Ich nehme mir eine Pause

Jede Mama – und vermutlich auch der ein oder andere Papa – kennt dieses Gefühl chronischer Erschöpfung. Während sich das Baby von Entwicklungssprung zu Entwicklungssprung hangelt, kriechen wir als Eltern oft auf dem Zahnfleisch. Ein zahnendes Kind, das ständig nörgelt oder weint, geht ganz schön an die Substanz. Wie schön wäre es, wenn man hin und wieder einfach mal die Tür hinter sich zumachen könnte? Einfach mal für 5 Minuten Pause machen…

Kurz nach dem meine Tochter zur Welt kam, las ich einen Blogbeitrag über eine Mutter, deren Kinder unerzogen aufwuchsen. Die Mutter schrieb darüber, dass sie sich mehr oder weniger regelmäßig abends für etwa eine Stunde aus dem Tagesgeschehen heraus nimmt. Solange keines ihrer Kinder ein dringendes, ernsthaftes Problem habe, würde sie die Tür ihres Arbeitszimmers für ihre Sprösslinge nicht öffnen. Sie fordert diese kurze Zeitspanne für sich ein, in der sie nur für sich etwas tut. Ihre Kinder wurden während dieser Zeit vom Papa betreut. Auf diese Weise konnte sie in Ruhe ein Buch lesen, Blogbeiträge verfassen oder auf dem Handy daddeln. Aber für Pillepalle machte sie die Tür nicht auf. Zum damaligen Zeitpunkt hat mich das total erschreckt und ich dachte nur:

„Wie kann sie denn nur ihre Kinder ausschließen?!“

Ich war damals gerade erst Mutter geworden. Die bloße Vorstellung, ich würde mich auch nur für 5 Minuten von meinem Baby trennen, war der blanke Horror. Nie würde ich auch nur einen einzigen Schritt freiwillig ohne mein Kind machen wollen! Im Laufe der ersten beiden Lebensjahre wurde ich dann doch eines Besseren belehrt. Mein Kind bekam nämlich irgendwann Zähne.
Es soll ja Eltern geben, die würden gar nicht mitbekommen, dass ihre Kinder Zähne bekommen. Traumhafte Vorstellung, oder? Tja, bei meiner Tochter habe ich es mitbekommen. Vor allem als sie mit knapp 1 ½ Jahren 5 Zähne innerhalb von 5 Wochen durchdrückte. 5! FÜNF!! Alle 4 Eckzähne und der noch fehlende 4. obere Schneidezahn kamen nahezu gleichzeitig. Und ich muss zugeben, dass das die Zeit war, in der ich beschloss, ich würde gern wieder arbeiten gehen.

Wochenlang konnte ich es meinem Kind mit nichts recht machen. Wir gingen auf den Spielplatz, liefen durch den Wald oder die Stadt. Ich gab mir damals wirklich jeden Tag den Riss, um sie optimal zu bespaßen und von ihrem Leiden abzulenken. Sie konnte ja nichts für ihre Laune. Sie wusste halt nicht wohin mit ihrem Unmut über das schmerzende Zahnfleisch. Und irgendwann wusste ich nicht mehr wohin mit mir. Es war so frustrierend. Jeden Tag auf‘s Neue versuchte ich sie abzulenken und zu bespaßen. Wir haben gemalt und gebastelt oder mit selbstgemachtem Mondsand gespielt. Aber all das reichte nicht aus. Sie musste da durch und ich leider auch. Und das zehrt ungemein an den Nerven!

Wenn mein Mann dann abends von der Arbeit nach Hause kam, ging er oft direkt mit ihr raus auf den Spielplatz oder tobte gemeinsam mit ihr durch die Wohnung. Ich ging in die Küche und konnte es so richtig genießen, in aller Ruhe Abendessen zu kochen. Oder Wäsche aufzuhängen. Oder zu duschen! Ich merkte einfach, wie gut mir diese kurze Pause tat. Einfach mal kurz durchatmen zu können, während meine Tochter adäquat bespaßt wurde. Sie musste auf nichts wirklich verzichten. Wir haben lediglich Mama mit „Spaß-Dad“ substituiert.

Pausen machen für das eigene Wohlbefinden

Im Verlauf der ersten beiden Lebensjahre unserer Tochter haben mein Mann und ich gelernt, uns zu arrangieren. Jeder von beiden bekommt regelmäßig die Möglichkeit Pause zu machen, Ich-Zeit zu haben. Ohne meinen Mann wäre mir das allerdings kaum möglich. Aber jeder Mensch braucht hin und wieder mal eine Pause. Einfach eine Zeitspanne, in der man keinen Verpflichtungen nachgeht und etwas nur für sich tun kann. Ich musste mir diese Zeit allerdings einfordern. Weniger bei meinem Mann – denn der würde mir gern jeden Tag stundenlang eine Pause gönnen. Ich musste diese freie Zeit von mir selbst einfordern. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass ich mich selbst nicht vergesse. Denn ich bin mir wichtig. Ich brauche Zeit für mich, um mich selbst wieder zu sammeln. Wenn ich mir länger keine Ich-Zeit nehme, merke ich, dass ich viel leichter reizbar bin. Kleine Dinge fangen an mir viel schneller auf den Keks zu gehen. Und ich habe meinem wundervollen Kind gegenüber weniger Geduld.

Solange ich regelmäßig auch an mich selbst denke und hin und wieder eine kurze Pause vom Alltag machen kann, geht es mir gut. Ich bin widerstandsfähiger gegenüber Infekten und Multitasking fällt mir leichter. Ich bekomme Familie und Beruf viel besser unter einen Hut, wenn ich mich selbst gelegentlich entschleunige. Das klappt leider nicht an jedem Tag und auch nicht immer jede Woche, aber ich nehme mir dann diese kurze Pause ganz bewusst. In dieser Zeit tue ich irgendetwas nur für mich. Ich schaue einen Film oder klicke mich durch diverse Vlogs und Blogs im Internet. Einige Bekannte von mir nutzen ihre Ich-Zeit für Yoga oder Sport. Im Grunde ist es egal, was man tut. Solange es einem gut tut. Und ich kann die Pause auch nur genießen, wenn ich weiß, dass mein Kind in kompetenten Händen und gut versorgt ist. Wenn meine Tochter bspw. mit ihrer Tante Eis essen geht oder gemeinsam mit Papa auf dem Spielplatz ist. Sollte meine Tochter krank sein, fällt meine Pause aus. Dann kuscheln und stillen wir lieber gemeinsam auf dem Sofa. So wichtig mir meine Ich-Zeit ist, mein Kind geht immer vor <3

 

Achtet ihr auf euch selbst? Nehmt ihr euch gelegentlich Ich-Zeit?

Eure Anke

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