Kreativität vorleben und ausleben

Ich bin ein kreativer Mensch. Ich singe, ich tanze, ich male… krumm, laut und schief. Vor allem aber mit Hingabe! Kreativität ist etwas, dass in uns allen schlummert. Aber viele scheinen Hemmungen zu haben, sie auszuleben.

Wenn man Leute fragt, ob sie kreativ seien, bekommt man vielerlei Antworten. Die meisten sind eher negativ behaftet: „Nicht wirklich. Ich kann nichts. Ich kann nichts Schönes. Das sieht doof aus. Ich treffe keinen Ton. Etc.“. Meh. Unschön.

Dabei ist Kreativität und kreativ sein etwas ganz Wunderbares, Individuelles! Und ich behaupte jeder Mensch ist kreativ auf seine ganz eigene Weise. Jeder kann etwas, aber viele trauen sich nicht.

Singen und Reimen

Mir persönlich ist es schnurzpiepe, dass ich die Töne beim Singen nicht richtig treffe. Mein Ziel ist es ja auch nicht auf einer großen Bühne vor Publikum aufzutreten. Als Zuhörer reichen mir meine Kater und vor allem meine Kinder vollkommen aus! Und wenn es darum geht spontan neue Texte auf Melodien zu reimen, werde ich richtig kreativ. Dann singe ich für meine Tochter über alles, was mir gerade vor die Nase läuft auf ihr bekannte Melodien von Kinderliedern. Sie steigt dann irgendwann ein und kreiert selbst eine Strophe über irgendetwas, dass sie z. B. gerade tut.

Und so singen und tanzen wir durch das Wohnzimmer. Dabei entstehen oft sehr witzige Texte. Und wir kringeln uns vor Lachen, was für ein Quatsch uns da gerade in den Sinn gekommen ist. Währenddessen sitzt der kleine Bruder dazwischen und klatscht vor Freude in die Hände! Ist bin immer wieder erstaunt, wie pfiffig meine 3-Jährige beim kreieren neuer Texte ist. Da kann es dann auch schon mal um die Nudeln vom Mittagessen gehen oder eben um Hundekacke auf der Straße an der wir gerade vorbeigelaufen sind…

Buntes Backen

Im Frühjahr hatte ich hier auf dem Blog das Rezept vom Geburtstagskuchen meiner Tochter veröffentlicht. Ich habe es so sehr genossen mit ihr gemeinsam diesen Kuchen zu kreieren. Meine Tochter konnte ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Sie hat mir vorher genau beschrieben, wie ihr Kuchen aussehen soll – nämlich ganz bunt. Klar, ich hätte auch eine hübsch verzierte Torte backen oder kaufen können. Aber das war nicht das, was ich mir für mein Kind gewünscht habe.

Ich bin lieber kreativ bzw. lasse meine Tochter kreativ sein. Sie durfte die Farben für den Teig aussuchen und sie hat sich für ganz viele bunte Schokolinsen oben drauf entschieden. Ihr Geburtstag. Ihr Geburtstagskuchen. Ihre Entscheidung. Sie war so stolz auf ihr Werk! Und der bunte Kuchen kam auch bei ihren Freunden im Kindergarten super gut an.

Ab und an habe ich für das Kindercafé im Kindergarten Muffins gebacken. Einmal hat meine Tochter sich blaue Muffins gewünscht, also haben wir den Teig blau eingefärbt. Auch diese Muffins kamen gut bei den anderen Kindern an und meine Tochter war wieder an ihrer Entstehung beteiligt.

Experimentierendes Malen

Meine Lieblingsdisziplin ist allerdings das Malen mit meiner Tochter! Ich LIEBE es einfach mit ihr kreativ zu sein, in jedweder Form. Aber das Malen, Zeichen oder auch Kritzeln hat es uns beiden besonders angetan.

Bei Kindern entstehen Bilder immer während des Malens. Kleine Kinder setzen sich in der Regel nicht hin und sagen an: „Ich male jetzt eine Kuh. Ein Haus. Eine Insel.“. Bei Kindern entwickeln sich die Bilder nach und nach. Es beginnt mit ein paar Strichen, vielleicht mit der Lieblingsfarbe und daraus formt die kindliche Fantasie dann alles mögliche. Das geht dann von Stöckchen zu Steinchen. Vom Ball spielen auf der Wiese über ein schnelles Rennauto hin zum Regenbogen – in ein und demselben Bild!

Man sollte Kinder nicht unterbrechen, anweisen oder korrigieren beim Malen. Es muss nicht immer „nach was aussehen“. Ein Bild muss nicht schön oder perfekt sein. Ein Bild darf einfach nur sein. Ohne Wertung. Es ist nicht gut oder schlecht. Es ist einfach da und ggf. ist es bunt. That‘s it! Ein Bild zu erschaffen sollte vor allem Spaß machen! Kinder sollen ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Wenn das Kind sagt, es hat eine Kuh gemalt und man selbst erkennt nur ein Zickzack, dann ist das eben eine Kuh für das Kind. Für ein Kind und im Rahmen seiner frühkindlichen Möglichkeiten, sieht die Kuh halt so aus.

Entstehungsgeschichte von unseren Bildern

Ich liebe gerade diese wilden Entstehungsgeschichten rund um unsere Bilder. Meine Tochter und ich, nur wir zwei beide, sitzen an dem kleinen Tisch im Kinderzimmer. Sie darf aussuchen, ob wir mit Filzstiften, Wachsmalstiften oder Wasserfarben malen. Wir nehmen uns ein großes Blatt Papier und kritzeln einfach drauf los.

Manchmal entsteht so ein Bild nur mit verschiedenen Kringeln, Streifen oder Punkten. Manchmal malen wir zwei verschiedene Bilder nebeneinander auf dem selben Blatt. Aber fast immer entwickelt sich unser Bild aus unserem gemeinsamen Gespräch heraus. Wir sprechen über das, was wir gerade zeichnen, sie hört mir zu und ich ihr. Wir kommentieren, aber wir bewerten nicht. Ich bemerke vielmehr ihre Farbwahl oder frage, wie sie denn gerade auf die Idee gekommen ist.

Manchmal erzählt sie mir eine fantasievolle Geschichte und ich versuche parallel dazu etwas Passendes auf unser Papier zu zeichnen. Es muss nicht perfekt aussehen, es reicht mir, wenn meine Tochter wiedererkennt, was sie gerade eben noch erzählt hat. So erzählte sie beim letzten Mal von einem Prinzen und einer Königin. Die Königin hatte pinke Haare und ein Kleid mit ganz vielen bunten Punkten.

Also zeichnete ich nebenher zwei große Köpfe. Einen Kopf mit einer kleinen Krone und langen Haaren und einen Kopf mit einer großen Krone und kurzen Haaren. Meine Tochter erkannte die Figuren aus ihrer Geschichte wieder und malte direkt die Haare pink an. Und auf einem anderen Blatt zeichnete ich den Umriss eines großen Kleides, welches wir gemeinsam nach ihrer Vorstellung mit Punkten und Kringeln versehen haben.

Es muss nicht perfekt sein

Ich in ein kreativer Mensch. Vor allem aber bin ich kreativ. Ich kann im eigentlichen Sinne nicht Singen oder Zeichnen. Ich weiß wie ein Pferd aussieht, aber ich kann kein realistisches Pferd zeichnen. Das ist aber auch egal. Wenn ich Interesse daran gehabt hätte, etwas richtig gut zeichnen zu können, dann hätte ich es geübt oder einen Kurs besucht. Oder ich hätte Gesangsstunden genommen. Aber all das ist mir überhaupt nicht wichtig.

Solange ich Kuchen bunt einfärben, Liedtexte umdichten oder eine Königin mit pinken Haaren für meine Kinder erschaffen kann, reicht mir persönlich das vollkommen aus. Kreativität sollte man vorleben und man sollte sie ausleben. Egal, was andere für gut oder perfekt halten. Einfach mal machen und sehen, wohin es führt.

 

Herzlichst,

Eure Anke

 

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