Der beste Freund: welcher Hund passt zu uns?

In unserem letzten Blogbeitrag ging es darum, dass viele gängige Haustiere eigentlich weniger für Kinder geeignet ist. Da das Thema Hund alleine schon sehr umfangreich ist, hätte es den Rahmen des letzten Beitrags gesprengt. Deswegen gibt es dazu heute einen eigenen (Folge-)Beitrag.

Bitte beachtet: die Zusammengetragenen Infos und Tipps stammen aus eigener Erfahrung. Aber auch, wenn man schon von Kindesbeinen an mit Hunden zusammenlebt, hat man noch längst nicht alles gesehen und Ausnahmen gibt es absolut immer. Auch ein 50kg-Kalb kann aufgedreht sein wie eine Horde Frettchen und genauso gibt es Zwergpinscher, welche die Ruhe in Person sind. Wenn ihr vorhabt euch einen Hund an eure Seite zu holen, schaut euch immer den Hund auch als Individuum an.

Die Wahl der passenden Rasse

„Ein gutes Pferd hat keine Farbe“ sagt man in Reiterkreisen. Das gilt auch erstmal beim Hund. Was dagegen ein ganz entscheidendes Kriterium sein sollte, ist die Rasse. Dabei geht es aber nicht um „gute Rasse – schlechte Rasse“. Es gibt auch nicht DIE richtige Rasse. Sondern nur die Rasse, die aufgrund eurer Lebensgewohnheiten gut zu euch passt. Oder eben gar nicht passt. Wer gerne gemütlich ist, sollte sich gut überlegen, ob er sich eine Jagdhundrasse anschaffen möchte. Denn meinst brauchen Weimaraner, Bracken und Co. sehr viel Auslauf. Von sogenannten Arbeitslinien rate ich grundsätzlich ab, wenn man nur einen Familienhund möchte. Klar, es sieht toll aus, wenn der Vater des eigenen Hundes aus einer Arbeitslinie kommt und europäischer Champion war. Aber damit werdet ihr und auch der Hund nicht glücklich, wenn ihr nicht täglich mit diesem Hund dann „arbeitet“ und ihn entsprechend auslastet. Ein ständig ausbüchsender und/oder jagender Hund, zerkautes Mobiliar und im schlimmsten Fall Aggressivität können die Folgen sein. Und das gilt nicht nur für Jagdhundrassen, sondern auch für ganz viele Hütehunde. Border Collie und Australien Shepherd brauchen  ebenfalls rassentprechende Auslastung. Stundenlanges parken zu Hause und dann abends eine Stunde Gassi werden in der Regel nicht ausreichen, um einen entspannten Hund zu haben.

Die Optik sollte deshalb eine untergeordnete Rolle spielen, wenn ihr euch einen Hund anschafft. Setzt euch lieber ehrlich hin, und schaut, wie euer tägliches Zeitbudget aussieht und welche Aktivitäten ihr gemeinsam mit dem Hund machen könntet. Wer wann für den Hund da sein kann, wie die häuslichen Gegebenheiten sind und wer den Hund im Falle des Falles oder im Urlaub betreuen kann. Und wählt danach die entsprechende Rasse aus.

Wer billig kauft, kauft zweimal

Rassehunde von einem seriösen Züchter sind nicht günstig. Je nach Rasse können da gut zwischen 1000 und 2000 Euro fällig werden. Das erscheint auf den ersten Blick viel. Aber wenn man sich genau anschaut, wie viel Zeit, Aufwand, Geld und nicht zuletzt Herzblut ein seriöser Züchter da hineinsteckt, bleibt am Ende gar nicht mehr soviel übrig. Da sind Deckkosten der Hündin, Zuchtvereinsbeiträge, TIERARZTKOSTEN (entwurmen, impfen, Kontrolle, etc.), spezielles Futter, jede Menge Zeit und Arbeitsaufwand. Und hinterher muss das, was übrig bleibt, auch noch versteuert werden.

ABER: Bitte bitte bitte spart nicht, wenn ihr unbedingt einen Rassehund haben möchtet. Billige Hunde aus dem Ausland sind in der Regel nicht aus einer seriösen Zucht sondern von sogenannten Vermehrern. Die Tiere solcher Menschen fristen ein ganz furchtbares Dasein. Häufig sehen sie nie grünes Gras und vegetieren in einem Käfig vor sich hin. Ihr einziger Daseinszweck ist es, mehrmals im Jahr Welpen zu produzieren. Eine liebende Hand sehen sie ebenfalls nie. Entsprechend traumatisiert sind dann unter Umständen die Welpen. Dazu sind viele auch krank, denn eine tierärztliche Kontrolle gibt es dort nicht. Die würde nämlich Geld kosten. Unter Umständen bekommt ihr einen Welpen mit schlimmen Krankheiten oder Parasiten. Und die muss man noch nicht mal auf den ersten Blick sehen. Nicht selten endet das bei einer Dauerkarte für den Tierarzt. Das Geld, dass ihr beim Kauf des Hundes gespart habt, gebt ihr hinterher mehrfach beim Tierarzt wieder aus. Und anstatt viel Freude habt ihr hinterher nur jede Menge Kummer. Auch eure Kinder, wenn es dem besten Freund schlecht geht.

Die Mischung macht´s!

Ich kann verstehen, dass sich nicht jeder einen teuren Rassehund leisten kann. 1500 Euro sind eine Menge Geld. Aber es muss ja nicht immer ein reinrassiges Tier sein. Es gibt ganz tolle Mischlingshunde, die gegen eine Schutzgebühr vermittelt werden. Auch „Unfälle“ werden als Welpen deutlich unter dem Preis eines reinrassigen Hundes abgeben. Außerdem ist bei einem Mischling das Risiko für rassetypische Erkrankungen geringer. Auf der anderen Seite ist ein Mischling dafür halt eine Art Überraschungsei und je nachdem wo der Hund herkommt, kann man nicht so genau sagen, welche Rassen nun wirklich mit drin sind bzw. am ehesten in dessen Charakter hervortritt .

Temperament

Habt ihr euch für eine Rasse entschieden oder zumindest eine Richtung, solltet ihr darauf achten, dass der Hund auch das passende Temperament hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nervöse und unsichere Hunde sich im Zusammenleben mit Kindern schwerer tun als solche, die selbstsicher und souverän sind. Denn in einem Haushalt mit Kindern ist es nun mal häufig hektisch und vor allem eins: laut. Bei grellem Kindergekreische stehen einigen Hunden regelrecht die Haare zu Berge. Kommt ein Hund nicht mit so einem Trubel nicht zurecht, ist er für euch nicht der richtige Begleiter.

Kleine Wohnung – kleiner Hund?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass kleine Hunde automatisch auch weniger Platz in der Wohnung benötigen. Sicher, Kleinsthunde wie Malteser und Mini Yorkshire Terrier brauchen sehr wenig Platz, weil sie eben so winzig sind. Aber nimmt man die ganz kleinen Rassen unter 5 kg Körpergewicht mal aus, dann gilt: je größer der Hund, desto gemütlicher ist er. Gerade kleinere Hunde bis Kniehöhe sind häufig recht quirlig und haben einen recht großen Bewegungsdrang. Unsere Hündin – Herdenschutzhund-Mix, hüfthoch mit 35 kg – ist dagegen eine Schlaftablette auf 4 Pfoten. Wenn wir nicht rausgehen, ist ihre bevorzugte Position die Waagerechte, und zwar am liebsten auf ihrem Kissen. Das hat etwa einen Quadratmeter und wird von unserer Hündin nur verlassen, um den Wasser- oder Futternapf aufzusuchen, oder sich eine Streicheleinheit abzuholen. Ein ähnliches Verhalten haben bisher alle unsere großen bis sehr großen Hunde an den Tag gelegt. Dagegen hatte unsere Labrador-Pointer Hündin deutlich mehr Hummeln im Hintern.

Für jede Regel gilt aber auch hier: Ausnahmen gibt es natürlich auf beiden Seiten immer.

Größe

Da wir gerade bei der Größe sind: im Umfeld von Kindern finde ich größere Hunde geschickter. Nicht weil kleine Hunde nicht toll wären und keine tollen Freunde abgeben. Sondern einfach, weil gerade sehr kleine Hunde unter sehr kleinen Kindern ganz schön Leiden können. Und das hat jetzt nichts damit zu tun, dass man auf Kinder gut aufpassen muss, sondern ganz einfach mit dem Größenverhältnis. Unsere Hündin hat eine Engelsgeduld, wenn ihr unser kleiner Grinsebär mit seinen tapsigen Füßen versehentlich mal auf den Schwanz tritt. Oder er über ihre Füße stolpert und dann auf ihrem Bauch eine Bruchlandung macht. Das kann man als Hund auch mal entspannt sehen, wenn man selbst 35 kg hat und ein Zwerg von 9 kg sich kurz mal auf einem abstützt. Hätte der Hund nur 3 kg, sähe das Verhältnis ganz anders aus. Und der Hund hätte überhaupt nix zu lachen, wenn er unter dem Kind begraben wird.

Welpe versus erwachsenem Hund

Dazu gibt es verschiedene Ansichten. Mein Mann vertritt die Ansicht, dass ein Welpe geschickter ist, weil er in die familiäre Situation hineinwächst. Weil man mit der Zeit sieht, wie sich der Hund entwickelt. Man hat dann rechtzeitig die Möglichkeit einzugreifen, wenn man merkt, dass es gar nicht passt mit dem Hund und den Kindern. Denn einen Welpen zu holen ist kein Garant dafür, dass er sich später mal über Kinder freut. Und wenn das dann so ist, ist es eine unangenehme Situation, weil man dann wieder von dem Hund trennen muss.

Ich dagegen bin immer eher für einen bereits erwachsenen Hund aus dem Tierschutz, weil man da schon recht genau abschätzen kann, wie er auf Kinder zu sprechen ist. Der Nachteil dabei: man weiß oft nicht so genau, was der Hund bisher erlebt hat. Bei dieser Variante wäre es vermutlich besser, wenn die Kinder alt genug sind, um zu verstehen, dass man den Hund beim Fressen in Ruhe lassen muss.

Alter

Wenn ihr euch für einen älteren Hund entscheidet, hat das den Vorteil, dass man relativ sicher sagen kann, wie er auf Kinder reagiert. Meist sind ältere Hunde auch entsprechend abgeklärt und haben die meisten Flausen hinter sich gelassen. Bedenkt aber auch, dass in hohem Alter des Hunde auch sein Bedürfnis nach Ruhe und vor allem auch nach in Ruhe gelassen werden steigt. Auch wenn ihr es vielleicht gut meint und einem „Rentner“ ein schönes Zuhause geben wollt, überlegt euch, ob eure Kinder schon alt genug sind, um genügend Rücksicht nehmen zu können. Und noch eines: ein Hundeleben geht nicht ewig! Wenn der Hund schon entsprechend alt ist, dauert es tendenziell nicht mehr so lange, bis eure Kinder dicke Tränen um ihren erst lieb gewonnen Freund weinen.

Tierschutzhund – oh ja oder lieber nicht?

Hunde aus dem Tierschutz haben häufiger schon einiges erlebt. Zum Glück leben Hunde aber im Hier und Jetzt. Und haben sie kein dickes Trauma davongetragen, finden sie sich in der Regel gut in eine neue Familie ein. Das Problem ist da eher ein anderes: nämlich dass es bei Hunden aus dem Ausland fast unmöglich ist, den Hund vorher kennen zu lernen. Man muss sich da blind auf die Aussagen fremder Menschen verlassen. Deshalb rate ich – wenn es darum geht, einen Kleinkind-kompatiblen Familienhund zu bekommen – davon ab, sich einen Hund aus dem Ausland ankarren zu lassen. Auch Tierheimhunde finde ich nicht ganz unproblematisch bei der Beurteilung. Denn ein Tierheim ist für die Hunde immer eine Extremsituation. Und die Meisten verhalten sich dort ein klein wenig anders, wie sie es tun, wenn sie ein festes Zuhause haben. Das hat schon für so manche (auch unangenehme) Überraschung gesorgt.

Ganz anders sieht es dagegen aus bei Tierschutzhunden, die auf einer Pflegestelle leben. Denn dort sind sie in einer Familie oder einem Rudel integriert und können sich so zeigen, wie sie sind. Man hat dort auch die Möglichkeit, den Hund in Ruhe und ohne Hektik kennen zu lernen und zu schauen, ob es passt. Auch zusammen mit den Kindern.

Ich hoffe, ich konnte euch ein paar Tipps und hilfreiche Anregungen geben. Wenn ihr noch mehr habt, dass es unbedingt zu beachten gibt, dann schreibt es gerne in die Kommentare!

 

Eure Esther

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