Laktationsamenorrhoe – Stillen als Verhütungsmittel

Endlich war es soweit! Endlich erschien auf dem Schwangerschaftstest die zweite, langersehnte Linie. Meine Erstgeborene war etwas über 2 Jahre alt als ich endlich positiv testen konnte. Denn als meine Tochter zur Welt kam, wollte ich am liebsten direkt 3 weitere Kinder haben. So voller Liebe und Hormonen war ich 😉

Ende Juni war es dann so weit und die Freude war überwältigend! Ich rief direkt meinen Mann, meine Mutter und meine beste Freundin an, um ihnen diese frohe Botschaft zu verkünden. Mit standen die Freudentränen in den Augen und ich konnte es kaum fassen, dass der Test nach 2 Jahren endlich positiv war.

Dass es bei mir 2 Jahre gedauert hat, lag vermutlich an der sogenannten Laktationsamenorrhoe. Das bedeutet, dass durch das Stillen die Menstruation ausbleibt. Der vom Säugling ausgelöste Saugreiz an der mütterlichen Brustwarze verändert den weiblichen Hormonzyklus. Beim Stillen wird das Hormon Prolaktin ausgeschüttet. Es sorgt zum einem für die Milchbildung, unterdrückt aber andererseits die Hormone FSH (follikelstimulierende Hormon oder auch Follitropin) und LH (luteinisierende Hormon oder auch Luteinisierungshormon). Diese beiden Hormone lösen normalerweise den Eisprung aus.

Die Laktationsamenorrhoe-Methode gilt als umstrittende Verhütungsmethode. Es heißt, dass Frauen, die ihre Babys in den ersten 6 Monaten voll stillen, auf diese Weise keine erneute Schwangerschaft riskieren. Tatsächlich reagiert aber jede Frau anders auf die hormonellen Veränderungen. Es gibt keine Garantie, dass die Laktationsamenorrhoe-Methode bei jeder voll stillenden Frau auch zu 100% funktioniert. Ich habe im Laufe der letzten Jahre immer wieder Mütter kennengelernt, die ihre Babys noch voll stillten, aber bereits mit einem weiteren Kind schwanger waren.

Ich stille meine Tochter nun seit fast 2,5 Jahren. Erst kurz nach ihrem 1. Geburtstag bekam ich wieder meine Menstruation, obwohl sie bis dahin noch nahezu voll stillte. Es hat ein weiteres Jahr gedauert, bis ich wieder produktive Eisprünge hatte. Wenn meine Tochter während eines Zyklus mal mehr gestillt hat, dann wurde auch der Zyklus immer um ein paar Tage länger. Es ist schon faszinierend, wie im Körper so alles zusammenspielt und welchen Einfluss ein Kind auf den Körper der Mutter haben kann.

Obwohl die Laktationsamenorrhoe bei mir ungewollt funktioniert hat, gelten für eine „erfolgreiche“ Verhütung normalerweise ein paar Regeln. Zum einen muss man sein Baby voll und nach Bedarf stillen. Es sollten keine längeren Pausen zwischen den Stilleinheiten liegen (< 6 Stunden). Das Baby ist nicht älter als 6 Monate und trinkt ausschließlich an der Brust, d.h. keine zusätzliche Flüssigkeit, keine Fläschchen und keinen Schnuller.

Ich muss dazu sagen, dass ich nicht alle Kriterien erfüllt habe und dennoch hatte ich eine Laktationsamenorrhoe. Meine Tochter wurde immer nach Bedarf gestillt, aber sie hatte dennoch einen Schnuller. Während ich abends im Rückbildungskurs war, gab mein Mann ihr meine abgepumpte Muttermilch im Fläschchen. Und das eine oder andere Mal lagen auch bestimmt mehr als 6 Stunden zwischen den Stilleinheiten…

Es gibt Frauen, bei denen bleibt der Zyklus nach der Geburt nicht aus. Das Kind kommt auf die Welt und kurze Zeit später setzt auch schon wieder die Menstruation ein. Da scheint es egal zu sein, ob sie alle Regeln befolgen. Wer sich unter keinen Umständen so schnell kein weiteres Kind wünscht, der sollte auf andere Verhütungsmittel wie z.B. Kondome zurückgreifen. Am besten sprecht ihr das bei eurer Nachsorgeuntersuchung beim Gynäkologen an. Er wird euch zum Thema Verhütungsmethoden nach der Geburt beraten können.

 

Eure Anke

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