Desinfektionsmittel richtig eingesetzt

Vorneweg muss ich sagen, dass ich privat kein Freund des übermäßigen Desinfizierens bin. Es gibt allerdings Einsatzgebiete, bei denen eine keimtötende Reinigung sinnvoll ist. Da ich bei meiner Arbeit in der Pflege mit vielen Menschen, deren Keime oder eben auch Fäkalien in Kontakt kommen kann, ist der gezielte Einsatz von Desinfektionsmittel unumgänglich. Im normalen Hausgebrauch ist eine übermäßige Verwendung jedoch in vielen Fällen kaum notwendig.

Wie wirkt Desinfektionsmittel?

Die handelsüblichen Desinfektionsmittel basieren meist auf einem Gemisch aus Wasser und Alkoholen, wie Propanol und Ethanol, im Verhältnis von ungefähr 1:3. Sie dienen der Desinfektion von Haut und glatten Oberflächen.

Aufgrund des enthaltenen Wassers kann der Alkohol die bakterielle Zellwand durchdringen. Im Zellinnern zersetzt der Alkohol für das Bakterium lebenswichtige Proteine. Daraufhin kommt es sozusagen zum „Organversagen“, einem funktionalen Totalausfall und das Bakterium stirbt ab. Da der Alkohol keine bestimmten Proteine zersetzt, sondern dies wahllos geschieht, wirkt Alkohol im Grunde gegen alle Arten von Bakterien.

Reiner Alkohol (100%) hat keine Wirkung auf Bakterien, da er nicht in das Zellinnere eindringen kann. Gegen Sporen jeglicher Art ist eine alkoholische Desinfektion unwirksam!

Spielt Zeit ein Rolle?

Ganz klar: Ja! Jede Form der Desinfektion benötigt Zeit, um optimal wirken zu können! Es bringt überhaupt nichts, wenn man sich „nur mal eben schnell zwischendurch“ die Hände desinfiziert. Das Desinfektionsmittel hat kaum Zeit seine Wirkung zu zeigen, schon hält man den nächsten keimbelasteten Gegenstand in den Händen. Auch eine Schnelldesinfektion dauert in der Regel ungefähr 1 Minute. Im Alltag steht aber kaum jemand 1 Minute lang ruhig da, nur um zu warten, dass das Mittel wirken kann.

Bestes Beispiel: Die Kassiererin im Supermarkt. Ich kann ihren Drang verstehen, sich ständig die Hände waschen zu wollen, wenn man pro Stunde 1000 Artikel anfassen muss. Leider kann sie nicht einfach immer wieder zwischen den Kunden aufstehen, um sich die Händen zu waschen. Da ist der Griff zum Handdesinfektionsmittel natürlich schneller und enorm praktisch. Aber kaum hat sie sich die Hände eingeschmiert, greift sie auch schon zum nächsten Artikel. Plöpp – Schon ist der Wunsch nach Keimfreiheit dahin…

Wie desinfiziert man sinnvoll?

Desinfektionsmittel sollten immer gut überlegt und gezielt eingesetzt werden. Auf diese Weise beugt man Resistenzen vor. Diese entstehen bei unsachgemäßer Anwendung von Desinfektionsmitteln. Durch die bereits erwähnte verkürzte Einwirkzeit werden nicht alle Keime unschädlich gemacht. „Überlebende“ Keime können auf diese Weise resistente, widerstandsfähigere Bakterienstämme bilden, die letztendlich noch schwieriger abzutöten sind.

Man sollte sich immer überlegen, wo tatsächlich krankmachende Keime vorkommen können. Es ist beispielsweise sinnvoll Türklinken, Telefone, Handys und Computertatsaturen regelmäßig zu desinfizieren. Weniger sinnvoll sind dagegen Klobrillen. An den Oberschenkeln, die die Klobrille berühren, sind weitaus weniger Keime als an unseren Händen, die einfach alles berühren. Der Spülknopf dagegen wäre wiederum sinnvoll. In unserem alltäglichen Leben reicht es in vielen Fällen aus, wenn man sich regelmäßig und gründlich mit Seife die Hände wäscht. Eine Ausnahme ist es natürlich, wenn eine Erkrankung vorliegt. Da kann es durchaus sinnvoll sein, wenn man gezielt desinfiziert, um eine Reduzierung der Keimzahl zu erreichen.

Im Übrigen wirken Desinfektionsmittel auf alkoholischer Basis meist nicht gegen Viren. Zudem kann ein übermäßiger Gebrauch von Desinfektionsmitteln zu Schädigungen der Haut führen.

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