Abenteuer zweites Wochenbett

Als ich mein erstes Kind bekam, hatte ich Zeit, während des Wochenbettes mich voll und ganz auf dieses wunderbare Kind zu konzentrieren. Zu sagen, ich hätte das Wochenbett in vollen Zügen genossen, ginge wohl ein wenig zu weit. Denn obwohl das Kuscheln und Kennenlernen mit dem neuen Erdenbürger wunderschön ist, hat es doch auch anstrengende Aspekte. Das Stillen muss sich erst einspielen, tägliche Routinen wollen etabliert werden. Auch körperlich ist in den ersten Wochen nach der Geburt so einiges im Gange. Rückbildung, Wochenfluss, Schlafmangel und Hormonchaos fordern auch beim zweiten Kind wieder ihren Tribut und machen das Bett damals wie heute zu einem sehr attraktiven Ort.

Dank familiärer Unterstützung hatte ich im ersten Wochenbett ausreichend Zeit, meinen Sohn kennenzulernen und in die neue Situation als Mutter hinein zu wachsen. Nun bin ich zum zweiten Mal Mutter geworden und das Abenteuer Wochenbett hat für mich ein weiteres Mal begonnen. Obwohl ich mir auch dieses Mal ausreichend Unterstützung geholt habe, ist es wieder eine Zeit voller Anstrengung, Veränderung und des Zusammenwachsens.

Vor der Geburt meines zweiten Kindes hatte ich noch Angst, dass ich beide womöglich nicht gleichermaßen Lieben könnte. Ich habe an mir gezweifelt, ob es möglich ist, noch einmal jemanden so zu lieben wie mein erstgeborenes Kind. Glücklicherweise waren diese Zweifel völlig unbegründet! Denn man muss die Liebe nicht aufteilen. Es ist nun einfach doppelt so viel Liebe da. Zwischen all der Müdigkeit und der Anstrengung, allem gerecht zu werden, gibt es immer wieder diese Momente, in denen ich vor lauter Liebe fast zu zerfließen drohe.

Doppelte Liebe, geteilte Zeit

Auch wenn ich die Liebe und Zuneigung nicht zwischen beiden teilen muss, gilt das leider nicht für meine Zeit. Denn im Gegensatz zur Liebe steht mir nun täglich nicht die doppelte Anzahl an Stunden zur Verfügung. Konnte ich mich im ersten Wochenbett voll und ganz meinem Baby widmen, muss ich nun die Zeit zwischen beiden Kindern aufteilen. Denn mein älteres Kind hat ja wegen des Babys nicht weniger Energie und Bedürfnis nach Zuwendung. Im Gegenteil: durch die veränderte Situation hat er ein größeres Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung wie vor der Geburt.

Glücklicherweise projiziert unser älterer Sohn die Veränderungen nicht auf seinen kleinen Bruder. Stattdessen hat er ein erhöhtes Bedürfnis nach „Mama“, dass er versucht vehement durchzusetzen. Das äußert sich dann durchaus mal mit Wutanfällen, die auch an mir ausgelassen werden. War mein Sohn sonst mir gegenüber recht zartfühlend, muss ich zurzeit mit dem Komplettprogramm aus Hauen, Beißen, Schreien und Sachen werfen rechnen. Hat er vor der Geburt nur noch zum Einschlafen gestillt, möchte er nun wieder im Zwei-Stundentakt an die Brust. Wollte er vor der Geburt alles alleine machen, schreit er jetzt bei jedem Handgriff lautstark nach meiner Hilfe. Und auch beim Thema trocken werden haben wir deutliche Rückschläge erlitten.

„Einer schreit immer“

Alle Bedürfnisse zu erfüllen ist nicht immer möglich und die Entscheidung, was nun zuerst kommt bzw. wichtiger ist, gleicht manchmal dem Jonglieren mit rohen Eiern. Mit „Einer schreit immer“ (Danke Mama für diese Weisheit!) lässt sich derzeit wohl am besten unser Alltag beschreiben. Denn das Baby hat momentan Bedürfnisse, die rund um die Uhr erfüllt werden möchten und keinen bis sehr wenig Aufschub dulden. Da kann duschen, Kinder anziehen und Essen machen schon mal zur Tagesaufgabe mutieren. Der Kaffee rückt derweil ins Land der (Wunsch)Träume.

Mein älterer Sohn ist knapp 2,5 Jahre alt, Verständnis für die Situation kann man von ihm deshalb noch nicht erwarten. Daher habe ich für mein zweites Kind nicht so viel Zeit um mich ausschließlich ihm zu widmen, wie ich es beim ersten Kind hatte. Ich versuche deshalb, die Bedürfnisse beider so gut wie möglich miteinander zu kombinieren. Dass wir Tandemstillen macht vieles leichter und erfüllt das Bedürfnis beider Kinder nach Nahrung und Mamas Nähe gleichzeitig. Derzeit ist auch das Tragetuch mein bester Freund. So kuschelt das Baby ständig an meiner Brust und ich kann auch jederzeit sofort auf seine Signale eingehen. Mit etwas Übung klappt es sogar nun, im Tuch zu stillen. Die Worte Erholung und Wochenbett passen zwar so derzeit nicht wirklich in einen Satz, aber mein Wohlbefinden muss sich momentan wohl oder übel dem Alltag unterordnen.

Unser zweites Wochenbett ist deutlich stressiger als das Erste. Es bleibt viel weniger Zeit, um sich von den Strapazen der Geburt zu erholen. Trotzdem ist es nicht weniger spannend und faszinierend. Die Veränderungen von einem Kind auf zwei Kinder bringen gewaltige Umstellungen mit sich und man muss sich ganz neu organisieren. Ich habe mir zum Glück bereits wieder im Vorfeld Hilfe im Freundeskreis und der Familie geholt. Unterstützung für den Haushalt oder um den Großen zu beschäftigen. Oder jemand der einfach mal da ist, um das Baby zu halten, während Papa einkaufen geht und ich exklusive Zeit mit meinem großen kleinen Kind verbringe. Auch wenn die Anfangszeit stressig und voller Entbehrungen ist, ist sie dennoch wertvoll und ich möchte sie nicht missen. Wir sind als Familie noch enger zusammengewachsen und auch ich als Mutter musste lernen, gewisse Dinge einfach auch mal abzugeben um insgesamt mehr zu haben.

Wie habt ihr euer zweites Wochenbett erlebt? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!

Eure Esther

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