Ostern ist kein zweites Weihnachten

In den vergangenen Jahren hat sich zunehmend ein neuer Trend entwickelt. Es scheint mittlerweile gang und gäbe zu sein, dass Ostern immer mehr zu einer Art zweiter Bescherung im Frühjahr mutiert. Wo früher noch bunte Ostereier, Schokolade oder allerhöchstens mal ein Buch im Osternest lagen, heißt es nun: Bigger is better! Doch für meine Familie und mich steht ganz klar fest: Ostern ist bei uns kein zweites Weihnachten.

Meine Schwester und ich haben es geliebt an Ostern durch unseren Garten zu krauchen, unter jeden Busch zu linsen und um jede Ecke zu schielen, ob wir nicht doch irgendwo ein Osterei oder ein Stück Schokolade vergessen haben könnten. Wir haben es regelrecht zelebriert und bereits die Vorfreude war schier unermesslich. Wir wussten natürlich, dass es den Osterhasen nicht wirklich gibt. Und so machten wir uns manchmal schon wenige Tage vor der offiziellen Ostereiersuche im Haus auf die Suche nach den Süßigkeiten. Doch unsere Mama hatte im Laufe der Jahre dazugelernt und war sehr geschickt darin, Dinge vor ihren neugierigen Töchtern zu verstecken.

Überhaupt mochte ich Ostern als Kind sehr gern. Unsere Oma kam zu Besuch oder Onkel und Tante reisten an. Es wurde gemeinsam gegessen und erzählt. Meine Schwester und ich rannten durch den Garten und kletterten sogar auf den Apfelbaum oder durchsuchten die Blumenrabatte, wo unsere Mama hin und wieder auch ein Osterei versteckte.

Alles in allem habe ich diese Zeit sehr positiv in Erinnerung. Später kamen dann Spiele hinzu, wie z.B. das Eiertrudeln, bei dem man sein buntes Osterei einen kleinen Hang herunterrollen lässt. Das Ei, welches am Ende nicht zerbrochen ist, gewinnt. Oder aber das Gecksen von Ostereiern. Dabei stoßen zwei Kontrahenten ihre hartgekochten Eier gegeneinander. Man versucht das Ei des Gegners zum Knacken zu bringen, wohingegen das eigene Ei möglichst unversehrt bleiben sollte. Es gibt wohl auch Regionen in denen man mit den Ostereiern Weitwurfwettbewerbe veranstaltet.

Eine gute Bekannte von mir veranstaltet jedes Jahr einen Osterbrunch in ihrem Garten. Sie lädt viele Freunde und Bekannte dazu ein. Bevor die Gäste eintreffen, versteckt sie auf ihrem Grundstück Schokolade und bunte Ostereier. Irgendwo sind dann auch z.B. 5 grüne Eier versteckt. Und wer die meisten grünen Eier findet, der bekommt am Ende einen riesigen Schokoladenhasen als Hauptgewinn. Das ist jedes Jahr unendlich lustig, weil vor allem die Erwachsenen ganz plötzlich wieder zum Kind werden, durch die Büsche kriechen und um den großen Hasen wetteifern!

Das war es eigentlich auch schon. Schokoladenhasen und bunte Ostereier. Mehr gab es nie und mehr war auch nie notwendig. Und dennoch habe ich nur schöne Erinnerungen an die Osterzeit in meiner Kindheit – und darüber hinaus. Ich mochte das Zusammensein mit Familie und Freunden. Miteinander reden, sich mit der riesigen Schokoladenausbeute rühmen oder mit dem “stärksten” Osterei der Welt anzugeben. 😉 All das macht für mich Ostern aus. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich auch nur ein Mal ein “großes” Geschenk bekam und trotzdem habe ich bisher nie das Gefühl gehabt, mir würde irgendetwas fehlen.

Ich wünsche mir für meine Tochter, dass sie später ebenfalls solche positiven Erinnerungen an die Osterzeit hat. Das Zusammensein, Spielen, Lachen und Toben. Ich wünsche mir, dass mein Kind all dies einem materiellen Wunsch vorzieht. Es geht mir nicht darum meiner Tochter einmal irgendetwas zu verwehren, was sie sich dringlichst wünscht. Aber ich wünsche mir, dass sie mehr Glück dadurch erfährt, dass wir gemeinsam diese Zeit miteinander verbracht haben. Dass all das schwerer wiegt als jedes gekaufte Spielzeug, das vermutlich 10 Minuten später (kaputt) in der Ecke liegt…

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne, entspannte und vor allem glückliche Osterzeit!

Eure Anke

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