Jeder Mensch hinterlässt seine Spuren in uns

Ob wir wollen oder nicht. Jeder Mensch, dem wir – wenn auch nur kurz – begegnen, hinterlässt Spuren in uns. In unserem Verhalten, unserer Denkweise, unserem Blick auf die Dinge. Ganz gleich, ob diese Begegnung nun positiv oder negativ war. Oftmals wird es uns erst lange Zeit später bewusst und man denkt: Das habe ich von diesem Menschen gelernt.

Es gibt viele Menschen, die auf die eine oder andere Weise mein Leben geprägt haben. Nicht jede Begegnung war schön, manche sogar gar markerschütternd schrecklich. Es gab einmal jemanden in meinem Leben, der mich in meinem Menschsein gebrochen hat. Er hat mir und meiner Seele unendlichen Schmerz zugefügt. Ich war am Boden und hätte niemals gedacht jemals wieder Licht sehen zu können. Doch dann traf ich andere Menschen, die mir und meiner Seele genau dieses Licht wiedergeben haben. Sie haben ein Feuer in mir entfacht von dem ich überhaupt nicht wusste, dass es in mir war. Sie waren für mich da. Zumindest eine Weile. Denn unsere Wege haben sich mittlerweile wieder getrennt. Aber dennoch haben all diese Menschen mein Denken und Handeln geprägt. Allem voran wurde ich mir selbst wertvoll. Etwas, dass ich bis dato so noch nicht kannte.

Seit dem sind viele Jahre vergangen. Ich denke nicht an alles gern zurück. Das meiste möchte ich nach wie vor gern verdrängen. Aber diese Spuren begleiten mich seit dem jeden Tag. Zum einen eine alte Freundin, die mir damals zu mehr Selbstbewusstsein verhalf. Am Ende war ich sogar so selbstbewusst, dass ich gut ohne sie leben konnte. Die Welt steckt manchmal voller Ironie… Und dieser „schwarze Fleck“, dem ich alles Schlechte dieser Welt wünsche, hat mir ganz genau gezeigt, wie eine Beziehung absolut nicht laufen sollte. Dennoch nagt es an mir bei der Vorstellung, ihm in irgendeiner Weise Dankbarkeit zu schulden. Denn DAS hat er sicher nicht verdient!

Vor einigen Monaten sprach mich ein junger Mann an. Er war Paketbote und gerade bei der Arbeit. Er sprach mich an, denn er erkannte mich wieder. Etwa 10 Jahre zuvor haben wir zusammen in einem kleinen Biergarten gearbeitet. Wir waren als Aushilfen in der Küche angestellt. Er erzählte mir, dass ich ihm sehr geholfen habe. Er war damals erst kurze Zeit in Deutschland und sprach diese für ihn fremde Sprache nur sehr schlecht. Ich habe mich dennoch ganz viel mit ihm unterhalten während unserer gemeinsamen Schichten. Für ihn war das scheinbar eine große Hilfe. Denn auf diese Weise hat er sehr schnell lernen können und hatte es im Nachhinein leichter bei Bewerbungsgesprächen. Ehrlich gesagt, erinnere ich mich kaum an ihn. Es ist so lange her und ich glaube, wir haben auch nur einen Sommer zusammen gearbeitet. Und dennoch hatte diese verhältnismäßig kurze Begegnung mit mir eine Spur bei ihm hinterlassen.

Ich dachte so bei mir: “Wow!”

Ich fing an genauer darüber nachzudenken, welche Personen noch auf ihre eigene Weise ihre Spuren bei mir hinterlassen haben: Von einer Bekannten habe ich übernommen, Hackfleisch mit dem Schneebesen zu rühren beim Anbraten. Dadurch wird es ganz fein und es bleiben keine dicken Fleischklumpen. Durch sie und ihren Mann wurde mir irgendwann klar, dass ich in vielen Punkten viel mutiger bin als mir bewusst war. Meine Freundin und Kollegin Esther hat mir geholfen meine Angst vor Hunden besser in den Griff zu kriegen. Mein Mann zeigte mir, wie tief Liebe gehen kann. Und ich zeigte ihm, dass es sich lohnt, wenn man aus dem sicheren Schneckenhaus herausgekrochen kommt.

Den wohl größten Einfluss auf unser Dasein haben vermutlich unsere Eltern. Schließlich begleiten sie uns unser ganzes Leben. Sie legen den Grundstein für unser späteres Dasein. Sie zeigen uns, wie wir einmal leben wollen. Wie wir mit unseren Kindern umgehen möchten. Ganz gleich, ob ihre Prägung nun gut oder schlecht war. Dennoch hinterlassen sie die größten Spuren in unserem Leben. Mein Vater übertrug seine Freude am Kochen auf mich. Draußen sein, zelten gehen. Aber ich lernte auch von ihm, dass es besser wäre, wenn man hin und wieder mal über den Tellerrand schaut. Dass man sich lieber mit Menschen umgeben sollte, die einem gut tun und nicht die schlechten Seiten pushen. Er zeigte mir leider auch, dass egal was kommt, meine Kinder für mich an erster Stelle stehen werden.

Aber den wohl größten Einfluss auf mein Handeln und Denken hatte und hat aber definitiv meine Mama. Denn sie hat mir genau das gezeigt: Ihre Kinder kommen an erster Stelle. Sie hat immer alles für uns gegeben, obgleich sie selbst nichts hatte. Sie hat meine Schwester und mich nie verurteilt oder unsere Wege in Frage gestellt oder uns jemals den Rücken zugekehrt. Meine Mama hat mir gezeigt, dass es sich lohnen kann, mutig zu sein und neue Wege einzuschlagen. Sich von Schlechtem zu trennen und Neuem zu widmen. Dass man für sich und seine Interessen einstehen kann. Auch wenn Letzteres für sie ein längerer Prozess war. Meine Mama hat jahrelang viele Abstriche machen und auf vieles verzichten müssen. Doch aus meinem Blickwindel lässt sich sagen: Es hat sich für sie gelohnt.

Wir Eltern prägen unsere Kinder am meisten. So wie wir mit ihnen umgehen, wie wir sie behandeln, wird ihr späteres Leben beeinflussen. Es wird sie ihr ganzes langes Leben lang begleiten. Es liegt an uns. Jetzt und hier. Wenn wir ihnen empathisch und auf Augenhöhe begegnen, so werden aus ihnen (hoffentlich) ebenso empathische Erwachsene. Die ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und akzeptieren, sowie die ihrer Mitmenschen, Partner und Kinder. Ich wünsche mir, dass meine Kinder gern an ihre Kindheit zurückdenken. Dass mein Mann und ich ihnen Liebe und Selbstvertrauen für ihre eigenen Wege mitgeben und sie es dann widerum weiterreichen an andere.

 

Danke, Mama. Du hast einen tollen Job gemacht. Ich bin toll geworden 😉

 

Anke

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