Freunde kommen und gehen, aber du bleibst

Mir war nie wichtig viele Freunde um mich herum zu haben. Entscheidend waren 2-3 enge Freunde, mit denen ich alles teilen konnte. Der Rest war Bonus. Ansonsten hatte ich immer einen großen Pool an Bekannten. Lustige, interessante und liebe Menschen, mit denen ich mich gern traf und unterhielt.

Im Großen und Ganzen waren meine 20er eine Art Selbstfindungstrip. Ich habe fast die gesamte Dekade benötigt, um zu mir selbst zu finden. In dieser Zeit traf ich unzählige Menschen, die allesamt auf ihre eigene, spezielle Weise dazu beigetragen haben, dass ich nun bin wie ich bin. Von vielen habe ich ein Stück mitgenommen und einige andere nahmen große Teile von mir mit, so dass ich lange Zeit gebraucht habe, um mich selbst wieder zusammenzusetzen. Ironischerweise stellte sich im Nachhinein heraus, dass diese fehlenden Teile eher Ballast waren. Denn aus all dem ging ich stärker und selbstbewusster hervor.

Das führte letztendlich auch dazu, dass ich mich nicht mehr mit Menschen umgeben wollte, dir mir mit ihrer Art einfach nicht gut taten. Es gibt Menschen, die schaffen es, dass man sich einfach immer irgendwie etwas schlechter, minderwertiger fühlt. Als wäre man dumm. Sie erzählen einem die tollsten Dinge, die man selbst gern hören möchte und stoßen dich im nächsten Moment vom Treppenabsatz.

Respektvoller Umgang auf Augenhöhe

Ja, solche „Freunde“ hatte ich auch. Aufgrund dieser Erfahrungen bin ich mittlerweile sorgsamer bei der Auswahl meiner Freunde. Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die mich annehmen wie ich bin. Menschen, die wissen, dass ich zu viel und meist auch zu laut rede und ein totaler Quatschkopf bin! Ich bin ein ehrlicher Mensch und eine treue Seele. Ich würde nahezu alles für meine Familie und Freunde tun. Nein, besser ohne Konjunktiv: Ich tue nahezu alles für meine Familie und Freunde. Und ich bin dankbar, dass ich Menschen in meinem Kreis habe, die ganz genau so sind. Es herrscht bestimmt nicht jeden Tag eitel Sonnenschein. Aber ich kann mich darauf verlassen, dass sie auch morgen noch da sind.

Für mich ist wichtig, dass ich mich mit Menschen auf Augenhöhe unterhalten kann. Dass mein Gegenüber mich nicht von oben herab behandelt und mir ständig das Gefühl gibt, ich sei weniger wertvoll. Ich kann nicht mit Menschen umgehen, die ihren Partner oder ihre Partnerin schlecht behandeln. Mir ist bewusst, dass es deren Beziehung ist und nicht meine eigene. Aber was sagt es über diese Menschen aus, wenn sie sich derart respektlos ihrem Lebenspartner gegenüber verhalten. Wenn sie die Bedürfnisse der Partnerin ignorieren, weil sie nicht so wichtig sind, wie das eigene Anliegen. Unfreundlicher Umgangston und keine besonders liebevolle, gleichberechtigte Beziehung…

Mittlerweile halte ich mich von so einem negativen Umfeld fern. Ich möchte auch nicht, dass meine Tochter in so einem Umfeld aufwächst. Mein Mann und ich leben ihr einen respektvollen Umgang miteinander vor. Natürlich diskutieren wir die eine oder andere Sache auch schon mal etwas intensiver. Aber niemals werden wir beleidigend, respektlos oder werten den anderen ab. Ich möchte so nicht behandelt werden, mein Mann möchte so nicht behandelt werden und auf gar keinen Fall möchten wir, dass unser Kind so behandelt wird.

Prioritäten ändern sich

Ich bin dankbar für meine Freunde, die seit fast 10 Jahren immer noch Teil meines Lebens sind. Die für mich da sind und mein vollstes Vertrauen genießen. So wie ich mich selbst entwickelt und verändert habe in dieser Zeit, haben sich auch meine Prioritäten im Leben geändert. Was mir vor 10 Jahren noch so unendlich wichtig erschien, ist heute nahezu nichtig. Andererseits konnte ich mir mit Anfang 20 auch noch nicht vorstellen, dass das Leben, dass ich mit Anfang 30 führe, mich tatsächlich glücklich macht und ausfüllt. Ich muss keinen Kompromiss schließen oder verzichten, denn ich habe alles, was ich für mein Seelenheil brauche und mich glücklich macht.

Jeder Mensch ist wertvoll und jeder Mensch zählt. Jeder Mensch hat es verdient, mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Man sollte immer gut auf sich achten, denn man muss mit sich selbst ein Leben lang leben können. Freunde kommen und gehen. Doch man selbst wird immer da sein. So wie sich die eigenen Ansichten im Laufe der Zeit ändern, ändert sich eben auch der Personenkreis um einen herum. Was für den einen plötzlich von großer Bedeutung ist, kann der andere vielleicht nicht nachvollziehen. Und so lebt man sich eben manchmal auseinander.

Danke, Esther!

Umso mehr weiß ich es zu schätzen, dass Esther nach all den Jahren immer noch Teil meines Lebens ist. Denn wenn man Mama wird, ändert sich von einem Tag auf den anderen so einiges. Glücklicherweise hat sich herausgestellt, dass wir beide einen bindungsorientierten Umgang mit unseren Kindern bevorzugen. Auch teilen wir die Ansichten in Bezug auf Familienbett, Stillen und Tragen. Wir beide handeln zwar sehr ähnlich, aber jede für sich macht es dann doch ein klein wenig anders. Sie ist sie und ich bin eben ich. Wir beide mussten während der Schwangerschaft oder in der ersten Zeit mit Kind langjährige Freunde ziehen lassen. Die einen hatten noch keine Kinder und die anderen wollten nie welche. Sie konnten nicht nachvollziehen, wie es ist, wenn man plötzlich für einen kleinen Menschen verantwortlich ist. Durchzechte Partywochenenden wichen Windeln und Spielplatzbesuchen. Es ist nachvollziehbar, dass da nicht jeder mitziehen möchte. Und so ändern sich eben die Prioritäten im Leben und schaffen Platz für neue, gleichgesinnte Freunde. Wenn man es zulässt… 😉

 

Eure Anke

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