Biofilm – so bekommt ihr eure Trinkflaschen wieder sauber

Igitt, meine Trinkflasche ist schleimig!“ Diesen Moment kennt mit Sicherheit jeder, der regelmäßig nachfüllbare Trinkflaschen benutzt. Dank der Hitze des Sommers sind viele Flaschen im Dauereinsatz und dann passiert das leider schneller als einem lieb ist oder man erwartet hätte. Manchmal müffeln die Flaschen sogar, obwohl man sie erst gereinigt hat. Ganz besonders tragisch: wenn mal eine Flasche im Auto unter den Sitz gerollt ist und dort einige Tage übersehen wurde. Dann wird die schleimige Schicht auch gern mal so hartnäckig, dass man sie kaum wieder los wird. In unserem heutigen Beitrag möchten wir ein paar Tipps mit euch teilen, wir ihr den Biofilm in euren Flaschen aber ganz einfach wieder los werdet.

„Mama warum ist die Flasche schleimig?“

Gute Frage, oder? Ehrlich gesagt hat mich das nie so recht gekümmert. Ich habe die Flasche halt sauber gemacht und damit hatte sich mein Gedankengang dahingehend auch schon erledigt. Aber nun habe ich einen Sohn, der alles wissen möchte. Von mir.

Um es ganz vereinfacht zu beschreiben: Bei der schleimigen Schicht in eurer Flasche handelt es sich um einen Biofilm. Der entsteht, wenn sich an einer mit Wasser benetzten Oberfläche Keime ansiedeln. Mit der Zeit bilden diese dann Kolonien und eine schleimige Schicht, ein sogenannter Biofilm entsteht.

Ich könnte an dieser Stelle nun locker eine dreiviertel Seite über die Entstehung der Schleimschicht schreiben. Aber ich glaube, so genau will das dann wohl eher doch niemand wissen. Falls es euch doch interessiert, findet ihr genauere Infos zu dem Thema hier (die Infos zum Biofilm findet ihr auf Seite 4) oder ganz klassisch auf Wikipedia.

Solange sie eine bestimmte Menge nicht überschreitet, sind Keime im Wasser übrigens erst mal ganz normal und ungefährlich. Bedenklich wird es erst, wenn die Keimbelastung des Wassers überhand nimmt. Damit das nicht passiert, solltet ihr eure Trinkflaschen regelmäßig reinigen. Dazu reicht es leider nicht aus, sie nur mit klarem Wasser auszuspülen. Sie sollten täglich, spätestens aber alle zwei Tage richtig mit Reinigungsmittel ausgebürstet werden.

 

Reinigungsmöglichkeiten:

Egal für welche Reinigungsmethode ihr euch entscheidet: die Spülbürste ist euer bester Freund! Ihr müsst auf jeden Fall die Flasche immer mit einer weichen Bürste ausbürsten. Wir haben uns dazu auf einem Mittelaltermarkt eine Holzbürste mit weichen Naturborsten geholt. Da zerkratzt dann auch garantiert nichts. Die Holzbürste ist bereits seit fast 4 Jahren im Einsatz, sie ist also genauso langlebig wie eine herkömmliche Flaschenbürste aus dem Supermarkt.

warmes Wasser und Spülmittel

Der Biofilm lässt sich ganz einfach und altmodisch mit etwas warmem Wasser, ein paar Tropfen Spülmittel beseitigen. Einfach beides in die Flasche und ordentlich bürsten. Einweichen müsst ihr es nicht, ihr könnt direkt mit der Reinigung beginnen. Dafür ist das aber die mühseligste Methode. Denn ihr müsst gut und gründlich mit der Bürste schrubben, um alles weg zu bekommen.

Reis und grobes Meersalz

Ist der Biofilm mal etwas dicker und hartnäckiger geraten, etwa weil die Flasche versehentlich auf Urlaub im warmen Auto war, dann könnt ihr für die dicke Schicht Reis oder grobes Meer verwenden. Gebt davon etwa 2-3 Esslöffel mit etwas kaltem Wasser in die Flasche und verschließt sie. Dann schüttelt und schwenkt ihr die Flasche so lange, bis der Film weg ist. Diese mechanische Reinigung nimmt aber nur die groben Verschmutzungen mit. Ihr solltet danach die Flasche nochmal mit warmem Wasser, Seife und einer Bürste kurz nachreinigen.

Spülmaschine

Spülmaschinen beseitigen Biofilm prinzipiell ganz hervorragend. Prinzipiell nur deshalb, weil nicht jede Flasche für die Spülmaschine geeignet ist. Einige Flaschen dürfen nicht hinein, weil sie sonst kaputt gehen. Und dann gibt es leider auch noch die Flaschen, die rein dürften, aber nicht sauber werden. Das funktioniert nämlich nur bei Flaschen mit einer großen Öffnung. Ist die zu schmal, wird die Flasche leider nicht zuverlässig sauber. Im schlimmsten Fall habt ihr dann zusätzlich zum Biofilm auch noch Spülmittelreste in der Flasche.

Backpulver/Natron

Backpulver macht nicht nur Abflüsse frei, sondern auch Flaschen sauber. Dazu müsst ihr die Flasche bis zum Rand mit warmem Wasser füllen. Gebt 2-3 Päckchen Backpulver dazu und lasst die Flasche über Nacht einweichen. Durch die chemische Reaktion des Backpulvers wird der Biofilm (an)gelöst. Bürstet die Flasche am nächsten Morgen dann nochmal mit einer Flaschenbürste gut nach um alles zu entfernen.

Statt Backpulver könnt ihr auch Speisenatron nehmen. Damit die gewünschte chemische Reaktion startet, braucht das Natron aber Säure. Ihr müsst dem warmen Wasser mit Natron also noch etwas Zitronensäure oder Essig hinzugeben (im Backpulver ist die Säure bereits in kristalliner Form enthalten). Das ist deutlich günstiger als Backpulver und spart eine Menge Abfall.

Mein Geheimtipp: Gebissreiniger

Gebissreiniger reinigt nicht nur Zahnprotesten ganz hervorragend, sondern auch Flaschen aller Art. Füllt dazu die Flasche einfach mit warmem Wasser und gebt eine Tablette des Gebissreinigers dazu. Das ganze wird dann über Nacht unverschlossen stehen gelassen und am nächsten Morgen nochmal kurz mit der Flaschenbürste ausgebürstet. Das tolle am Gebissreiniger: er entfernt nicht nur den Biofilm sondern auch die meisten anderen Verschmutzungen, wie beispielsweise Verfärbungen. Er eignet sich also nicht nur für Trinkflaschen, sonder auch ganz hervorragend für Thermoskannen. Ich gönne meiner Kaffeekanne regelmäßig eine Behandlung damit.

Essig oder Zitronensäure für die Kalkreste

Wenn die Flasche mal einige Zeit im Einsatz war, bilden sich leider irgendwann auch Kalkreste. Die könnt ihr entfernen, in dem ihr die Flasche über Nacht komplett mit Wasser füllt und 3-4 Esslöffel Zitronensäure (flüssig) oder Essig mit hinzugebt. Habt ihr Zitronensäure in kristalliner Form, dann reicht ein Teelöffel vollkommen.

Nehmt zum Einweichen über Nacht kaltes Wasser. Warmes Wasser beschleunigt zwar die Reaktion, sie wird aber nicht besser. Und über Nacht hat das ganze ja genug Zeit zu wirken. Wenn ihr Essig verwendet, führt warmes Wasser nur dazu, das eure Küche unter Umständen unangenehm nach Essig riecht. Verwendet ihr Zitronensäure, sinkt die „Entkalkungsleistung“ der Säure mit warmem Wasser sogar ein klein wenig. Also lieber über Nacht einweichen lassen und dafür etwas weniger Zitronensäure nehmen. Wenn ihr am nächsten Morgen mit einer Flaschenbürste kurz nachbürstet, sollte alles weg sein.

Um auch den letzten Rest zu entfernen

Auch wenn man noch so gründlich reinigt: es bleiben immer irgendwo (Keim)Reste in irgendeiner Ritze hängen. Wenn eure Flasche also sofort nach der Reinigung wieder zu müffeln beginnt, solltet ihr sie nach der Reinigung einmal abkochen. Legt dazu die Flasche und den Deckel für 15 Minuten in kochendes Wasser (Herstellerangaben beachten!). Sollte eure Flasche klein genug sein, geht alternativ natürlich auch ein Durchgang in einem Vaporisator. Der sterilisiert nämlich nicht nur Babyfläschchen.

Wichtig nach jeder Reinigung – egal ob mit oder ohne Abkochen – ist, dass ihr die Flaschen anständig austrocknen lasst. Denn die Keime lieben es dunkel, feucht und stickig. Speziell die Feuchtigkeit brauchen sie, um zu gedeihen. Lasst ihr die Flasche einmal komplett richtig austrocknen und auslüften, gerne auch im direkten Sonnenlicht, sollten danach die allermeisten Keime tot sein.

 

Habt ihr noch andere Tipps, um dem Biofilm und der Schmutzschicht in euren Flaschen zu Leibe zur rücken? Dann schreibt es uns doch gerne in die Kommentare!

Von Herzen und mit Spülbürste in der Hand, Esther

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