Landleben vs. Stadftleben – ein Resümee

Vor etwa 4 Monaten haben mein Mann und ich uns einen Traum erfüllt. Wir haben unsere Koffer gepackt und der Stadt den Rücken zugekehrt. Schon seit einigen Jahren wollten wir beide unseren Kindern das Leben auf dem Land ermöglichen. Und nun genießen wir dieses Landleben in vollen Zügen!

Sowohl mein Mann als auch ich sind ländlich aufgewachsen. Er in der Nähe von Mannheim und ich in einem winzigen Dorf in der Uckermark. Ich habe es dort als Kind geliebt! Meine Schwester und ich hatten so viele Freiheiten. Unser Dorf war so winzig, es hatte nur etwa 150 Einwohner. Und für mich – vor allem als Kind – war es der schönste Ort der Welt!

Auch heute noch erinnere ich mich nur zu gern an meine Kindheit. Wir waren im Grunde jeden Tag Draußen. Es gab in der Nähe mehrere Seen und ringsum waren Felder. Wir ströperten durch das Gebüsch, fuhren Rad oder Inline Skates und verbrachten den ganzen Sommer an dem kleinen See mit unseren Freunden. Wir schlugen unsere Zelte auf, entweder am See oder auf einer Wiese im Ort. Wir waren immer Draußen und hatten super viele Freiheiten.

Rückblickend glaube ich, wusste meine Mama oftmals nicht so genau, wo wir waren. Handys hatten wir auch keine, oder erst viel später. So im Nachhinein gehe ich mal davon aus, dass sie abends froh war, wenn wir alle beide wieder heil Zuhause angekommen waren 😉

Mit 15 Jahren verabschiedete ich mich vorerst vom Landleben. Meine Familie und ich zogen in die Nähe von Heidelberg. Danach lebte ich eine Weile in Mannheim und schlussendlich über 10 Jahre in Ludwigshafen. Obwohl das Stadtleben einige Vorteile mit sich bringt, zog es mich schon lange wieder raus auf‘s Land. Dorfkind bleibt Dorfkind, würde ich mal sagen! Ich wollte immer, dass meine Kinder einmal dieselbe Freiheit genießen dürfen, die ich als Kind hatte. Und seit Weihnachten letzten Jahres haben wir genau das!

Sowohl mein Mann als auch ich wissen unser jetziges Leben sehr zu schätzen. Der Weg hierher war für uns nicht einfach. Gerade mal 1 Jahr zuvor waren wir bereits innerhalb Ludwigshafens umgezogen. Ein erneuter Umzug und das noch während meiner Elternzeit, war für uns finanziell und auch emotional eine große Herausforderung. Generell empfanden wir die letzten 2 Jahre als äußerst anstrengend. Die 2 Umzüge, die Umstellung auf ein 2. Kind und auch der Tod meines Vaters haben unsere Beziehung auf eine harte Probe gestellt.

Doch nun fühlen wir uns angekommen! Wir genießen unser neues Zuhause und das Landleben so sehr. Der Weg war nicht einfach, aber für uns als Familie hat es sich definitiv gelohnt. Und auch für unsere beiden Kinder! Seit Mitte Januar kann unserer Sohnemann Laufen. Es macht so Spaß ihm dabei zuzuschauen, wie er den halben Tag durch den Garten läuft und herum wuselt. Er trägt Spielsachen oder Blumentöpfe umher und freut sich darüber seiner großen Schwester hinterher rennen zu können.

Unsere fast 4-jährige Tochter hatte anfangs noch ihre Schwierigkeiten. Sie wollte zurück nach Ludwigshafen und fand unser Haus doof. Das lag aber hauptsächlich daran, weil sie ihren alten Kindergarten – und somit viele ihrer Freunde verlassen musste. Das war nicht sehr leicht für sie. Im Moment ist es auch schwer hier im Ort neue Freunde zu finden.

Durch den Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen, fallen seit Wochen die Besuche auf dem Spielplatz weg. Ebenso können wir im Moment leider niemanden einladen. Wir haben mit ihr über die momentane Situation gesprochen. Sie ist sehr verständnisvoll, aber nachvollziehbarerweise auch traurig. Aber es kommen auch wieder andere Zeiten und dann kann sie hier endlich neue Freunde finde und die alten Freunde wieder besuchen!

Für uns unterscheidet sich das Landleben sehr vom Leben in der Stadt. Mein Mann und ich haben etwa gleich lang auf dem Land und in der Stadt gelebt. Nach unseren ersten 4 Monaten im neuen Zuhause, haben wir vor ein paar Tagen abends auf der Terrasse resümiert:

1.

In der Stadt ist es einfach viel lauter! Obwohl wir hier eine Autobahn und eine Bundesstraße in der Nähe haben, ist es im Dorf grundsätzlich viel ruhiger. Man hört Grillen zirpen oder Frösche. Und irgendwo im Hintergrund das leise Rauschen von der Straße. In Ludwigshafen haben wir direkt in der Innenstadt gelebt. Da war irgendwie immer etwas los. Autos, Motorräder, Feuerwehr und gefühlt den ganzen Tag fuhr ein Krankenwagen am Haus vorbei. Auch wenn es gerade für kleinere Kinder super spannend ist diese Fahrzeuge zu beobachten, ist es im Grunde einfach nur laut.

2.

Weniger Verkehr bringt auch bessere Luft mit sich. Auf dem Dorf gibt es zwar auch Verkehr, aber eben weniger konzentriert. Gerade wenn ich mit unserem Hund auf dem Feld spazieren gehe, fällt es mir immer wieder auf wie gut man hier durchatmen kann! Vielleicht ist es auch nur Einbildung. Aber diesen Placeboeffekt nehme ich gern in Kauf 😉

3.

Das Landleben ist irgendwie langsamer. Auch schon vor der Coronakrise fühlte sich unser Alltag entschleunigt an. Wir mussten z.B. nicht mehr schnell zur Straßenbahn hetzen. Das fällt nun einfach weg. Klar, wir haben jetzt auch noch Termine und irgendwann auch wieder Treffen mit unseren Freunden. Aber insgesamt fühlt sich alles langsamer an. Aber positiv langsam. Wir gehen auch wieder mehr spazieren. Wir schlendern über die Felder ohne Eile. Der Hund kann für sich schnuppern und die Kinder können stressfrei laufen oder Schmetterlingen hinterherjagen. Es fühlt sich so an als wäre all der Druck weg.

4.

Überhaupt wirkt es – zumindest bei uns im Dorf – sehr viel sauberer als in der Stadt. In der Regel beseitigen die Anwohner hier auch die Hinterlassenschaften ihrer Hunde. Das war in Mannheim und Ludwigshafen definitiv anders! Ich laufe schon immer gern und viel barfuß. Aber in der Stadt war das oft eine Herausforderung. Hundekot, Glasscherben, Müll und vor allem im Hochsommer brühend heiße Gehwege. Auf dem Feld ist das weniger problematisch. Der Boden wird zwar warm, aber er heizt sich nicht so sehr auf wie Gehsteige oder Straßen.

5.

Ein großer Unterschied zum Landleben ist auch, dass in der Stadt alles anonymer ist. Man kennt seine Nachbarn meist nur vom Sehen, grüßt sich freundlich im Treppenhaus und dann… tja… das war‘s dann auch schon wieder. Wir hatten in den vergangenen Jahren einige nette Nachbarn. Aber obwohl wir im selben Haus gewohnt haben, war der Kontakt nie so richtig eng.

Auf dem Dorf ist das anders. Man trifft immer irgendjemandem auf dem Feld oder auf der Straße, man grüßt sich oder hält ein Schwätzchen – im Moment nur mit ausreichend Abstand 😉

Jeder kennt auch jeden! Das kann ein Vorteil, aber natürlich auch ein Nachteil sein. In der Stadt hat niemanden interessiert, was man tut. Auf dem Land wird dann unter Umständen schon mal etwas genauer hingeschaut. Nichtsdestotrotz haben wir mit unseren neuen Nachbarn bisher einen echten Volltreffer gelandet! Die Nachbarn zu beiden Seiten unseres Gartens sind unglaublich freundlich. Wir hatten auch mit anderen Nachbarn aus der Straße schon tolle Begegnungen und Gespräche.

6.

Neben unseren wundervollen Nachbarn, gibt es bei uns vor allem auf dem Feld einiges zu entdecken. Denn entlang unserer täglichen „Gassi-Strecke“ stehen so einige Tiere in Koppeln. Schafe, Esel, Rinder und Pferde kreuzen so ziemlich jeden Tag unseren Weg. Die Schafe haben vor Kurzem Lämmer bekommen, was den Besuch zu einem besonderen Highlight für unsere Tochter macht! Auch im Garten wimmelt es vor Insekten und Schmetterlingen. Abends in der Dämmerung flattern auch schon mal ein paar Fledermäuse an uns vorbei. Das ist so toll!!

7.

Für mich persönlich ist aber das Beste am Landleben, dass es hier deutlich weniger Lichtverschmutzung gibt! Die BASF ist nachts hell erleuchtet. Aber auch andere Firmen in der Metropolregion Rhein-Neckar lassen den Nachthimmel hell erstrahlen – oder eben nicht! Denn das Licht von Straßenlaternen, Fabrikgeländen oder Großveranstaltungen versperren einem die Sicht auf die Sterne.

Wenn es nämlich so richtig dunkel Draußen ist, kann man ab und an die Milchstraße sehen. Leider nicht in unserer Region. Aber als Kind konnte ich mehr als nur einmal die Milchstraße am weiten, dunklen Himmel der Uckermark beostaunen. Das ist ein unbeschreiblich schönes Bild! Auch wenn es hier nicht für die Milchstraße reicht, so kann ich auf dem Land definitiv mehr Sterne erkennen als in der Stadt. Und allein dafür hat sich für mich der Umzug schon gelohnt – neben den vielen anderen positiven Aspekten.

8.

Obwohl für uns die Vorteile deutlich überwiegen, bringt ein Umzug auf‘s Land auch ein, zwei Minuspunkte mit sich. Zum einen sind unsere Wege weiter. Früher wohnten wir circa 5 Gehminuten von 3 Supermärkten, einem Drogeriemarkt, 3 Apotheken und diversen Bäckern entfernt. Ein Überangebot, das wir aber gern genutzt haben. Hier im Ort muss ich deutlich länger laufen oder das Fahrrad nehmen, um zum Supermarkt zu kommen. Glücklicherweise gibt es hier aber auch 2 Supermärkte im Ort samt Drogeriemarkt.

Aber auch unsere Ärzte sind nun viel weiter entfernt. Trotz des Umzugs habe ich den Kinderarzt nicht gewechselt. Wenn man mal einen guten, passenden Kinderarzt gefunden hat, dann möchte man diesen auch nur ungern wieder hergeben… Und da meine beiden Kinder glücklicherweise selten krank sind, nehme ich die Fahrt für die wenigen Male gern in Kauf. Ebenso verhält es sich mit unseren Zahnärzten und anderen Fachärzten. Wir müssen nicht oft dort hin. Deshalb wollen wir uns vorerst keine neuen Ärzte suchen und fahren dann lieber nach Ludwigshafen oder Mannheim.

Im Großen und Ganzen überwiegen für uns die Vorteile am Landleben. Wir leben sehr gern hier in diesem wunderschönen Haus mit Garten direkt an Feld, Wald und Wiese. Mein Mann und ich wissen unser jetziges Leben sehr zu schätzen. Denn wir beiden haben es uns erarbeitet und in der Vergangenheit schon ganz anders gelebt – nämlich von nahezu nichts. Wir müssen für unseren „Luxus“ beide arbeiten gehen und versuchen die Zeit Zuhause so viel wie möglich mit unseren Kindern zu verbringen.

Wir genießen mit unseren Kindern das Landleben und unsere gemeinsame Zeit. Wir fühlen uns angekommen und pudelwohl in unserem neuem Leben auf dem Land. Ich kann es kaum erwarten, welche Abenteuer meine Kinder und ihre Freunde hier in den nächsten Jahren erleben werden. Und ich hoffe, dass sie einmal genau so gerne an ihre hoffentlich glückliche, freie Kindheit erinnern wie ich! <3 

 

Liebste Ostergrüße sendet Euch,

Anke

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