Bindungsorientierte Erziehung – weil jeder zählt

Zum Thema Bindungsorientierte Erziehung kommt mir direkt eine Liedzeile in den Sinn. Vor ein paar Jahren sang Stefanie Heinzmann zusammen mit Gentleman:

„Roots to grow and wings to fly. That’s what your mama gave you”

Im Grunde drückt diese Liedzeile schon aus, was bedürfnis- oder auch bindungsorientierte Erziehung für mich bedeutet. Mein Kind und ich schaffen zwischen uns beiden ein festes Band des Vertrauens. Ich bin seine Wurzel. Der Fels in der Brandung. Ein Hort der Liebe und Geborgenheit. Zu mir kann mein Kind immer kommen, wenn es etwas bedrückt und ich möchte immer ein offenes Ohr für die Belange meines Kindes haben. Gleichzeitig will ich mein Kind ermutigen, die Welt in seinem Tempo zu entdecken.

Es soll seine ersten Schritte machen – mit allem, was dazu gehört: erst zaghaft und wackelig. Nicht aufgeben. Vorankommen. Hinfallen muss man dabei einfach in Kauf nehmen. Davor kann ich mein Kind nicht bewahren. Wer laufen lernt, der muss das Hinfallen akzeptieren. Aufstehen. Weiterlaufen. In den ersten 2 Monaten hatte meine Tochter, wie die meisten anderen Neugeborenen, vermehrt Bauchweh und Blähungen. Manchmal weinte sie sehr. Mein Mann und ich massierten ihr häufig den Bauch und hielten sie ab. Obwohl sie mich damals noch nicht verstehen konnte, sagte ich ihr ganz oft:

„Ich kann dir dein Bauchweh nicht abnehmen. Aber ich helfe dir. Du musst da nicht allein durch.“

Auch wenn ich mich an manchen Tagen am liebsten neben sie gelegt und mit ihr geweint hätte, so versuchte ich dennoch ihr zu verstehen zu geben, dass ich für sie da bin. Das Weinen verebbte dann relativ schnell und ein wenig Kuscheln und Stillen spendete ihr Trost. Ebenso war es beim Hinfallen: Ich kann ihr den Schmerz nicht nehmen. Aber ich kann für meine Tochter da sein und sie im Arm halten.

Auf Bedürfnisse reagieren

Ich als Mutter – besser noch: Wir als Eltern gehen auf die Bedürfnisse unseres Kindes ein. Das beginnt bereits ab der Geburt. Ein Neugeborenes hat nur wenige Bedürfnisse: Es hat Hunger, es braucht Nähe. Es muss mal oder die Windel ist nass. Schon von Geburt an können wir Eltern auf die Bedürfnisse unseres Nachwuchs eingehen. Die Mutter stillen es, wann immer das Kind die Brust braucht. Es wird gewickelt oder abgehalten, oder wir kuscheln mit ihm.

Bindungsorientierte Erziehung ist ein gemeinsamer Beziehungsaufbau zwischen Baby und Bezugsperson. Ich schreibe bewusst „Bezugsperson“, weil ein Baby „Mama“ oder „Papa“ nicht kennt. Aber es erkennt die Person/en wieder, die sich um es kümmert. Das kann eine Mama sein oder auch zwei. So wie ein Kind einen Papa oder auch zwei haben kann. Ebenso können Oma und Tante für ein Baby eine relevante Bezugsperson sein. Wichtig ist nur, dass diese Personen viel Zeit mit dem Baby verbringen und auf seine Bedürfnisse eingehen. Wenn man sein Baby mit der Zeit zu „Lesen lernt“ und auf seine Bedürfnisse entsprechend reagiert, ist das Baby entspannt- und die Eltern folglich auch.

Bindungsorientierte Erziehung

Für mich gehört zu bindungsorientierter Erziehung, dass wir nach Bedarf stillen und nicht nach Uhrzeit. Wir schlafen alle drei gemeinsam in einem Bett und nicht in getrennten Räumen. Das Familienbett hat für mich den Vorteil, dass ich zum nächtlichen Stillen nicht aufstehen oder gar richtig aufwachen muss. Meine Tochter bedient sich seit geraumer Zeit einfach selbst.

Generell verbringen wir als Familie sehr viel Zeit gemeinsam. Unsere Tochter bekam von Anfang an auch exklusive Zeit mit ihrem Papa. Wenn die beiden miteinander spielen oder rumtoben, halte ich mich mittlerweile weitestgehend raus. Es ist ihre gemeinsame Papa-Tochter-Zeit. Wir sitzen häufig zu dritt auf dem Fußboden im Wohnzimmer, stapeln Bausteine oder schauen gemeinsam ein Bilderbuch an.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Tragen. Sowohl ich als auch mein Mann tragen unsere Tochter seit ihrer Geburt in Tragetüchern oder -hilfen. Vorallem Neugeborene profitieren von der Nähe und Wärme ihrer Bezugsperson. Eng angekuschelt schläft es sich am besten und eventuelles Bauchweh war wie weggezaubert. Für uns ist Tragen Liebe.

Jeder Mensch, der in einer festen Beziehung lebt, handelt meist bindungsorientiert. Im Laufe der gemeinsamen Zeit arbeitet man an seiner Beziehung, wodurch eine tiefere Bindung und Vertrauen entstehen. Man stellt sich gegenseitig aufeinander ein. Wir behandeln einander respektvoll und immer so, wie man selbst behandelt werden möchte – eben mit Liebe.
Im Umgang mit unserer Tochter ist es nicht anders. Als Eltern begegnen wir ihr mit Liebe und Respekt. Wir achten auf sie, so wie wir als Paar auf einander achten. Auch wenn es nicht immer einfach ist, alle Bedürfnisse gleichermaßen unter einen Hut zu bringen, so versuchen wir es. Denn jeder von uns ist wichtig.

 

Eure Anke

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