Abschied von Kinderkrippe

Im Herbst letzten Jahres fasste ich den Entschluss, nach etwa 1,5 Jahren Elternzeit wieder arbeiten gehen zu wollen. Glücklicherweise fand ich sehr schnell einen neuen Arbeitsplatz. Genauer gesagt, war es irgendwie auch mein Alter – nur in einer anderen Wohngruppe mit einem neuen Team. Es fehlte nur noch ein Platz in der Kinderkrippe.

Ab November sollte es also losgehen, erst mal mit 20 Stunden in der Woche. Ich wollte eine Balance finden zwischen Schichtarbeit und Familienleben, bevor ich meine Stunden erhöhe würde. Doch zuvor galt es einen geeigneten Betreuungsplatz für unsere Tochter zu finden. Nach wochenlangem Hin und Her bekamen wir einen Platz in der Kinderkrippe nur einen Monat nach Arbeitsantritt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie erleichtert ich war! Den gesamten November deckten wir die Betreuung unserer Tochter privat ab. Mein Mann nahm 2 Wochen Urlaub und die restliche Zeit halfen meine Mama und meine Schwester aus.

Leider war das nicht auf Dauer möglich. Deshalb freute ich mich sehr über den Krippenplatz in einer nahegelegenen städtischen Kindertagesstätte. Wir konnten noch vor Weihnachten mit der Eingewöhnung nach dem „Berliner Modell“ beginnen. Ganz im Tempo unserer kleinen Tochter. Ich mochte die kleine Gruppengröße und die unzähligen Beschäftigungsmöglichkeiten. So viele Spiele, Klettermöglichkeiten und Krimskrams zum Entdecken, Anfassen und Spielen. Da kann unsere Auswahl Zuhause einfach nicht mithalten. Aber das muss es ja zum Glück auch nicht.

Für die Erzieher stellten auch unsere Stoffwindeln kein Problem dar. Ich brachte jeden Morgen einen frischen Wetbag mit sauberen Stoffwindeln für den Tag mit in die Kinderkrippe. Am Nachmittag nahm mein Mann benutzen Stoffwindeln einfach wieder mit nach Hause zum Waschen. Es war kein großes Ding. Mir persönlich gefiel aber am Besten, dass die Erzieherinnen unsere Tochter beim Trocken werden unterstützten, so wie wir es auch Zuhause machten. Sie schickten sie regelmäßig zur Toilette. Es dauerte nicht lang und unsere Tochter war noch vor ihrem 2. Geburtstag trocken. Auch wenn mein stoffwindelvernarrtes Herz ein klein wenig blutete, bin ich unendlich stolz auf meine Tochter, dass sie diesen Schritt so toll und spielend einfach gemeistert hat. Und ich bin nach wie vor den Erzieherinnen dankbar, dass sie das mit ermöglicht haben. Danke <3

Das Entwicklungsgespräch gegen Ende der Krippenzeit fiel sehr positiv aus. Ich möchte dazu einen Auszug aus dem Gespräch mit euch teilen:

„ [Das Kind] ist in allen Bereichen sehr selbstständig. Sie benutzt die Toilette nach Bedarf und selbstständig. Sie trägt im gesamten Tagesablauf keine Windel mehr […] Sie erledigt alle Abläufe im Bad allein, isst alleine mit der Gabel […] kann das Spiel für sich selbst gestalten nach eigenen Wünschen. […] Sie ahmt Rollen detailliert nach und imitiert mimisch z.B. Mama, die ihr Baby füttert.

[Das Kind] hat ein sehr gutes Sprachverständnis. Sie kann ihre Wünsche, Gefühle und Bedürfnisse sprachlich äußern. Sie besitzt einen großen Wortschatz. Sie spricht in Mehrwortsätzen […] Sie zeigt beim Klettern viel Mut und Ausdauer, wenn sie etwas nicht schafft, probiert sie weiter bis sie am Ziel ist […] “

Natürlich weiß mal als Mama oder Papa am besten, wie toll das eigene Kind ist und wo seine Stärken liegen. Dennoch tut so eine positive Beurteilung unglaublich gut. Es zeigt einem, dass der Weg, den man geht, offensichtlich der Richtige ist. Gerade in Bezug auf Attachment Parenting gibt es viele Vorurteile. Unsere Tochter kennt kein strenges Reglement, da wir einen bedürfnisorientierten bzw. bindungsorientierten Weg eingeschlagen haben. Sie darf alles selbst ausprobieren, was nicht lebensgefährlich für sie ist. Wenn sie auf ein besonders hohes Klettergrüst möchte, darf sie sich daran versuchen. Als Mama habe ich zwar oft ein mulmiges Gefühl im Bauch, aber gleichzeitig vertraue ich meinem Kind und ihren Fähigkeiten. Wenn Sie nicht weiterkommt, fragt sie nach Hilfe. Selbstständig bedeutet eben nicht allein.

Uns als Eltern ist es wichtig, dass wir unserem Kind den Freiraum geben, selbst Erfahrungen machen zu können. Wie fühlt sich Sand oder Waldboden an mit Schuhen oder barfuß? Wie riechen die Blumen auf der Wiese. Tannenzapfen, Stöcke oder besonders schöne Steine von allen Seiten betrachten und ertasten. Ameisen und Vögel beobachten. Wie weit kann man springen oder wie hoch? Wie schnell kann man Laufen?

Als das sind Dinge, die man nur für sich selbst entdecken kann. Sie muss diese Erfahrungen selbst sammeln und für sich bewerten. Nur so kann mein Kind lernen. Nur so lernen wir Menschen überhaupt: durch Selbermachen und Experimentieren.

Mittlerweile ist die Zeit in der Kinderkrippe für meine Tochter um. Sie ist nun ein großes Mädchen und darf nach den Kitaferien zu den großen Kindern in den Kindergarten wechseln. Es ist dieselbe Einrichtung, nur ein anderer Teil vom Gebäude. Ich bin schon sehr gespannt, was meine Tochter dort alles lernt. Und ich hoffe, dass sie sich im Kindergarten genau so wohl fühlt und aufblüht wie zuvor in der Krippe.

Als Fazit kann ich sagen, dass ich alles genauso wieder machen würde. Ich bin zufrieden mit meinen Entscheidungen, weil ich heute sehe, dass es für meine Tochter und auch für mich der beste Weg war. Wie bewertet ihr eure Entscheidungen bezüglich Kitazeit? Seit ihr zufrieden wie es gelaufen ist oder gibt es Dinge, mit denen ihr nicht so glücklich wart? Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

Eure Anke

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