Der Unterschied zwischen Wunsch und Bedürfnis

Wer kennt das nicht!? Alle paar Wochen verlockt uns irgendein Katalog diverser Spielwarenhersteller. Beim Durchblättern sehe ich vor meinem inneren Auge meine 3-jährige Tochter begeistert mit all den tollen Sachen spielen. Oder wie mein kleiner Mann mit seinen gerade mal 6 Monaten mit den verschiedenen Activity Boards, Spielmatten und Bausteinen eine große Spielzeugwelt erkundet. Kletterseile, große Schaumstoffwürfel, Steckenpferde, bunte Spieltücher aus Seide, wunderschönes Holzspielzeug nach Montessori… Ich bin davon überzeugt, dass meine Tochter das alles ganz großartig finden würde! Wer nicht? Doch leider liegen hier Wunsch und Bedürfnis oft sehr weit auseinander.

Denn was Kinder sich wünschen und was sie im Grunde wirklich brauchen, sind zwei Paar Schuhe. Was sie sich wünschen wird oft durch bunte, funkelnde Werbung hervorgerufen. Oder einfach dadruch, dass etwas neu ist oder ein anderes Kind es besitzt. Da man den lieben Kleinen ja eigentlich gern jeden Wunsch erfüllen möchte, platzt das Kinderzimmer dann bald aus allen Nähten. Das traurige Ende dabei: die meisten Spielsachen liegen irgendwann unbeachtet in der Ecke. Denn sie haben zwar einen kurzzeitgen Wunsch erfüllt, aber erfüllen kein Bedürfnis.

„Einmal alles, bitte! Zum Mitnehmen.“

Es ist aber auch wirklich verlockend! Nicht nur für meine Kinder, sondern auch für mich als Mutter. Ich träume von einem großen Kaufmannsladen und ein hübsches Puppenhaus aus Holz für meine Tochter. Obwohl sie schon so einige Bücher in ihrem Regal stehen hat, würde ich ihr gern eine ganze Bibliothek einrichten. Ich hätte nur zu gern ein Arsenal verschiedener Kostüme, damit sie und ihre Freunde in unterschiedliche Rollen schlüpfen können. Wobei… eigentlich macht sie das ja bereits.

Mit etwa 1,5 Jahren fing meine Tochter mit Rollenspielen an. Sie versorgte ihre Puppen und Stofftiere, wechselte die Windeln und fütterte sie. Als sie dann in die Krippe kam, intensivierte sich dieses Spiel noch einmal. Rollenspiele sind immer noch ihr Steckenpferd! Dabei benötigt sie gar keine konkreten Kostüme oder Requisiten. Wenn ihr etwas fehlt, ersetzt sie es ganz einfach durch etwas anderes. Auch wenn es für mich als Zuschauerin natürlich schön aussieht, wenn meine Tochter als Prinzessin verkleidet ihren Stofftier-Hofstaat versorgen würde. Aber meine Tochter selbstm, braucht das drum herum dazu eigentlich nicht wirklich. Wenn es ums Spielen geht, ist meine Tochter wirklich unglaublich kreativ und ihr Kopf steckt voller Fantasie.

Weniger Spielzeuge = mehr Platz für die Fantasie

Genau an so etwas merke ich dann immer wieder sehr deutlich, dass sie die meisten Spielzeuge eigentlich gar nicht benötigt. Sie darf fast jeden Gegenstand aus unserer Wohnung zum Spielen benutzen. Sie fragt mich nach Töpfchen, Kochlöffeln, Lappen, Bechern und und und… Sie gestaltet sich ihr Spiel selbst nach ihren ganz eigenen Vorstellungen. Ich bin immer wieder fasziniert, wie fantasievoll meine 3-Jährige ist. Und ich schaue ihr gern beim Spielen zu. Außerdem ist es für die Kinder auch viel interessanter, wenn sie Dinge benutzen dürfen, die auch für uns Eltern von Interesse sind und von uns benutzt werden. Wenn man Mama’s Schneebesen verwendet anstatt den der Kinderspielküche, ist man irgendwie ja auch gleich ein Stück weit integriert und gehört dazu.

Im Grunde ist es genau das, was Kinder wollen und brauchen: Dazuzugehören und unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Kein Spielzeug der Welt kann das Bedürfnis, gesehen zu werden, befriedigen. Es ist wichtig für die Entwicklung eines Kindes, dass man sich mit ihm beschäftigt und es einbindet. Quality Time ist da das Schlüsselwort. Damit ist gemeint, dass man seinen Kindern während dieser Zeit besondere Aufmerksamkeit schenkt. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist es aber leider in der Realität oftmals nicht. Denn unser erwachsener Alltag ist gezeichnet durch Stress und Druck und „jetzt nicht“ oder „später vielleicht“.

Alleine spielen macht wenig Spaß

Um dazuzugehören und sich im Spiel auszuprobieren braucht es keine teuren Spielsachen. Eigentlich braucht es fast keine Spielsachen. Es braucht uns als Eltern, die da sind. Alleine Spielen ist doof und trostlos, darüber tröstet auf Dauer auch kein noch so tolles Spielzeug hinweg. Gemeinsame Zeit und gemeinsam Erlebtes fördert aber ja nicht nur die Entwicklung unserer Kinder, sie stärkt auch die Qualität unserer Bindung zu ihnen. Und diese hat ebenfalls Auswirkung darauf, ob sie später einmal „beziehungsfähig“ sind. Wenn Vertrauen, Liebe, Sicherheit und ein Zugehörigkeitsgefühl im Elternhaus fehlen, werden Kinder es als Erwachsene unter Umständen sehr schwer haben. Es braucht dann so unendlich viel Kraft und Geduld die negativen Erfahrungen aus seinem Elternhaus wieder auszubügeln. Nicht jedem gelingt das. Ablehnung und Desinteresse sind genauso schlimm wie körperliche Gewalt für die kleinen Kinderseelen. All das hinterlässt tiefsitzende Narben und begleitet Kinder ihr ganzes Leben lang.

Also liebt eure Kinder, widmet ihnen Zeit und spielt, tobt und erkundet, macht einfach alles gemeinsam! Gebt vielleicht das Geld, dass ihr für das nächste Spielzeug ausgegeben hättet lieber aus für eine gemeinsame Unternehmung. Springt zusammen in die Pfützen, baut die Sandburg gemeinsam und lasst eurer Kind beim Boden wischen mitmachen. Der Boden wird eh nass und hinterher ist alles sauber. Bastelt mit ihnen, auch wenn ihr es eigentlich doof findet. Besucht Spielplätze oder fahrt Fahrrad. Genießt das Leben und ein Eis in der Sonne. Es ist nicht immer einfach, gerade wenn man ein 3-jähriges Kind Daheim hat, dass selbt noch nicht zwischen Wunsch und Bedürfnis unterscheiden kann… Aber es lohnt sich. Denn vor allem Kinder, die mitten im Gefühlschaos stecken, benötigen keine neue Puppe, sondern unsere ehrliche Liebe und ungeteilte Aufmerksamkeit, damit sie wieder in die Spur finden <3

 

Herzlichst, Anke

Deine Meinung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.