Jedes Stillkind ist anders und doch gleich

Als mein zweites Kind zur Welt kam, fühlte ich mich beim Thema Stillen wie ein Profi. Schließlich habe ich meine große Tochter 2,5 Jahre lang gestillt. Und ich musste letztendlich nur abstillen, weil es für mich durch die erneute Schwangerschaft leider mehr als unangenehm wurde. Etwa 3 Monate nach dem Abstillen kam dann auch schon mein zweites Stillkind zur Welt.

Ich habe es geliebt, meine Tochter zu stillen. Es war einfach praktisch und unkompliziert. Immer wenn sie Durst hatte oder Nähe brauchte, dann stillten wir. Und das, obwohl ich nach 1,5 Jahren wieder arbeiten ging und wir beide uns an manchen Tagen 12 Stunden lang nicht gesehen haben. Also holten wir uns die vom Tag verlorene Nähe einfach in der Nacht zurück. Dank Familienbett konnten wir eng aneinander gekuschelt nachholen, was uns tagsüber fehlte.

Als ich dann mit meinem zweiten Kind schwanger wurde, stillte ich meine Tochter nach und nach ab. Erst nachts und nach insgesamt 2,5 Jahren dann komplett. Durch die Schwangerschaft wurde das Stillen für mich richtig unangenehm und ich verlor allmählich die Freude daran. Meine Tochter hat es damals ganz gut angenommen. Allerdings gibt es heute, fast ein Jahr später, immer mal wieder Situationen in denn ich wünschte, sie würde noch stillen. Gerade um den 3. Geburtstag herum, kurz nach der Geburt ihres kleinen Bruders, stand ihre Welt Kopf. Ich hatte die Vermutung, wenn sie noch stillen würde, wäre es für sie und mich oftmals einfacher gewesen…

Mit der Geburt meines zweiten Kindes musste ich lernen, dass jedes Kind irgendwie ein bisschen anders stillt. Ich kannte ja nur das Trinkverhalten von meinem ersten Stillkind. Sie war ein typisches Clusterbaby. Meine Tochter hing in den ersten Monaten irgendwie dauernd an der Brust. Zwar immer nur kurz, aber dafür oft. Mein zweites Stillkind war in dieser Hinsicht ganz anders. Er hat ordentlich viel gestillt und hatte dann zwischen 1-3 Stunden erstmal keinen Bedarf mehr. Ich habe ihm die Brust immer wieder angeboten, aber ihm reichte alle paar Stunden. Das war total seltsam für mich und ich dachte, mein Baby würde verhungern oder austrocknen. Aber nein, dem kleinen Kerl ging es wirklich prima!

Er hat fast den ganzen Tag im Tragetuch geschlafen, wurde alle paar Stunden wach zum Stillen und Windeln wechseln und schlief dann wieder. Das ging die ersten 2 Monate so. Eine Freundin fragte mal, ob er denn auch mal wach sei, sie würde ihn immer nur schlafend sehen. Aber er nahm an ganz normal an Gewicht zu und wirkte ansonsten zufrieden. In seinen Wachphasen war er aufmerksam, studierte die Umgebung und dann schlief er einfach wieder. Er lebte die ersten 2-3 Monate quasi nur im Tragetuch auf mir oder meinem Mann. Bereits 3 Jahre zuvor haben wir auch schon seine große Schwester ausschließlich getragen. Aber irgendwie hatten wir das Gefühl, wir würden den kleinen Bruder noch mehr tragen – keine Ahnung, wie das möglich sein konnte. Mein zweites Stillkind war wie bereits mein Erstes ein 100% Tragling.

Der Anfang mit meinem zweiten Stillkind unterschied sich ebenfalls von dem mit meiner Tochter. Ich hatte bereits wenige Stunden nach der Geburt das Gefühl, dass mein Sohn die Brustwarze nicht richtig zu greifen bekam. Er dockte immer wieder ab oder zog Luft. Irgendwie fühlte es sich insgesamt auch merkwürdig an, als würde etwas nicht richtig passen. Am nächsten Tag schaute der Kinderarzt in seinen Mund und stellte fest, dass sein Zungenbändchen verkürzt war. Nicht so schlimm, dass er einmal Sprachprobleme haben würde. Aber es könnte erklären, warum er die Brustwarze nicht richtig in den Mund nahm. Und da der Arzt auf meine Aussage vertraute, riet er uns dazu das Zungenbändchen zu kappen.

Es gab mir ein gutes Gefühl, dass der Kinderarzt meine Kompetenzen als erfahrene Stillmama nicht in Frage stellte. Ganz im Gegenteil, er ging ganz wunderbar darauf ein und wusste schnell eine Lösung. Und tatsächlich, kaum war das Zungenbändchen gekappt, veränderte sich das Stillverhalten meines Sohnes. Er bekam die Brust besser in den Mund und stillte effektiver. Dass er ab und an Luft zog, dauerte noch circa 2 Monate und dann war es ganz plötzlich vorbei. Genau an dem Tag als ich deswegen eine Stillberaterin aufsuchte, hatte sich das Problem von ganz allein gelöst. Keine Ahnung woran es gelegen hat…

Insgesamt stillt er aber genau so gut wie seine große Schwester. Sie sind sich auch im Gewichtsverlauf sehr ähnlich, obwohl er 600 g schwerer bei der Geburt war als seine Schwester damals. Jedes Kind ist nun mal anders. So wie auch jedes Stillkind anders ist. Die einen stillen kurz, aber häufig. Die anderen stillen lange am Stück, benötigen aber dafür die nächsten 2-3 Stunden nichts. Es gibt sogar Stillkinder, die stillen die ganze Nacht überhaupt nicht und holen sich dann alles am Morgen und über den Tag verteilt. Andere Babys wollen in der Nacht jede Stunde gestillt werden. Der Bedarf von jedem Stillkind ist da ganz individuell. Und das alles ist auch vollkommen normal.

Mein Sohn und ich sind mit 7 Monaten erst am Anfang unserer hoffentlich langen Stillbeziehung. Beikost ist hier noch kein großes Thema. Wir handhaben es da wie bei unserer Tochter und machen Baby-led weaning, also vom Baby geführtes Abstillen. Wir ersetzen keine Stillmahlzeit und führen die BEIkost eben ganz langsam nebenbei ein. Jeder in seinem Tempo.

“Food under one is just for fun.” 😉

Gehört ihr auch zu den „Langzeit“-Stillmamis? Wie war es für euch beim zweiten oder dritten Stillkind?

 

Eure Anke

Deine Meinung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.