Elternzeit – keine leichte Entscheidung

Ich hätte früher niemals gedacht, dass mir das Thema Elternzeit so schwer fallen würde. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Und ich habe irgendwie das Gefühl, egal wie man sich entscheidet, es ist verkehrt. Und am schwersten fällt mir, die richtige Zeitspanne zu wählen. Ich muss sie festlegen, auch wenn ich noch überhaupt nicht absehen kann, wie es mit meinem Kind so läuft.

Mein erstes Kind kam im Frühjahr 2016 zur Welt. Ich war damals fest überzeugt, dass ich schon nach wenigen Monaten wieder arbeiten gehen würde. Nicht weil ich unbedingt wollte, sondern weil ich glaubte zu müssen. Ich konnte doch nicht einfach „arbeitslos“ sein und bei meinem Kind rumhocken… Sehr schnell wurde mir aber bewusst, dass das gar nicht möglich war. Ich konnte mich nicht von meinem Baby trennen. Und meine Tochter brauchte mich. Schließlich war ich ihr sicherer Hafen, ihre Nahrungs- und Wärmequelle. Wie hätte ich mein kleines Baby zu dem Zeitpunkt in fremde Hände geben können?

Schlussendlich war ich 1,5 Jahre Zuhause. Meine Tochter konnte laufen, sprechen und stand an der Schwelle zum Trocken werden. Das war für mich der Zeitpunkt, an dem ich weder arbeiten ging. Auch wenn ich gern noch länger bei ihr geblieben wäre, aus finanzieller Sicht kamen mein Mann und ich um diesen Schritt aber nicht mehr länger herum. Die Eingewöhnung in die Krippe lief sehr gut und unsere Tochter schien sich schnell dort wohl zu fühlen. Gerade Letzteres erleichterte mir diesen Weg ungemein. Die Erzieher waren sehr nett und zeigten viel Verständnis. Und unsere Stoffwindeln waren auch kein Problem. Sogar der Mittagsschlaf klappte nach kurzer Eingewöhnung problemlos. Und so ging ich wieder arbeiten.

Seit Kurzem sind wir nun Eltern von zwei ganz wundervollen Kindern. Unsere große Tochter hat sich so toll entwickelt. Mittlerweile geht sie in den Kindergarten. Anfangs hatte ich deswegen ein paar Bedenken. Ich hatte Angst, meine Tochter würde zwischen den großen Kindern untergehen. Offensichtlich war das alles vollkommen unbegründet. Denn – scheinbar ganz die Mama – besitzt meine Tochter eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein. Sie weiß sich sehr wohl gegen die 5-Jährigen zu behaupten und tut ihre Meinung auch lautstark kund. Außerdem erzählt sie Jedem ganz stolz von ihrem kleinen Bruder. Sie liebt ihn so sehr und schenkt ihm immer wieder Umarmungen und Küsse. In solchen Momenten könnte ich platzen vor Liebe! Und ich bin unbeschreiblich stolz auf meine Tochter, dass sie so toll mit ihrem Bruder umgeht. <3

Jetzt musste ich mich aber wieder im Vorfeld für die Dauer meiner Elternzeit entscheiden. Schließlich möchte mein Arbeitgeber ja wissen, wann ich wieder komme und wie lange sie meine Stelle anderweitig besetzen können. Immer diesen Entscheidungen… Dabei kann ich doch zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht wissen, wie es mit meinem Sohn in nächster Zeit so laufen wird. Gut, die Elternzeit könnte ich ggf. auch noch verlängern. Aber eben nicht das Elterngeld. Und auf Geld sind meine Familie und ich nun mal angewiesen. Vor allem, weil wir ja vor wenigen Monaten in eine größere Wohnung gezogen sind. Mein Mann kann uns alle 4 nicht alleine tragen. Zumindest nicht auf Dauer.

Wir haben uns gemeinsam entschieden, dass ich dieses Mal nur 1 Jahr Elternzeit nehmen werde. Es wären auch 2 Jahre theoretisch möglich. Allerdings nur mit sehr vielen Einschränkungen. Und unser Auto dürfte nicht eine Reparatur benötigen in dieser Zeit. Das Risiko war uns einfach zu hoch. Also nehme ich dieses Mal leider nur 1 Jahr Elternzeit. Dafür wollen wir aber versuchen noch ein weiteres halbes Jahr um die Fremdbetreuung herumkommen. Für mich persönlich erscheint 1 Jahr einfach zu früh, um mein Kind in fremde Hände zu geben. So freundlich und kompetent sie auch sein mögen. Ich möchte im Vorfeld mit meinem Arbeitgeber meine zukünftigen Schichten festlegen. Zumindest bis mein Sohn dann in die Krippe gehen wird. Das bedeutet vermutlich für mich, vermehrt Schichten am Wochenende einlegen zu müssen. Währenddessen kann aber mein Mann auf unsere beiden Kinder aufpassen.

Gerade beim Thema Elternzeit scheint es egal zu sein, wie man sich entscheidet. Irgendeiner verliert quasi immer. Entweder bleibt man ganz lange Zuhause, macht aber finanziell unter Umständen große Abstriche. Oder man geht bereits nach kurzer Zeit wieder arbeiten, verliert aber wertvolle Zeit mit seinem Kind. Leider kann es sich nicht jede Familie leisten, seine Kinder selbst zu betreuen. Auch wenn ich es mir manchmal sehr wünsche. Ich liebe meine Arbeit, aber ich liebe meine Kinder eben mehr. Und ich wünschte, dass Geld würde nicht so eine dominante Rolle im Familienleben spielen. Ich wünschte, ich hätte viel mehr Zeit mit meinen Kindern. Wir haben als Eltern ja nur diese vergleichsweise kurze Zeitspanne, in der wir unsere Kinder mit Nähe und Liebe so richtig ausgiebig verwöhnen können, ehe sie ausziehen und ihr eigenes Leben leben.

Herzlichst,

eure Anke

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