Die Schimpfwörter? Die hat mein Kind von mir!

Kinder sagen so süße Dinge, wie Mama und Papa oder Wauwau. Sie verwechseln Silben oder Buchstaben, wodurch das Gesprochene wahnsinnig lustig oder auch total niedlich klingen kann. Meine Tochter sagt z.B. Banne für Badewanne – nicht zu verwechseln mit Bane, was Banane bedeutet. Kinder sagen so tolle Dinge. Vor allem aber sagen sie eines: Alles, was Mama oder Papa sagen und dazu gehören leider auch Schimpfwörter.

Mit ihren knapp 2 Jahren ist meine Tochter im allerbesten Nachplapper-Alter. Sie sagt Baby gessen, weil ich sie jeden Tag frage, was sie denn in der Kinderkrippe gegessen hat und sie mir daraufhin berichtet, dass das Baby etwas gegessen hat. Mein Kind kann fleißig alle ihre Körperteile benennen und etliche Tiere unterscheiden. Und mein Kind kann fluchen. Leider bin ich in dieser Hinsicht kein gutes Vorbild für meine Tochter. Denn ich fluche leidenschaftlich gern und auch nicht selten recht lautstark. Andere Autofahrer mit hirnlosen Fahrmanövern entlocken mir regelmäßig ein Volldepp oder Idiot. Will mir etwas einfach nicht gelingen, schallt schon mal ein Shit oder Verfluchte Kacke durch den Raum. Für jede Lebenslage finde ich einen passenden Fluch, der mir dann auch prompt gedankenlos über die Lippen huscht.

Ich bin wirklich keine Cholerikerin, ich schreie auch nicht rum. Aber ich fluche eben sehr viel. Hin und wieder versuche ich diese Schimpfwörter mit etwas Harmlosen zum substituieren: Schei…benkleister! Aber leider funktioniert das im Eifer des Gefechts nicht immer. Schließlich habe ich jahrelang frei vor mich hin fluchen können, ohne mir je Gedanken darüber machen zu müssen, ob mir das jemand nachplappert. Bis jetzt. So ein Sch***! Ich kann meinem Kind noch nicht mal böse sein oder sie tadeln, wenn sie Schimpfwörter benutzt. Denn ich lebe ihr das Ganze ja vor! Wobei ich sagen muss, dass ich nie so richtig fiese Schimpfwörter benutze! Also wie nun damit umgehen? Ich lasse meine Tochter einfach mal machen. Bisher versteht sie die Bedeutung dieser Worte noch nicht. Sie weiß nicht, was Schimpfwörter sind. Ich bin auch nicht gerade in der besten Position, um sie davon abzuhalten. Zudem finde ich, dass es auch immer noch ein Unterschied ist, ob ich vor mich hin fluche oder jemanden direkt und persönlich beleidige.

Als ich mich kürzlich im Garten mit einem alten Rosenbusch abkämpfte, weil er sich einfach nicht ausbuddeln lassen wollte, sind mir so einige Flüche rausgerutscht. Blöderweise stand meine Tochter dicht daneben und ahmte mich dann nach indem sie mit ähnlich mürrisch-knurrenden Lauten durch den Garten lief. Sie fand es viel mehr amüsant, weil Mama so lustige Geräusche und Laute von sich gab. Und wenn Mama das macht, dann ist das gut und richtig und dann kann das Tochterkind das auch machen. Es waren auch weniger richtige Schimpfworte als der Tonfall bzw. Duktus, den sie kopierte. Eine Freundin erzählte mir kürzlich, dass ihr Kind wenige Tage zuvor auf dem überfüllten Spielplatz freudestrahlend um das Klettergerüst rannte und dabei gut 5 Minuten lang in einer Tour Scheiße, Mist, verdammt im fröhlichen Wechsel rief.

Das sind die Momente, in denen wir besonders stolz sind auf unsere Kinder. Und noch vielmehr auf unsere eigenen Fähigkeiten als verantwortungsbewusste Eltern. Ich wäre manchmal wirklich gern eine Mutter, die immer die Contenance behält, der nie Schimpfwörter über die Lippen kommen. Aber so bin ich nun mal nicht. Viel wichtiger ist mir, dass ich authentisch bin. Dass ich ICH bin und mich nicht wie ein Fähnlein mit dem Wind drehe. Ich kann von meinem Kind nichts verlangen oder erwarten, dass ich selbst nicht leisten kann. Also akzeptiere ich, dass meines kleines Mädchen sehr wahrscheinlich irgendwann einmal fluchen wird wie ein Bauarbeiter… so wie ihre Mama. 😉

 

Eure Anke

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