Nicht jedes Baby mag Brei

Wenn man ein Baby bekommt, stellt sich häufig schnell die Frage, wie lange man denn stillen sollte und ab wann ein Baby „was vernünftiges“ zu Essen bekommt. Sämtliche Babyratgeber, die mir zur Geburt meines ersten Kindes in die Hand gedrückt wurden, hatten da eine ganz klare Regelung. Und auch Drogerie- und Supermärkte geizen nicht mit ihrer Werbung zum Thema Beikoststart und locken mit einer Vielzahl an Brei.

Die Empfehlung lautet nahezu immer: In den ersten 4 Monaten soll ein Baby ausschließlich gestillt werden oder pre-Milch bekommen. Ab dem Wechsel zum 5. Monat – Zack! – ein Mittagsbrei. Optimalerweise ein Brei aus Gemüse. Einen Monat später – Zack! – kommt Fleisch oder Fisch hinzu und abends gibt es nun den Milch-Getreidebrei. Ab dem 7. Monat ersetzt man dann auch mittags das Stillen oder die Flasche durch einen Obst-Getreide-Brei. Am besten reicht man Wasser dazu, denn Stillen oder pre-Milch ist ja nun nicht mehr notwendig.

Eigentlich sollen diese Essenspläne den Eltern Sicherheit geben, wann ihr Baby denn was Essen kann. Allerdings haben mich diese Pläne eher verunsichert. Ich kaufte Breigläschen oder kochte den Brei selbst frisch. Aber meine Tochter wollte das einfach nicht essen. Gemüsebrei war einfach bäh! Also fingen wir entgegen der Empfehlung mit Getreide-Obst-Brei an. Aber auch nicht unbedingt mittags, sondern vielmehr, wann es uns in den Tagesablauf gepasst hat. Wir haben auch nicht mit Beginn des 5. Monats mit dem Brei angefangen, sondern erst um den 6. Monat herum. Nämlich als meine Tochter anfing Interesse für das Essen zu entwickeln, das Mama und Papa in der Hand hielten.

Baby-led weaning

Ein Baby sollte ganz deutlich Interesse am Essen haben und Interesse, es selbst essen zu wollen. Als meine Tochter kurz nach dem Breistart ihre ersten beiden Zähnchen bekam, war es mit dem Brei vorbei. Sie hustete manchmal sehr stark oder verschluckte sich an der breiigen Konsistenz. Jegliche Art von Brei war ihr plötzlich zuwider. Sie liebte es aber an der Kruste von einem Brötchen rumzuknabbern und aß mit Begeisterung Käse, Avocado, gekochtes Ei oder gekochte Kartoffeln und Nudeln. All das gefiel ihr besser als der pappige Gemüsebrei. Sie wollte eben essen, was Mama und Papa auch auf dem Teller hatten.

Babys wollen erkunden, was sie sich in den Mund schieben. Sie wollen erfahren, was sie essen. Welche Form, Farbe und Konsistenz hat das Essen? Ist es warm oder kalt? Ist es weich oder fest? Schmeckt das Essen süß, sauer oder bitter? All diese Erfahrungen würde man dem Kind vermutlich vorenthalten, wenn es immer nur passiv den Brei in die Futterluke geschaufelt bekäme.

Kinder lernen spielerisch die Welt kennen. Sie möchten sich ausprobieren und ihre eigenen Erfahrungen machen. Wir Erwachsenen wissen, dass eine Zitrone gelb und sauer ist. Wir entscheiden für uns selbst, ob wir Rosenkohl oder Brokkoli mögen oder eben nicht. Aber einem Kind nehmen wir diese Entscheidung ab.

Beikostreifezeichen

Euer Baby

  • zeigt deutliches Interesse an anderer Nahrung als Stillen oder Flasche
  • ahmt Kaubewegungen nach
  • kann den Kopf alleine halten
  • kann selbstständig mit minimaler Unterstützung im unteren Rücken aufrecht sitzen (Bitte nicht mit Kissen auspolstern und in die aufrechte Position zwängen!)
  • kann sein Essen selbstständig mit der Hand zum Mund führen
  • hat keinen Zungenstreckreflex mehr, mit dem es feste Nahrung wieder aus dem Mund schieben würde

Man darf ein Baby niemals unbeobachtet essen lassen! Selbstständig bedeutet nämlich nicht allein! Babys haben einen ausgeprägten Würgereflex. Daher kann es vorkommen, dass das Baby beim Essen schonmal hustet oder Essen wieder hoch würgt. Das kann allerdings auch bei Brei passieren.

Von Beginn an isst unsere Tochter mit mir und meinem Mann gemeinsam am Tisch. Sie konnte von daher schon früh beobachten, was auf dem Tisch passiert und was wir essen. Es war und ist für sie normaler Alltag. Wir haben nie versucht, ihr Essen irgendwie besonders schmackhaft zu machen. Es gab keinen „Fliegerlöffel“ und wir haben ihr nie versprochen, dass am nächsten Tag die Sonne scheinen würde, wenn sie ihren Teller leer isst.

Für Baby-led weaning (kurz: BLW) eignet sich im Grunde alles, was altersgerecht ist und die Form von Pommes Frites hat. Die längliche Stäbchenform können Babys besonders gut greifen. Weich gegartes Gemüse, wie Kartoffeln, gehäutete Paprika und Karotten eigenen sich gut dafür.

„Food under one is just for fun“

Bis etwas über einem Jahr stillte meine Tochter nahezu voll. Obwohl sie bereits seit ungefähr 6 Monaten feste Nahrung zu sich nahm, haben wir keine Stillmahlzeit wirklich ersetzt. Das Essen lief vielmehr nebenher. Für uns war Baby-led weaning eine gute und vor allem sinnvolle Sache. Auf diese Weise konnten wir auch beim Essen auf die Bedürfnisse unseres Kindes eingehen. Sie konnte ihre ganz eigenen Erfahrungen machen und wir haben sie dabei begleitet.

 

Eure Anke

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