Abstillen nach über 2 Jahren – Mein Erfahrungsbericht

Lange Zeit war das Thema Abstillen für mich und meine Tochter kein Thema. Nun erwarte ich mein zweites Kind. In wenigen Monaten wird es soweit sein und ich halte mein zweites Wunschkind fest in den Armen. Da das Stillen bei meiner Tochter von Anfang an sehr gut geklappt hat, bin ich bei Kind Nr. 2 auch viel entspannter. Denn nach über 2 Jahren des Stillens fühle ich mich auf diesem Gebiet wie ein kleiner Profi.

In den vergangenen 2,5 Jahren habe ich meine Tochter in allen möglichen Positionen und an vielen verschiedenen Orten gestillt. Straßenbahn, Bus, im Auto, ja sogar während sie in der Babyschale lag habe ich sie gestillt! Zu jeder Zeit und an jedem Ort, immer nach ihrem Bedarf. Das Stillen in der Öffentlichkeit war für mich nie ein Tabuthema und ich habe auch nie negative oder gar beleidigende Kommentare kassiert. Das hätte sich bei mir auch mal einer trauen sollen… 😉

In der ganzen Zeit hat mich mein Mann dabei unterstützt. Er hat zu keiner Zeit in Frage gestellt, wie lang unsere Tochter denn noch stillen würde. Er hat auch nie erwartet, dass ich unser Kind frühzeitig abstille, um mehr Zeit für Zweisamkeit oder dergleichen zu haben. Für meinen Mann war und ist es vollkommen normal, dass unsere Tochter solange von mir gestillt wird, wie es für uns beide angenehm ist.

Als ich nun nach über 2 Jahren erneut schwanger wurde, wurde das Stillen für mich zunehmend unangenehm, manchmal sogar richtig schmerzhaft. Das ist kein seltenes Phänomen. Viele schwangere Frauen, die das ältere Kind noch stillen berichten von Schmerzen beim Stillen. Durch die Hormone werden die Brustwarzen empfindlicher und der Körper stellt oft allmählich die Milchproduktion ein. Im Grunde ist das Ganze auch ein logischer Prozess. Denn durch das Abstillen des älteren Kinds wird sichergestellt, dass die werdende Mutter ausreichend Ressourcen hat. Das große Stillkind ist sozusagen ein Nahrungskonkurrent für das neu entstandene Leben. Da jede Frau anders ist und auch das Schmerzempfinden ganz individuell ist, stillen einige Frauen trotz Schwangerschaft ihre Kinder weiter. Manche Kinder brauchen gerade in dieser Zeit der Veränderung besonders viel Nähe, Liebe und Aufmerksamkeit. Diese holen sie sich eben durch das Stillen. Andere Mütter entscheiden sich für das Abstillen und finden andere Strategien, ihren Kindern zu geben, was sie brauchen.

Mit Beginn meiner Schwangerschaft empfand ich das Stillen zunehmend als störend. Ich bekam regelmäßig Krämpfe in den Brüsten während des Stillens. Solche Gefäßkrämpfe nennt man Vasospasmen. Das sind spontane, krampfartige Verengungen der Gefäße, welche durch den Saugreiz ausgelöst werden können. Vielen Frauen hilft die regelmäßige Einnahme von Magnesium. Es ist allerdings immer ratsam, mit einem (stillfreundlichen) Arzt oder der Hebamme darüber sprechen, um andere Probleme ausschließen zu können und adäquate Hilfe zu bekommen.

Bei mir hat das Magnesium leider auf Dauer nicht den gewünschten Effekt gezeigt. Da die Vasospasmen meist nur auftraten, wenn meine Tochter länger als 5 Minuten stillte, versuchte ich anfangs noch die Stilleinheiten tagsüber so kurz wie möglich zu halten. Nachts hatte ich meine Tochter bereits einige Wochen zuvor abgestillt. Es war Sommer und die Nächte waren ätzend heiß. Da war für mich der Punkt erreicht an dem ich sie nachts nicht mehr stillen wollte. Das nächtliche Abstillen klappte sehr gut. Vor allem als mein Mann in der ersten Zeit zwischen mir und unserem Kind schlief. Dadurch war die Milchbar nicht mehr direkt vor ihrer Nase und sie schlief viel ruhiger als zuvor. Nach etwa 2 Wochen konnte ich endlich wieder in Ruhe neben meiner Tochter schlafen und sie verlangte nachts nicht mehr nach der Brust. Das verschaffte mir ein wenig Atempause und wir beide klebten in den elendig warmen Nächten nicht mehr aneinander.

Nachdem ich lange mit mir gehaderte habe, entschied ich mich schlussendlich für das Abstillen. Ich wollte nun das Stillen auch am Tag ausschleichen. Da ich berufstätig bin und mein Kind oft ganztags im Kindergarten ist, kannte sie bereits längere Stillpausen. Auch während meiner 10-stündigen Schichten an den Wochenenden akzeptierte sie es sehr gut, wenn ich eben in dieser Zeit nicht zum Stillen zur Verfügung stand. Normalerweise bot ich ihr die Brust regelmäßig an. Vor allem, zum Einschlafen oder wenn sie tagsüber schlecht drauf war, bot ihr das Stillen wieder Halt und sie beruhigte sich sehr schnell. Als erstes hörte ich auf ihr das Stillen von mir aus anzubieten. Wenn sie danach fragte, durfte sie kurz stillen. Aber eben nur, wenn sie danach fragte. Das war für mich eine ziemliche Umstellung, denn über 2 Jahre lang hat sich das Fragen und der Griff ins Dekolleté fest in mein Hirn eingebrannt. Es ging schnell, war einfach und immer verfügbar. Doch nun musste eine andere Strategie her.

Ich hätte es fast nicht für möglich gehalten, aber mein Kind hat es sehr gut angenommen. Sie fragt kaum noch danach und akzeptiert auch einfach nur eine Kuscheleinheit von mir. Ich habe versucht ihr das Stillen so lange wie möglich zu erhalten und es ihr nicht einfach wegzunehmen. Wir haben es allmählich ausschleichen lassen. Auf diese Weise habe ich gemeinsam mit meiner Tochter einen Weg gefunden nach 2,5 Jahren das Stillen zu beenden. Obwohl es mir manchmal fehlt, bin ich doch erleichtert, dass es bisher so komplikationslos abgelaufen ist.

 

Wie lange habt ihr eure Kinder gestillt? Wann habt ihr euch für’s Abstillen entschieden?

Eure Anke

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