Kaiserschmarrn – das Expressrezept für gestresste Eltern

Kaiserschmarrn sind toll! Meine österreichische Oma hat sie hin und wieder gemacht und mir damit eine wunderbare Kindheitserinnerung geschaffen. Doch nicht nur ich, auch meine Kinder lieben sie. Mindestens einmal die Woche schallt hier der Wunsch nach dem Lieblingsgericht meiner Kinder sehr vehement durch die Räume. Nur leider ist das gängige Rezept dank dem Eischnee nix für blank liegende Elternnerven. Schon gar nicht, wenn es schnell gehen muss und/oder man ständig von der Arbeitsfläche wegspringen muss, um den Streit zu schlichten oder die Welt zu retten.

Hier zunächst das gängige Rezept:

  • 125 g Mehl
  • 375 ml Vollmilch
  • 30 g Zucker
  • 4 Eier (getrennt)
  • 1 Pack Vanillezucker
  • 30 g Rumrosinen/in Obstsaft eingeweichte Rosinen
  • 40 g Butter zum Ausbacken

Zunächst trennt ihr die Eier, schlagt Eischnee und stellt diesen kurz zur Seite. Wenn ihr keine Rumrosinen habt, könnt ihr auch normale Rosinen für mindestens 15 Minuten in Rum oder – wenn es ohne Alkohol sein soll – in Fruchtsaft einlegen. Dann verrührt ihr Eigelb, Zucker und Vanillezucker zu einer schaumigen Masse. Rührt anschließend die Milch und danach das Mehl dazu. Nun wird der Eischnee vorsichtig untergehoben und zum Schluss die Rosinen (ohne die Flüssigkeit!) hinzugegeben.

Zerlasst nun die Butter in einer Pfanne und backt den Teig bei schwacher bis mittlerer Hitze bis der Teig unten goldbraun ist. Dann wenden und ebenfalls goldbraun backen. Am Ende zerreißt ihr den Teig mit zwei Gabeln oder Pfannenwendern in Stücke.

Serviert wird der Schmarrn mit Puderzucker und Apfelmus oder einem Kompott nach Wahl… während ich im Mondschein dazu tanze.

So weit, so gut?

Leider nein, leider gar nicht. Sind wir mal ehrlich: dieses Rezept findet man zwar überall, aber es ist für übernächtigte Eltern mit hungrigen, quengelnden Kindern total unbrauchbar! Bei ganz fancy Rezeptvarianten wird der Kaiserschmarrn sogar samt Pfanne in den Backofen geschoben und dort fertig gebacken. Allein daran scheitert es schon bei mir. Ich sag nur: Kunststoffgriffe. Außerdem ist es nicht die einzige Art, Kaiserschmarrn zu machen. Sondern einfach die, die man aus Restaurants kennt. Dort hat der Koch auch genügend Zeit, sich hinzustellen und die Eier zu trennen. Schließlich sind seine hungrigen Gäste draußen, außer Hör- und Sichtweite.

Meine hungrigen Mäuler hängen mir stattdessen während des Kochens am Bein oder streiten sich wahlweise direkt neben mir, hinter mir oder (gefühlt) auf mir. Ich bin froh, wenn das Essen möglichst schnell fertig ist, da habe ich weder Zeit noch Nerven, mich mit empfindlichem Eischnee oder dem Einweichen von Rosinen auseinander zu setzen. Denn das Rezept ist zwar angeblich für 4 Portionen, aber meine beiden Raupen kriege ich damit nicht satt. Zumindest nicht, wenn ich auch noch mitessen möchte. Meinen Mann habe ich da noch gar nicht mit eingerechnet.

Und mal ganz abgesehen von der Zubereitung: Rumrosinen gehören nicht auf den Kinderteller! Auch die Menge an Ei finde ich für die Menge Teig ganz schön deftig.

Aber zum Glück ist das Rezept für Kaiserschmarrn ja nicht in Stein gemeißelt. Schließlich führen viele Wege nach Rom. Meine österreichische Oma hatte da eine viel pragmatischere Herangehensweise. Schließlich hatte sie auch keine Zeit, beim Kochen unnötige Pirouetten zu drehen. Sie hatte 3 hungrige Enkelkinder zu versorgen. Und nebenbei: die Kaiserschmarrn meiner Oma waren die besten überhaupt!

Es ist deutlich einfacher und schlanker, als das gängige Rezept, außerdem braucht man dazu keine Küchenwaage.

Zunächst einmal die Zutatenliste:

Für 4 Portionen braucht ihr:

  • Mehl
  • 2-3 Eier (je nach Größe der Eier)
  • etwa 2 Esslöffel Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker oder ein bisschen geriebene Vanille
  • Rosinen
  • Vollmilch
  • ein halbes Päckchen Backpulver
  • Öl für die Pfanne

Prinzipiell kann man zu dem Rezept meiner Oma sagen: alles rein in die Schüssel und verrühren, bis die Konsistenz passt. Also im Prinzipiell total einfach und unkompliziert. Ein paar Worte möchte ich dann aber trotzdem noch dazu zu sagen.

Warum keine Mengenangabe bei Mehl und Milch?

Beim Kaiserschmarrn handelt es sich um einen einfachen Pfannenkuchenteig, der nur wesentlich dicker gemacht wird. Dabei ist er aber keine Mimose. Ob er nun am Ende ein klein wenig fester oder flüssiger ist, ist völlig egal. Die genaue Abmesserei könnt ihr euch sparen. Hat er (noch) nicht die gewünschte Konsitenz, könnt ihr einfach noch mit etwas Mehl oder Milch “nachjustieren”

Ihr gebt einfach so viel Mehl in eine Rührschüssel, dass es in etwa Teig für eine Pfannenfüllung gibt. Nehmt lieber eine möglichst große Pfanne. Der Teig sollte in der Pfanne maximal 2-3 cm hoch sein wenn ihr ihn zum ausbacken einfüllt. Wird der Teig höher, wird er in der Mitte nicht mehr richtig durch, außen zu dunkel und/oder zum Schluss nicht schön knusprig. Solltet ihr zu viel Teig haben, backt lieber auf zweimal aus.

Zu dem Mehl gebt ihr alle trockenen Zutaten und vermengt sie gut miteinander. Dann kommen die Eier dazu und ein klein wenig Milch. Verrührt alles grob mit dem Schneebesen und gebt dann nach und nach so viel Milch dazu, bis der Teig eine dickflüssige Konsistenz hat. Nun kommen noch nach belieben Rosinen direkt in den Teig. Einmal umrühren – fertig ist der Teig. Ohne Rührgerät, ohne fünf extra Schüsseln zum Abmessen, ohne Küchenwaage. Alles was ihr braucht ist eine Rührschüssel, einen Esslöffel und einen Schneebesen. Ich mache den Teig oft zusammen mit meinem Sohn. Ich gebe die Zutaten dazu, er darf Rühren – oder umgekehrt.

Dann gehts ans Ausbacken. Gebt den Teig dazu in die Pfanne und backt ihn bei schwacher bis mittlerer Hitze goldbraun. Danach wendet ihr ihn, wenn die zweite Seite ebenfalls goldbraun ist, zieht ihr den Kaiserschmarrn mit zwei Pfannenwendern in kleine Teile. Backt das ganze solange weiter, bis der Teig überall durchgegart und schön knusprig ist.

Öl statt Butter

Ihr braucht zum Ausbacken der Kaiserschmarrn keine 40 g Butter, ein klein wenig Öl tut´s auch. Bei beschichteten Pfannen reicht wirklich ein klein wenig. Habt ihr unbeschichtete Edelstahl-, Eisen- oder Gusspfannen, dann braucht ihr natürlich entsprechend mehr Öl. Seid bei diesen beschichteten Pfannen aber ein bisschen Vorsichtig mit dem Nachdosieren von Öl. Wenn es in solchen Pfannen nicht knusprig werden will, liegt das meist daran, dass die Pfanne zu voll ist. Nicht, dass ihr den Kaiserschmarrn versehentlich im Öl ertränkt (ist mir in jungen Jahren mal passiert).

Warum so wenige Eier?

Meine Oma hat mir einmal als Grundsatz für Pfannkuchenteige mit auf Weg gegeben: Du nimmst ein Ei weniger als die Anzahl der Personen, für die du kochst. Sie hat dabei prinzipiell von mittelgroßen Eiern gesprochen. Waren die Eier besonders groß, hat sie die Anzahl entsprechend angepasst. Nun war ja meine Oma aus einer Generation, in der man sehr sparsam mit den teureren Zutaten war. Natürlich könnte man auch mehr Eier an den Teig tun. Aber dann wird der Teig ziemlich schnell „eiig“. Das heißt, das Ei sticht geschmacklich sehr hervor. Das ist meiner Meinung nach dem Geschmack des Kaiserschmarrn nicht zuträglich. Mal ganz davon abgesehen, dass ich die 4 Eier aus dem Originalrezept für so wenig Teig ganz schön mächtig finde.

Kein Eischnee?

Nein, die Zeit und die Nerven spare ich mir. Wenn ihr die Kaiserschmarrn schön fluffig wollt, könnt ihr die Sache mit dem Eischnee einfach umgehen, in dem ihr dem Teig einfach etwas Backpulver hinzufügt.

Und was ist mit den Rosinen?

Mal ganz ehrlich: wer hat sich nur den Quatsch mit dem Einlegen ausgedacht?! Das macht man nur, wenn man unbedingt Alkohol in den Rosinen haben will. Wenn es um die Feuchtigkeit geht, könnt ihr euch den Schritt komplett sparen. Die Rosinen nehmen nämlich beim Ausbacken jede Menge Flüssigkeit aus dem Teig auf. Das macht kaum einen Unterschied.

Ob ihr die Kaiserschmarrn nun mit Puderzucker, Zimt & Zucker oder ganz ohne serviert, ob ihr dazu Apfelmus oder irgendein anderes Kompott anbietet, bleibt ganz eurem Geschmack und eurer Fantasie überlassen.

Eine kleine Variante

Übrigens: um das Ganze etwas gesünder zu gestalten, kann man die Zuckermenge reduzieren. Schließlich kommt ja am Ende Zucker oben drauf und die Rosinen sind von Haus aus sehr süß. Außerdem könnt ihr ein klein wenig des Mehls auch durch zartschmelzende Haferflocken austauschen. Dadurch werden die Kaiserschmarrn ein etwas herzhafter. Die Haferflocken solltet ihr vorher aber in etwas heißer Milch einweichen, bis sie gut durchgeweicht sind.

Und nun viel Spaß beim Kochen und guten Appetit!

 

Liebste Grüße, Esther

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