Brennpunkt Spielplatz

Mein Sohn liebt Spielplätze. So viel Bewegung, Abenteuer und andere Kinder. Glücklicherweise haben wir einen liebevoll gestalteten Spielplatz ganz in unserer Nähe. Wenn wir mit dem Hund eine Runde drehen, kommen wir dort automatisch vorbei. Abstecher in den Sandkasten inklusive. Die Freude darüber ist bei meinem Sohn groß, bei mir ist sie manchmal eher zweigeteilt.

Versteht das nicht falsch, prinzipiell finde ich Spielplätze toll und gehe eigentlich auch gerne dorthin. Nur leider kann man sich das Publikum dort nicht aussuchen. Und es liegt wirklich nicht an den anderen Kindern! Es sind vielmehr deren Eltern, die mich manchmal zum Grübeln oder gar ins Zweifeln bringen. Und hin und wieder ist das, was ich da so sehe und mitbekomme für mein mütterliches Herz nur schwer zu ertragen.

Ja, ich gebe es zu. Spielplätze sind für mich eine Art sozialer Brennpunkt. Ein Schmelztiegel für Emotionen aller Art und Erziehungsstile verschiedenster Richtungen. Nicht, dass ich erwarten würde, dass alle Eltern in Sachen Kinder meiner Meinung sind. Aber wenn ich sehe, wie ein einjähriges Kind auf die Hand geklappst bekommt, weil es voller Begeisterung mit selbiger Sand auf die Kleinkindrutsche schaufelt, dann ist das für mich sehr schwer zu ertragen.

Natürlich ist es jetzt – glücklicherweise – nicht so, dass ständig eine Mama oder ein Papa ihr bzw. sein Kind körperlich maßregeln würde. Aber es sind die vielen kleineren Begebenheiten, die mir des öfteren die Freude am Spielplatz vermiesen. Oder vielmehr daran, dort andere Eltern zu treffen.

Ich kann das jetzt noch nicht einmal einfach an einem Punkt festmachen, was mich stört. Denn es ist ein Sammelsurium an vielen kleinen Dingen. Wie zum Beispiel Mütter, die eine Kiste mit Sandspielzeug in den Sand am Kleinkindteil des Spielplatzes stellen. Sich davon entfernen, es unbeobachtet stehen lassen und dann hektisch zurückgerannt kommen, sobald sich ein anderes Kleinkind daran bedienen möchte.

Oder Kinder, die auf den Spielplatz nur mit Fahrradhelm dürfen – selbstverständlich der Sicherheit wegen. Wobei ich glaube, dass manche Eltern gar nicht wissen, dass man eben wegen der Verletzungsgefahr auf Spielplätzen keinen Helm tragen sollte. Das Sicherheitsbedürfnis mancher Eltern umfasst auch die Gesundheit mit. Die meisten Kinder dürfen nicht barfuß in den Sand. Ich kassiere jedes Jahr irritierte Blicke, wenn mein Sohn bereits ab Mai barfuß durch den Sand turnt. Doof wird es aber dann, wenn mich Eltern drauf ansprechen und ich mich dann auch noch dafür rechtfertigen muss. Aber meinem Sohn das Barfußlaufen zu verbieten wäre nicht fair. Denn ich finde barfuß laufen im Sand selbst sehr angenehm. Außerdem kann man dreckige Füße ja waschen. Und ich traue meinem 3-jährigen Kind zu, zu wissen, wann ihm der Untergrund zu kalt wird.

Dann gibt es da noch die Eltern, die alles eher sehr viel lockerer sehen als ich. Zum Beispiel beim Thema Müll. Was da als liegen bleibt, da kann ich nur Augen machen. Schließlich spielen dort ja unsere Kinder und direkt 2 Meter weiter wäre der Mülleimer. Besonders weh tut es mir als auch, wenn irgendwo ein Kind weint, und vom Vater oder der Mutter dann wenig Mitgefühl gezeigt wird. Sätze wie „das ist doch nicht so schlimm, da brauchst du nicht weinen“ sind mit Sicherheit gut gemeint. Aber in dem Moment kommt bei einem weinenden Kind nur an, dass seine Probleme nicht ernst genommen werden.

Und dann gibt es noch den Schlag Erwachsener, die mich am meisten ärgern. Nämlich die, die meinem Kind oder sogar mir erzählen wollen, was es jetzt darf. Da sind dann Dinge dabei, wie eine besorgte Mutter, die meinen Sohn vom Klettergerüst heben will, obwohl ich 30 cm entfernt stehe und die Arme ausgestreckt habe um ihn zu fangen, sollte er abrutschen. Oder hergeht und meinem 6 Monate alten Kind das Stöckchen aus der Hand zieht, an dem es gerade lutscht. Obwohl ich direkt daneben sitze und bereits mehrfach die gut gemeinten Ratschläge abgelehnt habe. Das sind dann echt Momente, da muss ich sehr an mich halten, um nicht boshaft zu werden. Mein Problem dabei: ich tue mich schon etwas schwer, solche kleinen Übergiffigkeiten auf dem Spielplatz zu lassen. Ich nehme sie dann mit nach Hause und ärgere mich dort meist noch ein bisschen weiter. Bisher habe ich da für mich aber auch noch keinen besseren Weg aus solchen Situationen gefunden, wie meinem Kind demonstrativ das nächste Stöckchen zu reichen.

Auch wenn mich natürlich die Begegnungen mit anderen Weltbildern auf Spielplätzen Geduld und so manches Mal gut Nerven kosten, gehe ich natürlich dennoch mit meinen Kindern dorthin. Wenn ich sehe, mit wie viel Freude beide dort Zeit verbringen, ist es mir den Ärger gerne wert. Und ich verbiete ihnen auch nicht, den Spielplatz mit möglichst vielen Sinnen zu erfassen. Klar, ich finde es nicht appetitlich, wenn der kleine Mann Sand isst. Aber solange keine großen Stücke irgendwas mit dabei sind, die stecken bleiben könnten, wird er schon keinen Schaden davon nehmen. Und ja, barfuß ist natürlich das Verletzungsrisiko für die Füße größer. Aber ein eingerissener Zehennagel verheilt. Und dreckige Haare können gewaschen werden. Spätestens wenn sich Kinder den Sand in die Augen befördern, werden sie das Werfen damit einstellen.

Wir handhaben Spielplatzbesuche immer so: was nicht die eigene Gesundheit oder die von anderen gefährdet, ist erlaubt. Natürlich habe ich auch Angst, dass was passieren kann. Aber das kann es eben immer. Wir lassen unsere Kinder lieber die Umwelt erkunden, meist passiert dann eben doch viel weniger, als das elterliche Horrorszenario vor dem innerlichen Augen ausmalt.

Wie handhabt ihr das? Lasst ihr eure Kinder einfach mal machen, oder geht ihr lieber auf Nummer sicher?

 

Eure Esther

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