Post partum – Facetten des Mamaseins

Seit etwas mehr als 6 Monaten bin ich nun Mutter von zwei Kindern. Wow! Lange Zeit hätte ich nicht gedacht, dass ich jemals an diesen Punkt kommen würde. Doch nun bin ich endlich da und es ist….. anstrengend! Zwei Kinder, Partner, Katzen, Haushalt und mich selbst unter einen Hut zu bringen, ist nicht so einfach und romantisch wie in meiner Vorstellung.

Ein Einzelkind war für meinen Mann und mich nie eine Option. Aber zwei Kindern gerecht zu werden ist doch nochmal eine ganz andere Hausnummer. Denn da ist unsere große, mittlerweile 3-jährige Tochter auf der einen Seite und unser kleiner Sohn auf der anderen. Zwei Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Und doch fordern beide gleichermaßen Aufmerksamkeit – vor allem meine. Und zehrt an mir und meinen Nerven.

Eine Freundin sagte mal zu mir: “Die Umstellung von 1 auf 2 Kindern war am größten. Danach ging‘s.“ Und sie sollte es wissen, denn sie hat schließlich 5 Kinder! Aber ich glaube ihr das auch. Denn während Kind 1 sich irgendwie damit arrangieren muss, dass es plötzlich nicht mehr alleine ist, kennt Kind 2 es von Geburt an nicht anders. Es ist ja schon ein Geschwisterkind da, mit dem es die Eltern teilen muss.

Meine große Tochter liebt ihren kleinen Bruder wirklich sehr. Sie geht sehr liebevoll mit ihm um und hegt ihm gegenüber keinerlei Groll oder Eifersucht. Dafür aber gegen mich. Sie lässt ihren ganzen Unmut über die neue Konstellation in unserer Familie an mir aus. Und das seit kurz nach der Geburt. So allmählich läuft es wieder besser zwischen uns. Aber noch vor ein paar Wochen, wäre ich an manchen Tagen am liebsten gegangen…

Ganz gleich, was ich gemacht habe, alles war verkehrt. Sie hat mich ständig angeschrien und ich konnte es meinem Kind einfach nicht recht machen. Dinge, die die ganze Zeit prima funktionierten, mussten wir nochmal neu erarbeiten. Vielleicht war es dem Alter geschuldet, vielleicht lag es auch am kleinen Geschwisterkind. Sehr wahrscheinlich lag es aber auch an allem. Ich war nicht mehr nur für meine Tochter da und sie ließ mich das sehr genau spüren.

Mir ging es mit der Situation überhaupt nicht gut und ich erkannte manchmal mein eigenes Kind nicht wieder. Im Kindergarten lief alles wie gewohnt, laut Aussage der Erzieherinnen. Und an vielen Tagen wünschte ich mir das ausgeglichene, fröhliche Kind, dass die Erzieherinnen mir beschrieben. Zuhause lief es nämlich wochenlang so überhaupt nicht und alles fühlte sich nach einem einzigen Kampf an. Mein sonst so witziges, kooperatives Kind war wie ausgewechselt. Und mich plagte das schlechte Gewissen, ob das Geschwisterkind im Nachhinein vielleicht doch keine so gute Idee war.

Das ist natürlich Quatsch! Aber hin und wieder beschlichen mich Zweifel. Ich hatte dieses wundervolle, zufriedene Baby. Und ich hatte meine ständig schreiende 3-Jährige, der ich es einfach nicht recht machen konnte. Ich war verzweifelt und ich weinte. Sehr oft. Ich habe irgendwann zu meinem Mann gesagt, dass wenn mich ein anderer Mensch so behandeln würde, würde ich einfach gehen und nie wieder mit ihm reden. Aber ich konnte und wollte ja nicht gehen. Es ging hierbei ja schließlich um meine Tochter, um mein eigenes Kind. Also blieb ich, umarmte sie trotz allem und weinte wieder.

Irgendwann kam ich an einen Punkt, an dem die dunklen Wolken in meinem Kopf nicht mehr weiterziehen wollten und die Sonne immer weniger schien. Mein Mann bat mich darum, dass ich mir Hilfe suchen sollte. Es schmerzte ihn mich leiden und weinen zu sehen. Und er konnte das ganze Drama nicht mehr nur allein abfangen. Er hat mich die ganze Zeit unterstützt und war für mich da. Und er versuchte mir so gut wie möglich mit unserer Tochter zu helfen. Ich sagte ihm auch oft, dass es nicht an ihm liegt. Er solle doch noch ein bisschen durchhalten, es wird irgendwann wieder besser.

Über den Verein Schatten und Licht e.V. fand ich eine Psychologin, die mir helfen wollte. Anders als erwartet, bekam ich auch sofort einen Termin und unser erstes Gespräch fand statt. Es war nicht das erste Mal, dass ich psychologische Hilfe in Anspruch genommen habe. Mir ist bewusst, dass das für sehr viele Menschen ein Tabuthema ist. Ich persönlich empfinde es allerdings als Stärke, wenn man merkt, dass es einem selbst nicht gut geht und sich dann Hilfe sucht. Und auch annimmt.

Nicht wenige Menschen fressen ihre Sorgen und Ängste jahrelang in sich rein. Hin und wieder wuchern dann aber diese Dämonen aus einem hervor und irgendwann drehen viele dann total durch. Es ist keine Schande, Hilfe in Anspruch zu nehmen! Es ist keine Schwäche, wenn es einem nicht gut geht. Und es ist erst recht keine Schwäche sich helfen zu lassen. Wochenbettdepression ist ebenfalls keine Schwäche und gehört definitiv in Behandlung! Nur wer als Mama gut auf sich aufpasst, kann seinen Job auch gut erledigen <3. Man möchte ja für seine Kinder da sein und nicht einfach nur irgendwie oder gerade so funktionieren. Jedenfalls arbeitet diese Psychologin mehr mit den persönlichen Stärken. Denn wenn man sich nur auf die eigenen Schwächen konzentriert, kommt man nicht voran. Quasi die Stärken stärken und dadurch die Schwächen schwächen 😉

Mittlerweile habe ich gute Tage und schlechte Tage. Ich versuche die guten Tage bewusst wahrzunehmen und zu genießen. Ich versinke nicht mehr so tief in den schlechten Tagen. Denn ich weiß ja, dass die dunklen Wolken wieder weiterziehen. Ich habe noch einen Weg vor mir, fühle mich aber insgesamt besser als noch vor 2 Monaten. An schlechten Tagen habe ich einfach keinen Elan und meine Nerven hängen eher an einem seidenen Faden. An anderen Tagen kann ich die emotionalen Ausbrüche meiner Tochter wieder besser abfangen und begleiten.

Auch wenn es mir schlecht ging, habe ich mein Kind nie alleine gelassen! Ich habe zwar oft die Situation kurz verlassen, um mal tief durch zu atmen. Aber ich bin immer wieder zu ihr gegangen. Ich habe ihr gesagt, dass ich sie liebe und es mir leid tut, dass ich in letzter Zeit zu viel gemeckert habe. Für Kinder ist es wichtig, dass die Eltern echt sind. Authentizität ist generell das Schlüsselwort in jeder Beziehung. Kinder dürfen ruhig spüren, dass etwas gerade nicht gut war oder dass Situationen jemanden traurig machen können. Kinder lernen dadurch. Wenn man immer nur eine Art Maske aufsetzt und lächelt, obwohl man traurig ist. Oder seinem Kind niemals in Ruhe erklärt, warum man selbst etwas blöd fand, entwickeln Kinder keine Empathie.

Das positive Ergebnis meiner Sitzungen bei der Psychologin ist, dass ich offensichtlich keinen schlechten Job mache als Mama. Man selbst sieht das ja nicht immer. Als Mama hat man sehr oft sehr hohe Ansprüche an sich selbst. Man möchte hübsch aussehen, fit sein, den After-Baby-Body “in shape” bringen. Man möchte für die Kinder gesund kochen, jeden Tag Draußen sein und dabei das Haus perfekt sauber halten. Man möchte für den Partner da sein, denn der lebt ja nun mal auch noch mit unterm Dach.

Aber ganz ehrlich: Für all das bräuchte ich mich selbst ja dreimal! Also bestelle ich die Pizza, räume die Spülmaschine erst am nächsten Tag aus oder lege die Wäsche erst in ein paar Tagen in den Schrank. Mir ist es mittlerweile viel wichtiger, dass ich mich neben meine Tochter setzen kann. Dass wir gemeinsam etwas spielen. Dass wir mit ihrem kleinen Bruder zusammen kuscheln. Und ja, ich schaue auch sehr gern mit meinem Kind Trickfilme. Denn ich selbst liebe Zeichentrickfilme!

Unser Verhältnis hat sich mittlerweile wieder entspannt. Ich verbringe ganz bewusst Zeit mit mir und gebe den kleinen Bruder während dieser Zeit vertrauensvoll in die Hände meines Mannes. Denn auch er kümmert sich sehr gern um unsere Kinder. Er tut mir damit in dem Sinne auch keinen Gefallen. Er hat die Kinder mit mir gemeinsam geschaffen, er möchte sich auch gleichermaßen mit ihnen beschäftigen. Familie ist eben Teamarbeit!

An dieser Stelle möchte ich meinen tiefen Respekt vor allen Alleinerziehenden aussprechen, die keinen Partner an ihrer Seite haben und auch keine Familie in der Nähe. Ich habe keine Ahnung, wie ihr das schafft. Ihr seid spitze!! <3

Bitte passt auf euch auf, liebe Mamas! Gönnt euch die Massage, die Maniküre oder Pediküre, geht zum Friseur und esst auf jeden Fall das Stück Torte! Eure Kinder brauchen euch, da dürft ihr euch ruhig dabei schön und wohl fühlen!

 

Herzlichst,

Eure Anke

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