Gärtnern auf dem Balkon

Wer träumt nicht davon, sein eigenes Gemüse anzubauen? Gemüse, Obst oder Kräuter frisch ernten und direkt zubereiten. Karotten, die ein herrlich erdiges Aroma haben. Tomaten, die nach Tomaten und nicht nach Wasser schmecken. Knackige Radieschen, die gerade eben noch in der Erde verwurzelt waren und schon mit Dressing als Salat auf den Tisch stehen. Für mich ist das ein kleiner Traum. Und seit einigen Jahren erfülle ich mir ihn auch selbst – auf meinem Balkon.

Seit über 10 Jahren lebe ich nun schon in der Innenstadt. Als Kind vom Land fehlte mir lange Zeit üppiges Grün um mich herum. Klar, es gibt Parks und Grünstriche. Aber das ist in keiner Weise vergleichbar mit satten, blühenden Wiesen, die umsäumt sind von wilden Sträuchern! Als ich dann irgendwann in eine Wohnung mit Balkon zog, sah ich schnell eine Chance darin, mir eine kleine, grüne Oase zaubern zu können. Ich wollte mir ein bisschen Kindheit auf meinem Balkon zurückholen.

Ich habe damals ganz klassisch mit ein paar Blumenkästen angefangen. Darin pflanzte ich alle möglichen Blumen als Bienenfutter an. Aber auch einige Küchenkräuter wie Thymian, Rosmarin und Pfefferminze eignen sich hervorragend als Bienenfutter, wenn man sie blühen lässt. Im Laufe der Zeit habe ich das Repertoire an Küchenkräutern um Majoran und Oregano erweitert.

Pflege

All diese Kräuter haben bei mir die letzten 3-4 Winter überlebt. Ich habe die Kräuter allerdings nicht besonders geschützt, sondern schlichtweg vergessen. Und dann dachte ich mir: wenn sie den Winter auf dem Balkon überleben, überleben sie alles! Im Frühjahr machte ich dann einen radikalen Rückschnitt (außer beim Rosmarin) und bisher trieb alles immer wieder aus. In regelmäßigen Abständen lockere ich die Pflanzenerde auf oder ersetze sie teilweise durch neue Erde. Durch den Regen verdichtet sich nämlich im Laufe der Zeit die Erde und wird zunehmend fester und am Ende hat man einen undurchdringlichen Brocken im Blumenkasten. Auch unerwünschte Pflanzen zupfe ich regelmäßig aus. Auf diese Weise macht sich nichts weiter breit außer den Kräuterpflanzen. Aber auch in den anderen Pflanzschalen und Töpfen lockere ich die Erde. Man sollte allerdings dabei beachten, dass man die Wurzeln der Nutzpflanzen nicht beschädigt.

Was kann man anbauen?

Neben meinen Küchenkräutern pflanze ich seit einiger Zeit auch Cocktailtomaten, Erdbeerspinat, Paprika, Radieschen, Erdbeeren oder Mexikanische Minigurken an. Letztere sind zwar bei mir nicht sehr ertragreich gewesen, aber die etwa olivengroßen Gurken haben ein tolles Aroma und sehen dekorativ aus. Auf meinem Balkon steht eine ausrangierte Badezimmergarnitur aus Metall, die ich vor einigen Jahren auf dem Flohmarkt günstig erstanden habe. Auf dem ehemaligen Waschbeckenunterschrank steht eine große Pflanzkiste aus Kunststoff. In diesem Jahr wachsen dain ein paar Cocktailtomaten. Auf der unteren Etage sammeln sich allerlei leere Blumentöpfe, die auf ihre Verwendung warten. Daneben steht das hohe Metallregal. Ich habe ein paar der Glasböden herausgenommen. Ganz oben steht ein kleiner Blumenkasten mit Ringelblumen. Darunter hängt eine Ampel mit Erdbeerpflanzen und darunter steht ebenfalls ein alter Putzeimer in dem ich Erdbeeren angepflanzt habe. Auf dem Fensterbrett stehen Pflanztöpfe mit Rankpflanzen und Wildblumen, die auch als Futter für Bienen und Hummeln dienen. Daneben steht ein Stuhl auf dem noch eine Pflanzkiste steht. In den vergangenen Jahren wuchsen darin Radieschen oder Erdbeeren. Und nun sind es ein paar Snackpaprika, also Paprikapflanzen mit kleinen Früchten. Vor 2 Jahren habe ich mal Kartoffeln in einem der alten Putzeimer gezogen. Dafür befüllt man den Eimer etwa zu 2/3 mit Erde und steckt eine vorgekeimte Kartoffel hinein. Sobald die Kartoffel austreibt und erste Blätter bildet, gibt man noch etwas Erde hinein. Je nach Sorte kann man etwa 1 Kilo Kartoffeln aus einer einzigen Kartoffel ziehen. Die Knollen sind erntereif, wenn das Grün abgeblüht und vertrocknet ist.

Achtung!

Man kann nicht auf jedem Balkon unbegrenzt anbauen! Das Gewicht der Pflanzen und vor allem der Erde drückt natürlich auf die die Fläche des Balkons. Je nach Bauart des Balkons, Alter bzw. Qualität der Bausubstanz, kann ein überfüllter Balkon abbrechen. Bei 6 Blumentöpfen passiert das nicht so schnell. Wenn man sich aber eine riesige Pflanzsäule mit 400 Liter Erde auf den Balkon stellen möchte, kann das durchaus nach hinten (bzw. unten) losgehen!

Eine grüne Oase für alle

Mein Balkon ist leider nicht sehr groß. Früher stand darauf ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen. Doch seit dem ich nicht mehr rauche, habe ich mich nicht sehr oft auf dem Balkon aufgehalten. Daher fiel es mir leicht den wenigen Platz möglichst optimal für den Anbau zu nutzen. Ich arbeite mich dabei eher in die Höhe, weil auf dem Boden zu wenig Platz ist und dort auch die Sonne nicht hinkommt. An sehr warmen Tagen stelle ich unser kleines Plantschbecken auf den Balkon. So kann meine Tochter sich etwas abkühlen und hat noch Spaß dabei. Und mein Wäscheständer passt im Sommer auch noch darauf.

Als Mama ist es mir persönlich wichtig, dass mein Kind versteht, wo Obst und Gemüse herkommen. Das es nicht selbstverständlich ist, dass Gurke, Apfel & Co. einfach im Supermarkt darauf warten gekauft zu werden. Durch den Anbau auf unserem Balkon kann sie unmittelbar dabei sein, wenn die Pflanzen blühen, von Insekten bestäubt werden und anschließend die Früchte reifen. Wir können ihr auf diese Weise erklären, wie sie reife und unreifen Früchten unterscheiden kann. Und sie lernt wie wichtig Bienen und andere Insekten für unsere Umwelt und unser Leben sind. Am 20. Mai ist Weltbienentag. Dieser Tag wurde geschaffen, um weltweit auf den fatalen Rückgang des Bienenbestandes hinzuweisen. Bienen, Hummeln und andere Nutzinsekten sind für unser Leben unabdingbar. Sie sichern unsere Nahrung und damit auch unseren Fortbestand als Menschheit. Ohne Bienen gibt es kein Leben. Jeder von uns kann einen kleinen Beitrag leisten, damit sich der Bestand der Bienen und anderer, nützlicher Insekten wieder erholt. <3

 

Eure Anke

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