dass wir ganz automatisch Rituale eingeführt hatten. Ohne wirklich darüber nachzudenken…

Rituale finden sich von selbst

Jeden Morgen wachten meine Tochter und ich gemeinsam nebeneinander auf. Ich wechselte ihre Windel – meist hielt ich sie auch gleich ab – und dann durfte sie unten herum nackig bleiben. Anschließend stillen wir, gefolgt von ausgiebigem Kuscheln und Spielen im Bett. Ich habe extra eine große, wasserundurchlässige Betteinlage aus Baumwolle gekauft. Falls doch mal ein Malheur passiert, kann ich die Einlage bei bis zu 90°C waschen. Nach ungefähr eineinhalb Stunden schlief sie nochmals für eine halbe Stunde. Manchmal etwas länger, manchmal etwas kürzer. Dann konnte der Tag beginnen. Egal, was wir an dem Tag noch vorhatten, jeder Tag begann bei uns genau so im ersten halben Jahr. Das hatte ich meiner Tochter nicht vorgegeben, es hat sich einfach so entwickelt.

Auch am Abend hatten wir ein Ritual. Ich legte mich mit meiner Tochter in unser Bett und begleitete sie in den Schlaf. Das machen wir auch heute noch genau so. Wir Stillen und Kuscheln und wenn sie eingeschlafen ist, kann ich den Raum verlassen und mich wieder anderen Dingen widmen.

Das alles ist aber kein starres Konzept. Es wird sich immer wieder ändern und an unser beider Bedürfnisse anpassen. Irgendwie haben die Rituale uns gefunden. Ich glaube, dass man sich bei diesem Thema nicht all zu sehr stressen sollte. Wer immer noch nach Ritualen sucht, sollte mal kurz innehalten und überlegen, ob es nicht doch schon kleine Rituale über den Tag verteilt gibt. Sei es der tägliche Spaziergang nach dem Essen, eine ausgiebige Spiel- oder Kuschelstunde am Nachmittag oder die Gute-Nacht-Geschichte am Abend.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich möchte behaupten, dass die wenigsten von uns wirklich jeden Tag komplett anders gestalten. Kein Tag ist gleich. Aber irgendwie ähnlich sind sie dann doch.

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