Erstausstattung: Was man für ein Baby angeblich so benötigt

Auf die Geburt des ersten Kindes zu warten, ist wohl so ziemlich die aufregendste Zeit. Alles ist so neu und unbekannt und irgendwie spannend. Es ist aber auch leider oft eine Zeit der Ängste. Gerade beim Thema Schwangerschaft und Geburt herrscht ein ungemeiner Druck auf die werdende Mutter. Aber auch auf das noch ungeborene Kind. Das fängt bei ärztlichen Untersuchungen an und hört bei der Erstausstattung auf.

Sind alle Werte perfekt in der Norm oder gibt es Abweichungen? Ist das Baby zu groß, zu klein, zu schwer? Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt? Einleiten oder warten? Ich persönlich fand des psychischen Druck während meiner ersten Schwangerschaft damals unerwartet hoch. Darauf hatte mich niemand vorbereitet. Gerade beim Thema Schwangerschaftsdiabetes wurde mir viel Druck gemacht. Am Ende war das völlig unnötig. Wie so vieles andere vermutlich auch.

Ihr dürft das nicht falsch verstehen, ich bin dankbar für eine gute medizinische Versorgung rund um die Schwangerschaft. Aber es werden leider auch sehr viele Ängste bei der werdenden Mutter geschürt rund um das Leben ihres ungeborenen Kindes. Ängste, die man mittels Geld in Form von weiteren Untersuchungen versucht zu besänftigen.

 

Vom Regen in die Traufe

Leider endet das Spiel mit dem Angst-Rädchen nicht mit der Entbindung. Auch auch nach der Geburt wird damit fröhlich daran weitergedreht. Gerade die Werbung suggeriert frisch gebackenen Müttern oft, was sie denn nicht alles an Erstausttattung so bräuchten, damit ihr Baby optimal versorgt ist. 1000 verschiedene Cremes, Puder und Superabsorber-Windeln für einen langanhaltend trockenen Babypopo. Unzählige Badezusätze, damit das eigene Kind ja frisch duftet und bloß nicht nach sich selbst riecht. Einmal-Waschlappen, Feuchttücher und Wattepads, um den empfindlichen Babypopo sanft zu reinigen. Der neueste Trend dabei: sogenannte Waterwipes, also Feuchttücher, die zu 99% mit Wasser getränkt sind und ein Spritzer Reinigungslotion enthalten. Sie werden für teuer Geld angeboten und vermitteln Eltern das Gefühl, sie würden nun viel weniger schädliche Stoffe an die Haut ihres Babys bringen. Es sind und bleiben aber einfach nur nasse Lappen…

Vor der Geburt meines ersten Kindes habe ich mir auch eine große Ladung Feuchttücher angeschafft. Eine Packung Einmal-Wickelunterlagen bekamen wir von einer Freundin geschenkt. Ich stellte allerdings sehr schnell fest, dass wir nichts davon wirklich gebraucht haben. Die Wickelunterlagen habe ich dann weitergeben und die letzten 2 Packungen der damals gekauften Feuchttücher habe ich im Rahmen unseres Umzug kürzlich weggeworfen. Sie lagen nun aber auch schon fast 3 Jahre ungenutzt rum. Stattdessen haben mein Mann und ich einfache Baumwollwaschlappen für die Reinigung benutzt. Egal, ob wir nun Zuhause oder unterwegs waren. Ein paar feuchte Lappen hatten wir immer in einer Brotdose dabei. Die hat auch nicht mehr Platz weggenommen als eine handelsübliche Packung Feuchttücher. Und die benutzten Lappen kamen einfach in eine Nasstasche (oder auch Wetbag) und später landete alles mit den Stoffwindeln in der Waschmaschine. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich auf diese Weise mehr Arbeit hatte. Und ich konnte sicher sein, dass keine Schadstoffe an den Popo meines Babys gelangen.

Für die Feuchttücher:

  • Baumwollwaschlappen
  • eine gut verschließbare Brotdose
  • Kokosöl oder Mandelöl
  • ein Spritzer Waschgel (bei Bedarf)
  • ca. 100-200 ml heißes, abgekochtes Wasser

Faltet euch die Baumwolllappen so, dass ihr sie später gut einzeln aus der Dose entnehmen könnt. Je nach dem wie lange ihr unterwegs seid mit eurem Kind, benötigt ihr 6-12 Lappen. Die Menge an heißem Wasser hängt davon ab, wie viele Lappen ihr benutzen möchtet und wie dick diese sind. Mit der Zeit bekommt ihr aber ein gutes Gefühl für die Menge.

Gebt das Wasser in eine Tasse und fügt dann etwa ½ EL Kokosöl oder Mandelöl. Rührt solange bis sich das Kokosöl aufgelöst habt. Wenn ihr möchtet, könnt ihr dem Öl-Wassergemisch einen Spritzer Baby-Waschgel hinzufügen. Auf diese Weise bildet sich durch das Umrühren eine Emulsion, die sich gleichmäßiger verteilen lässt. Gebt zum Schluss einfach den Inhalt der Tasse in die Brotdose direkt auf die trockenen Lappen. Deckel zu und fertig. Im Laufe der Zeit kühlen die Tücher ab und die Flüssigkeit wird gleichmäßig von den Baumwolllappen aufgesogen.

Die Werbung hört allerdings nicht bei der Pflege des Neugeborenen auf. Das ist ja quasi nur die Spitze des Konsum-Eisberges. Hightech-Fläschchensauger mit ergonomischen Irgendwas, anatomisch nachempfundene Nuckel, spezielle Riegel und Getränkepulver für stillende Mütter, unglaublich teure Flaschennahrung und zig Sorten matschiger Babybrei aus dem Glas. Trauriger Spitzenreiter ist dabei wohl das völlig überteuerte Baby-Mineralwasser in 0,5 L PET Flaschen. Einziger Unterschied zu normalem Wasser: der Preis.

All das soll uns Müttern sagen: „Keine Sorge, wir sorgen für dein Kind.“

Als wäre man selbst zu blöd dazu! Nicht falsch verstehen, auch als überzeugte Stillmama finde ich es gut, dass man im Notfall auf Muttermilchersatznahrung zurückgreifen kann. Aber einer Frau zu vermitteln, dass das industriell hergestellte Ersatzprodukt „genau so gut“ sein soll, wie Muttermilch… naja… als hätten Jahrtausende der Menschheitsentwicklung nicht stattgefunden, weil die Natur auf die Industrialisierung warten musste.

Ebenso finde ich es toll, dass es ganz wundervolle Wundsalben für gerötete Babypopos gibt. Aber anstatt einfach mal Luft an die Haut zu lassen, soll man am besten sofort und rund um die Uhr den Popo zukleistern. Es gibt viele altbewährte Hausmittel, wenn der Popo mal rot wird. Gerade bei Zahnungsstuhl oder Beikosteinführung kann so etwas schnell passieren, wobei jedes Kind darauf anders reagieren kann. Schwarztee oder Heilwolle können da wahre Wunder wirken.

Hilfe durch Schwarztee:

Ihr kocht einen kräftigen schwarzen Tee – also etwa 3 Teebeutel für eine Kanne. Bitte achtet darauf, dass der Tee nicht aromatisiert ist. Ihr könnt den Tee in einer Thermoskanne geben, so hält er den ganzen Tag angenehm warm. Ihr solltet den Sud allerdings nicht länger als 24 Stunden nutzen, da sonst Gefahr einer Kontamination besteht. Wenn der Tee dann abgekühlt ist, verteilt ihr etwas davon mit einem Lappen auf den geröteten Babypopo auf. Wartet kurz damit der Tee ein wenig antrocknen kann, bevor ihr die Windeln anlegt. Es kann passieren, dass sie die Haut durch den Tee leicht gelblich verfärbt. Das geht allerdings nach kurzer Zeit wieder weg. Ihr könnt die Prozedur mehrmals täglich wiederholen.

Der Schwarztee trocknet die Haut etwas aus. Er sollte nicht auf intakte Hautstellen aufgetragen werden, da diese dadurch rissig werden können.

Aber Achtung: Bei einer richtigen Windeldermatitis solltet ihr unter Umständen euren Kinderarzt mal drauf schauen lassen!

Jetzt, da wir unser zweites Kind erwarten, bin ich in vielerlei Hinsicht entspannter. Unsere Erstaustattung fällt dieses Mal viel kleiner aus. Zudem haben wir ja noch einiges von unserer großen Tochter. Ich stehe auch nicht mehr vor überfüllten Babykosmetikregalen und ich lege mir auch keinen Jahresvorrat an Windeln oder Feuchttüchern an. Selbst unserer fast 3-jährigen Tochter wische ich mit einem stinknormalen Waschlappen den Popo ab. Ohne Gedöns und ohne überquellenden Mülleimer. Ich höre mehr auf mein Bauchgefühl und weniger auf die Werbung. Obwohl wir keinen der gutgemeinten Ratschläge aus der Werbung angenommen oder gar umgesetzt haben, lebt unser Kind noch. Es ist sogar sauber und glücklich. Naja, so sauber Kleinkinder eben nun mal sein können 😉

 

Wie handhabt ihr das? Seid ihr eher „Team Selbermachen“ oder kauft ihr lieber alles fertig im Drogeriemarkt?

Eure Anke

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