Kinder und Haustiere – ein respektvolles Miteinander

Beim Thema Kinder und Haustiere scheiden sich häufig die elterlichen Geister. Insbesondere wenn es um das Thema Hygiene geht, gehen die Meinungen oft weit auseinander. Mit in die Entscheidung fallen aber auch die Zeit, die das Tier brauchen wird, sowie die möglichen Gefahren, die für das Kind dadurch entstehen könnten.

Sicher, Kinder großzuziehen ist anstrengend und die lieben Kleinen können manchmal ganz schön fordernd sein. Haustiere sind dann eine zusätzliche Belastung. Sie müssen neben dem Kind artgerecht versorgt werden und erhöhen die Bemühungen um einen hygienischen Zustand der Wohnung gefühlt um ein Vielfaches. Für uns überwiegen aber ganz klar die Vorteile, welches ein vierbeiniges Familienmitglied mit sich bringt.

Da ich selbst auf dem Land aufgewachsen bin, habe ich in meiner Kindheit die verschiedensten Tiere hautnah kennenlernen dürfen. War es nun die eigene Hauskatze, die Hühner des Nachbarn oder die Kühe des Bauern, der seinen Hof zwei Straßen weiter hatte. All diese Eindrücke begleiten mich bis heute und ich habe bereits als Kind gelernt, dass jedes Tier seine eigenen Bedürfnisse hat.

Insgesamt war in meiner Kindheit der Umgang mit der Natur unbeschwerter, als ich es heute bei vielen anderen Eltern beobachten kann. Ich war mit Freunden oder Geschwistern häufig in der Natur unterwegs. Ich habe gelernt, dass auf Bäume zu klettern mit einem gebrochenen Ast oder schlimmstenfalls mit gebrochenen Knochen enden kann. Dass es sehr unangenehm ist, wenn man im Herbst ein ungewolltes Bad im Bach nimmt und dann mit nassen Klamotten nach Hause laufen muss. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Schimpfwort „dumme Kuh“ wenig mit der Realität zu tun hat. Denn Kühe können sehr nette und intelligente Zeitgenossen sein. Wichtig war auch die Erfahrung, dass die meisten Tiere sehr wehrhaft und unangenehm sein können, wenn man sie ärgert. Ob Katze, Ziege, Hofhund, Biene oder auch nur der Hamster: jedes Tier hat nur ein begrenztes Maß an Geduld und Leidensfähigkeit. Verhält man sich unangemessen, muss man mit schmerzhaften Folgen rechnen. Im Falle der Biene nehmen dann sogar beide Parteien schaden, wenn man das arme Tier zu einem Stich provoziert.

An all diesen Erfahrungen bin ich gewachsen. Sie waren nicht immer alle schön, aber lehrreich. Sie haben mich achtsam werden lassen mit meinen tierischen Mitgeschöpfen. Das lag auch nicht zuletzt daran, dass meine Eltern mir einen Umgang mit anderen Lebewesen vorgelebt haben, der von Respekt und Wertschätzung geprägt war. Gab es unliebsame „Zwischenfälle“, waren ein paar Kratzer noch lange kein Grund, gleich hysterisch beim jeweiligen Tierhalter Sturm zu laufen. Zu aller erst wurde immer gefragt, wie es zur jeweiligen Blessur überhaupt kam. Hatte ich sie mir durch Eigenverschulden zugezogen, wurde mir immer wieder gebetsmühlenartig erzählt, dass man Tiere achtet und in Ruhe lässt. Oder wie ich mich in der Situation richtig zu verhalten habe, damit mir so etwas in Zukunft nicht mehr passiert.

Vieles, was früher ganz normal war, scheint heute fast undenkbar. Häufig sind die Möglichkeiten, Erfahrungen mit Natur und Tieren zu machen, einfach verloren gegangen. Das liegt zum Teil auch an der Veränderung der Landwirtschaft in den letzten Jahren. Viele Tiere sehen heutzutage Zeit ihres Lebens keinen grünen Halm mehr unter ihren Füßen oder Hufen. Die vielen Kleinbetriebe mit ihren kleinen Ställen und verschiedenen Tieren sind großen Anlagen gewichen, die man nicht mal eben so betreten kann bzw. darf. Habe ich als Kind noch Kühe auf der Weide beobachten können, stehen diese heute meist angebunden im Stall. Hühner sieht man freilaufend nur noch selten und auch die vorbeiziehenden Schafherden, die ich als Kind fasziniert beobachten konnte, sind sehr selten geworden. Am schlimmsten trifft mich aber der Rückgang unser Blumen- und Insektenwelt.  Ich kann mich als Kind noch gut daran erinnern, wie ich jeden Sommer unzählige Blumen, Bienen, Libellen und Schmetterlinge beobachten konnte. Diese Möglichkeit fällt für meine Kinder fast vollständig flach, denn mittlerweile sind dank Monokulturen, Spritzgiften, trocken gelegten Tümpeln und den vielen, allzu gepflegten Rasenflächen kaum mehr welche übrig. Mit den Insekten sind auch viele Singvögel fast verschwunden. Mein Kind wird sie wohl nur noch im Schulbuch kennenlernen…

Die Werte, die man mir als Kind vermittelt hat, möchte ich meinen Kindern ebenfalls vermitteln. Denn in dieser Umwelt, die wir Eltern und Großeltern ihnen überlassen, wird es seine Zukunft verbringen müssen. Da wir momentan leider in der Stadt wohnen, sind die Möglichkeiten Natur zu erleben für meine Kinder sehr begrenzt. Die Möglichkeiten, Tiere wie Kühe, Ziegen, Schafe oder Hühner hautnah erleben zu können, tendieren gegen Null. Es gibt hier auch leider keine Bäume, die man erklimmen könnte, Insekten wie Libellen haben im städtischen Umfeld leider keine Lebensräume. Toben im Grünen, wie ich es aus meiner Kindheit kenne, ist in der Stadt nur in extra dafür vorgesehenen Bereichen möglich. Und die haben leider nur noch sehr wenig mit der echten Natur zu tun.

Wir haben uns deshalb ganz bewusst dafür entschieden, unsere Kinder mit (Haus)Tieren aufwachsen zu lassen. Derzeit haben wir nur einen Hund, aber wenn es Platz, Zeit und Geld ermöglichen, dürfen unsere Kinder sich auch selbst für ein Tier ihrer Wahl entscheiden, für dass sie dann Verantwortung übernehmen dürfen. Es ersetzt zwar nicht die Vielfalt, die ich als Kind kennenlernen durfte. Aber es ist ein Anfang. Unsere Kinder lernen von Anfang an, dass es noch andere fühlende Lebewesen gibt, als unsere Mitmenschen. Sie lernen, dass jedes Tier seine eigenen Bedürfnisse hat, die unbedingt erfüllt werden müssen. Dass auch ein Hund oder eine Katze nicht immer einfach angefasst werden möchte und ein Recht auf Ruhe und persönliche Unversehrtheit hat.

Wir möchten, dass unsere Kinder Tiere als fühlende Wesen mit eigenem Charakter kennen und schätzen lernen. Dazu gehört auch, dass man nicht zu jedem Hund einfach rücksichtslos hinrennen darf, dass eine Katze nicht am Schwanz gezogen werden möchte und man keine Enten jagt oder Schwänen lieber aus dem Weg geht. Wir möchten, dass unsere Kinder ein Gefühl dafür entwickeln, was für andere Lebewesen in Ordnung ist und was nicht. Dass man nicht jedes Insekt sofort totschlagen und jedes „Unkraut“ sofort vergiften muss. Dass für jedes Stück Fleisch auf dem Teller ein Tier sein Leben lassen musste und man das entsprechend wertschätzen sollte.

Erfahrungen lassen sich leider schlecht durch Bücher und Geschichten vermitteln. Für Kinder zählt vor allem das, was sie selbst erleben. Um Erfahrungen für’s Leben zu sammeln, müssen sie auch gemacht werden. Selbst wenn wir unseren Kindern nicht die Vielfalt unserer eigenen Kindheit bieten können, so snd Haustiere doch ein erster Anfang. Egal wie stressig es manchmal sein kann, den Hund bei Wind und Regen nochmal rauslassen zu müssen: wir würden uns jederzeit wieder für ein Leben mit Haustier entscheiden. Es ist wunderbar zu sehen, wie selbstverständlich mein Sohn mit unserem Hund umgeht und wie respektvoll er sich mit seinen gerade mal 2 Jahren bereits anderen Tieren gegenüber verhält.

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