Beim zweiten Kind ist alles anders

Vor 3 Monaten habe ich mein zweites Kind zur Welt gebracht. In den vergangenen 3 Monaten haben wir die Zeit genutzt, uns als Familie neu zu organisieren. Denn fast 3 Jahre lang waren wir zu dritt mit unserer Tochter. Wir hatten einen mehr oder weniger geregelten Tagesablauf und plötzlich steht dann wieder alles Kopf. Alles auf Anfang und nochmal neu. Oder nicht? Zeit also, um mal einen kurzen Statusbericht zu verfassen. Denn irgendwie ist beim zweiten Kind noch mal alles genau so wie beim ersten. Und doch auch komplett anders.

Bereits die Geburten haben sich bei meinen Kindern ein wenig unterschieden. Beide wurden zwar medikamentös eingeleitet, aber der Verlauf war unterschiedlich. Bei der einen Geburt bekam ich eine PDA, bei der anderen war mein Kind so schnell da, dass man mir überhaupt keine PDA legen konnte. Das eine Kind lag sozusagen schon komplett auf dem Trockenen. Die Haut war sehr trocken und es wirkte übertragen. Beim anderen Kind ist mir die Fruchtblase geplatzt. Ich war überwältigt und überrumpelt von der Fruchtwassermenge, die da aus mir heraus schwappte.

Auch das Stillen unterscheidet sich sehr bei meinen Kindern. Bei einem Kind mussten wir kurz nach der Geburt das Zungenbändchen kappen lassen, weil das Andocken nicht so richtig funktionieren wollte. Das andere hatte diese Schwierigkeiten nicht. Das eine Kind hat von Anfang an geclustert – also häufig, aber dafür nur kurz gestillt. Das andere stillt 20 Minuten und meldet sich dann erst 2-3 Stunden später wieder zum Nachtanken. Gut, bei meinem Clusterbaby war es auch bereits kurz nach der Geburt sehr heiß Draußen. An heißen Tagen bzw. im Sommer stillen Babys meist in kürzeren Abständen.

Bei unserem ersten Kind haben wir unseren gesamten Tagesablauf mehr oder weniger nach dem Kind ausgerichtet. Jetzt richtet sich das zweite Kind irgendwie eher nach unserem Tagesablauf. Vermutlich wäre es beim ersten Kind auch schon so gelaufen, aber da hatte ich auch noch alle Zeit der Welt. Mit einem großen Geschwisterkind hat man meist ja schon einen geregelten Tagesablauf, dem man routiniert nachgeht. Nun kommt da ein weiteres Kind und man kann ja nicht wieder alles über den Haufen werfen, was man sich gemeinsam erarbeitet hat in den letzten Jahren. Also integriert man das zweite Kind viel selbstverständlicher in seinen gewohnten Alltag. Zumindest ist es uns so ergangen. Die Schlafgewohnheiten von unserem zweiten Kind passen wie von Zauberhand perfekt in unsere bisherigen Schlafenszeiten. Mein Sohn hat nahezu von Anfang an seine eigenen, festen Zeitfenster in denen er nachts stillt. Ich kann mich nicht mehr ganz genau erinnern, aber bei meiner Tochter war es nicht ganz so zeitgenau getaktet mit dem nächtlichen Stillen.

Der größte Unterschied von einem auf zwei Kinder ist aber definitiv das eben bereits vorhandene große Geschwisterkind! Unsere Kinder trennen fast 3 Jahre voneinander. Der für uns große Vorteil an dem Altersunterschied ist definitiv die Selbstständigkeit unserer großen Tochter. Sie zieht sich ihre Schuhe selbst an, läuft mit mir an der Hand zum Kindergarten und kann sich Dinge, die sie gerade braucht einfach selbst holen. Die Sprache ist für mich persönlich ein immenser Vorteil. Sie kann einfach sagen, was sie gerade braucht oder machen möchte. Und unsere Tochter ist ganz verliebt in ihren kleinen Bruder. Sie ist unbeschreiblich sanft zu ihm, strahlt ihn an und erzählt mit ihrem kleinen Bruder. Der Bruder bekommt morgens als erstes einen Kuss und generell bekommt er über den Tag verteilt sehr viele liebevolle Gesten von seiner großen Schwester geschenkt. Es macht mich so unendlich glücklich, wenn ich meine beiden Kinder zusammen sehe. Wenn beide sich so fröhlich anstrahlen und zusammen lachen. Mir ist schon bewusst, dass das nicht ewig so gehen wird. Aber im Moment genieße ich diese kleinen Momente einfach.

Auf der anderen Seite habe ich meinem großen Kind gegenüber oft ein schlechtes Gewissen. Fast 3 Jahre lang waren mein Mann und ich exklusiv für sie da. Und nun muss sie unsere Aufmerksamkeit mit ihrem Bruder teilen. Ich versuche ihr immer wieder ganz bewusst Aufmerksamkeit zu schenken. Wir spielen etwas gemeinsam, lesen ein Buch oder schauen einen Trickfilm, während Papa das Baby bespaßt. Ich merke immer wieder, dass meiner Großen Zeit mit mir fehlt. Sie hegt glücklicherweise keinerlei Groll oder Eifersucht gegen ihren Bruder. Umso wichtiger ist es für mich, dass wir sie weiterhin als eigenständige Person wahrnehmen und ihr ebenfalls ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Bisher klappt es noch ganz gut. Allerdings habe ich nun zum 2. Mal ein echtes Anfängerbaby. Der kleine Mann ist ein sehr zufriedenes Baby, dass bisher kaum geweint hat. Er wird quasi ständig von uns getragen und stillt nach seinem Bedarf. So wie meine Tochter damals.

Man sagt ja oft, dass die größte Umstellung von 1 auf 2 Kinder ist. Und das mag auch irgendwie stimmen. Aber rückblickend war für uns die größte Umstellung von 0 auf 1 Kind. Früher hatten wir ja nur uns beide. Wir konnten tun oder lassen, was wir wollten. Heute sind wir zwar immer noch irgendwie spontan, nur eben um einiges langsamer dabei… Wenn wir spontan irgendwo hinfahren wollen, brauchen wir vorneweg 1 Stunde bis wir vor die Tür kommen. Da müssen Stoffwindeln, Spielsachen, Wechselkleidung, Obst und Wasser eingepackt werden. Dann will das Baby nochmal gestillt werden oder die Große stellt spontan ihre Kooperationsbereitschaft ein. Das ist zuweilen ganz schön anstrengend. Und dennoch würde ich es nie wieder gegen etwas anderes eintauschen wollen. Ich liebe meine beiden Kinder über alle Maßen. Keines mehr oder weniger als das andere. Aber jedes irgendwie ein bisschen anders.

 

Wie war für euch die Umstellung von einem auf zwei Kinder? Wie hat es mit dem Geschwisterkind geklappt?

 

Herzlichst,

eure Anke

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