Haustiere: Nicht jede Art ist für Kinder gut geeignet

Meine Kinder wachsen mit Haustieren auf. Genauer gesagt mit einem Hund und einer Schlange. Während sich unsere Hündin freut, wenn die Kinder sich mit ihr beschäftigen, möchte die Schlange – eine ungiftige Kornnatter – eigentlich nur eines: Nämlich ihre Ruhe. Unsere Kinder kennen das nicht anders. Den Hund zum anfassen, die Schlange ausschließlich zum anschauen.

Da die Schlange nie ein Haustier für die Kinder war, ist das auch ok so. Bitter ist es dagegen, wenn man sich Haustiere wegen der Kinder anschafft und es dann hinterher gar nicht passt oder das Tier sich zum Feind im Käfig entwickelt.

Dabei würde sich die Enttäuschung verhindern lassen, wenn man direkt an erster Stelle nicht einen fundamentalen Fehler begangen hätte: die Wahl der falschen Tierart. Damit möchte ich jetzt keinesfalls auf irgendjemand mit dem Finger zeigen. Denn ganz oft wird man einfach super schlecht beraten. Sogar in Fachmärkten. Denn das ist halt auch die erste Stelle, an die man sich wendet, wenn man einen kleinen Wegbegleiter für sein Kind möchte. Und wie viele Meerschweinchenzüchter kennt man schon, bei denen man sich richtig beraten lassen könnte? Also ich kenne leider keinen. Und ich hatte schon so einige, verschiedene Haustiere.

Warum schreibe ich diesen Artikel? Weil es mir für die vielen Kinder Leid tut, die plötzlich Angst vor ihrem Kaninchen oder Hamster haben müssen, wenn sich das vorher liebe Tier in eine pelzige Schnapsschildkröte verwandelt. Und für die Tiere tut es mir auch Leid. Denn kein Tier beißt in der Regel einfach so (ausgenommen einige Reptilien), sondern aus ein Not heraus.

Das Problem mit der Werbung

Das ganze Problem fängt damit an, dass uns von den Medien ein völlig falsches Bild von einigen Tierarten vermittelt wird. In der Darstellung in Film und Werbung werden Kaninchen meist als plüschige, kuschelige Charaktere und Hamster als lustige, zu Späßen aufgelegte Zeitgenossen dargestellt. Ein Bild, das leider recht wenig mit der Realität zu tun hat. Gerade Hamster sind eher zum Beißen als zu Späßen aufgelegt.

Wie schlimm dieses Bild ist, das aus den Medien stammt, und wie fest das in den Köpfen sind, musste ich während der Zeit meines Studiums feststellen. Ich habe damals bei einem Biologen in dessen Reptilienfachgeschäft gearbeitet. Neben den zahlreichen Reptilienarten hatte der Laden auch Fische, viele verschiedene Nagetiere und einige Vögel im Angebot. Und mit welchen Vorstellungen da manche Menschen in den Laden kamen, war erschreckend. Trauriger Höhepunkt war jemand, der nach einem kleinen, runden Fischglas gefragt hat. So eines, welches man aus verschiedenen Zeichentrickfilmen und vielleicht Filmen von früher kennt. Darin schwimmt dann ein Fisch. Dass man darin keinen Fisch halten kann, musste ich dem Kunden dann erstmal nahebringen.

Klar, das war jetzt nur ein Negativbeispiel, dass mir im Gedächtnis geblieben ist. Und der Großteil der Mamas und Papas ist dann doch deutlich besser informiert. Aber den wenigsten ist bewusst, wie wenig sich einige gängige Nagetiere als Haustiere für Kinder eignen. Das fängt damit an, dass einige nachtaktiv sind und es nur dann was zu sehen gibt, wenn die Kinder eigentlich schlafen sollten. Weiter geht es über falsche Infos zum eigentlich benötigten Platzbedarf. Und hört damit auf, dass das Tier eigentlich am liebsten gar nicht angefasst werden möchte und nicht selten aggressiv reagiert.

Haustiere können eine echte Bereicherung für unsere Kinder sein. Oder aber der “Feind” hinter Gittern, um den man sich kümmern muss. Zu dem man sich aber irgendwann nicht mehr recht hin traut. Um euch und euren Kindern eine Enttäuschung zu ersparen, habe ich mal ein paar gängige Haustierarten zusammengetragen.

Hamster

Hamster sind prinzipiell schon tolle Haustiere. Sie brauchen nicht viel Platz und sind Einzelgänger. Man muss sich also nicht gleich eine ganze Kolonie halten, um sie glücklich zu machen. Tatsächlich sind sie sogar so territorial, dass es bei mehreren Tieren oft zu blutigen Auseinandersetzungen kommt. Leider sind sie nachtaktiv und möchten tagsüber eher nicht gestört werden. Und wer schon mal einen Hamster hatte, weiß vielleicht, dass Hamster nicht unbedingt die größten Kuscheltiere sind. Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber im Allgemeinen lassen sie sich nicht so gerne anfassen oder hochnehmen und quittieren das auch mal gern mit schmerzhaften Bissen. Und ja: Hamster können fies beißen!

Kaninchen

Erstmal eines Vorweg: die Hasenkäfige, die man so in einigen Zoohandlungen bekommt sind viel zu klein und nicht artgerecht. Wenn man bedenkt, dass Hasen einen ausgeprägten Familiensinn haben, bräuchte man mindestens zwei um sie halbwegs würdig zu halten. Und bräuchte dann noch mehr Platz. Außerdem lieben Hasen die Ruhe. Mit Trubel kommen sie nicht so gut zu recht, hochnehmen und anfassen finden die meisten Kaninchen auch nicht besonders toll. Einige von ihnen entwickeln dann nach einiger Zeit einen sehr effektiven Abwehrmechanismus: sie beißen und Kratzen. Vor allem das Kratzen, also das Schlagen mit den Hinterfüßen, kann zu unangenehmen Verletzungen führen. Dieses Abwehrverhalten von Kaninchen kann soweit gehen, dass der Hase schon beim Öffnen des Käfigs nach oben springt und versucht zu beißen. Und das ist leider kein Mythos, sondern etwas, das ich aus eigener Erfahrung erzählen kann. Für kleinere Kinder halte ich persönlich Kaninchen deshalb für eher ungeeignet. Ist das Kind älter und bringt genug Verständnis für die Bedürfnisse des Tieres nach Ruhe und nicht-geknuddelt-werden-wollen auf, kann ein Hase durchaus ein toller Freund sein.

Meerschweinchen

Für Meerschweinchen gilt im Grunde das Gleiche wie für Kaninchen. Sie brauchen eigentlich mehr Platz als ein handelsüblicher Käfig bietet und alleine möchten sie auch nicht leben. Auch wenn ein Meerschweinchen nicht so schlimme Verletzungen wie ein Kaninchen zufügen kann, kann es durchaus auch mal beißen, wenn ihm jemand zu aufdringlich wird. Und das dauert bei Meerschweinchen nicht lange. Denn sie möchten vor allem eines: in Ruhe gelassen werden. Also eher wieder ein Haustier für größere Kinder, die damit umgehen können, dass das Tier vielleicht nicht angefasst werden möchten.

Mäuse

Mäuse kann man nicht alle über einen Kamm schweren. Denn da gibt es gleich mehrere Arten, die für die Haustierhaltung in Betracht kommen. Manche mehr, manchen weniger für Kinder geeignet. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Sie möchten nicht alleine gehalten werden!

Am Bekanntesten und wohl am kindergeeignetsten sind die die weißen Mäuse, die man in jedem Zoolanden zu kaufen bekommt. Sie brauchen nicht schrecklich viel Platz und werden durchaus gern gestreichelt bzw. lassen sich gerne beschäftigen. Man muss dabei halt aufpassen, dass man die Geschlechter penibel trennt, denn sonst vermehrt sich die Party explosionsartig!! Zu erwähnen sei dabei auch noch, dass männliche Mäuse streng riechen können. Ansonsten sind es aber aber tolle Haustiere für Kinder.

Dann wären da noch Rennmäuse, die deutlich weniger müffeln als weiße Mäuse, dafür aber auch ein Vielfaches an Platz brauchen. Dafür gibt es dann aber auch eine Menge zu sehen, wenn sie durchs Gehege flitzen. Rennmäuse werden auch recht zahm, man darf nur nie den Fehler machen sie zu lange von einander zu trennen. Sonst kann es passieren, dass das arme Tier, den das Kind die letzte Stunde auf der Schulter herumgetragen hat, nicht mehr in die Gruppe zurück darf.

Ratten

Ich weiß, Ratten haben einen schlechten Ruf. Dabei sind sie ganz tolle Haustiere – gerade für Kinder. Denn Sie sind zwar nachtaktiv, aber da ich früher selbst Ratten gehalten habe, weiß ich , dass sie auch gerne mal tagsüber für ein paar Leckereien aktiv werden. Außerdem werden sie sehr zahm und sind an ihren Menschen sehr interessiert. Sie lassen sich auch gerne mal hochnehmen und streicheln. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, kann man ihnen sogar Tricks beibringen. Die Haltung ist dabei relativ unkompliziert. Sie möchten nur nicht alleine sein und brauchen ein entsprechend großes Gehege. Das muss jetzt auch nicht nur ebenerdig sein. Eine umgebaute Vogelvoliere mit mehreren Stockwerken kann ebenfalls genug Platz bieten. Wie auch bei den Mäusen sollte man darauf achten, nur gleichgeschlechtliche Gruppen zu halten. Und ja: auch hier riechen die Männchen recht kräftig!

Degus

Degus sind lustige Kerlchen, die in kleinen Gruppen gehalten werden möchten. Aufgrund ihres Bewegungsdranges benötigen sie ein recht großes Gehege. Sie klettern und rennen gerne, das Gehege sollte also auch entsprechend gestaltet sein. Und noch eines sollte man unbedingt wissen, bevor man sich Degus anschafft: Sie sind Nagetiere! Ja, ja, ich weiß, das wusstet ihr bereits. Aber ich sags nochmal: NAGETIERE! Und es ist erschreckend, was sie alles kleinkriegen können und in welcher Zeit!! Während Mäuse und Ratten mal hier und da Nagen und mit der Zeit die Dinge klein beißen, schaffen das Degus schneller als man schauen kann. Das ist wirklich beeindruckend! Plastikgehege hat den Zähnen absolut nichts entgegenzusetzen. Wenn es blöd läuft, ist es innerhalb einer Nacht durch genagt. Ich habe damals die Kanten des Geheges mit Aluminiumleisten geschützt. Und sogar das hat mit der Zeit nachgegeben und musste ersetzt werden. Am geeignetsten sind große Vollieren oder umgebaute Terrarien.

Hat man den Platz, sollte man daran denken, dass Degus vorwiegend nachtaktiv sind. Ihnen beim Rennen und Klettern zuzuschauen ist lustig, leider sind sie dabei auch recht laut. Und das dann auch nachts. Denn sie schrauben ihren Geräuschpegel wegen schlafender Kinder nicht herunter. Hat man selbst oder das Kind einen leichten Schlaf, sollte man es sich gut überlegen, ob Degus die richtige Wahl sind. Stören einen die Geräusche nicht, sind Degus ganz tolle Haustiere, auch für Kinder. Denn es gibt immer eine Menge zu sehen und sind die Degus erst mal zahm, sind sie an menschlicher Interaktion auch nicht ganz uninteressiert.

Vögel

Meiner Meinung nach sind Vögel als Haustiere für Kinder ungeeignet. Zuerst mal, weil der Platzbedarf bei vielen Arten deutlich höher ist, als handelsübliche Käfige bieten. Je nach Art braucht das Tier einen Partner oder eine Gruppe. Aber mal ganz von der artgerechten Haltung abgesehen, sind Vögel in der Regel eigentlich keine Tiere zum Spielen, Anfassen oder Kuscheln.

Reptilien

Das Thema möchte ich nur kurz anschneiden. Denn der Begriff Reptilien ist so weitläufig wie der Begriff Säugetiere. Eins haben alle aber gemeinsam: Es sind Tiere zum Anschauen, nicht zum Anfassen. Und dabei rede ich ausdrücklich nicht von giftigen Arten, die fallen ja kategorisch raus. Es gibt zahlreiche gängige, ungiftige und auch völlig harmlos Arten, wie Leopardgeckos, Bartagamen und Kornnattern, die unkompliziert und mit wenig Platz schon gehalten werden können. Sie sind trotzdem ungeeignet für Kinder, weil sie nicht mit dem Menschen interagieren und auch keine persönliche Bindung aufbauen. Sie möchten weder angefasst, noch aus ihrem Gehege genommen werden. Gibt sich das Kind aber nur mit Anschauen zufrieden, haben viele Reptilien (insbesondere Schlangen) den Vorteil, dass sie auch für Allergiker geeignet sind.

Hunde und Katzen

Hunde und Katzen sind die Klassiker, wenn es ums Thema Haustiere geht. Und sie begleiten die Menschen schon so lange, dass sie nicht nur an unsere Lebensweise angepasst sind. Sie tun es auch noch freiwillig und gerne. Der Haken an der Sache: Hunde und Katzen brauchen unter Umständen viel Platz in der Wohnung und vor allem viel Zeit. Beide kann man nicht lange alleine lassen und brauchen ihre Bezugspersonen. Ist man also häufig auf Reisen, sollte man sich im Vorfeld gut überlegen, ob ein Hund oder eine Katze zum Lebensstil passt.

Während bei Katzen die Wahl der Rasse eher nicht so entscheidend ist, ist sie das beim Hund sehr wohl. Denn da gibt es bei Hunden gewaltige Unterschiede. Aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen. Einen Artikel zum Thema Haustier Hund gibt es nächste Woche.

 

Welche Haustiere habt ihr? Habt ihr die für euch richtige Wahl getroffen oder seid ihr schlecht beraten worden?

Ich freue mich auf eure Kommentare!

Eure Esther

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