1. Lebensjahr – bei jedem Kind individuell und spannend

Die letzten Wochen haben mich ein wenig sentimental gestimmt. Dieses zweite 1. Lebensjahr verging wie im Flug! Denn in wenigen Tagen wird mein zweites Kind bereits 1 Jahr alt.

Jedes Kind ist individuell

Man soll ja Kinder nicht miteinander vergleichen. Im Grunde geht das auch nicht, denn jedes Kind, jeder Mensch ist ein Individuum mit ganz eigenen Charakterzügen, Interessen, Vorlieben und Abneigungen. Doch als Eltern kommt man irgendwie gar nicht drumherum, seine Kinder ein bisschen mit einander zu vergleichen. Denn bereits im 1. Lebensjahr haben sich zumindest bei meinen Kindern so einige Unterscheide, – aber auch Gemeinsamkeiten – bemerkbar gemacht.

Wenn man ein weiteres Kind bekommt, lässt man die Zeit mit dem ersten Kind noch einmal Revue passieren. Man erinnert sich, wie niedlich es in einem bestimmten Strampler ausgesehen hat. Man erinnert sich an das erste Fieber oder die erste Beule. Oder es fällt einem auf, dass das zweite Kind etwas macht oder kann, was das erste Kind eben nicht gemacht hat.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie meine Tochter sich an unserem Couchtisch den Kopf angehauen hat bei ihren ersten Gehversuchen. Wir hatten damals einen Glastisch, der danach umgehend durch einen einfachen Holztisch mit Kantenschutz ausgetauscht wurde. Wenn Kinder krabbeln und dann Laufen lernen, bleiben Beulen und blaue Flecken nicht aus. Bei dem einen Kind mehr, bei dem anderen eben weniger. Obwohl meine Tochter oft blaue Flecken an der Stirn hatte, toppt mein Sohn das nochmal um Längen!

Im Gegensatz zu seiner großen Schwester ist der kleine Mann ein richtiger Bruchpilot und sieht manchmal echt wüst aus! Er hatte mit ungefähr 6 Monaten sogar mal etwas Nasenbluten! Er stand auf allen Vieren und machte einen kleinen Hechtsprung nach vorn. Leider hat er seine Arme nicht mitgenommen und landete prompt und mit ordentlich Schmackes auf seiner Nase… Autsch! Ich würde von mir behaupten, dass ich einiges vertrage. Aber als dem eigenen, kleinen Baby ein winziger Tropfen Blut aus der Nase gelaufen ist, wurde es selbst mir ganz anders! Es war zum Glück nicht weiter schlimm und mein Sohn hat sich auch schnell beruhigen lassen, aber schön war das Erlebnis für mich trotzdem nicht.

Der eine so, der andere so

Insgesamt muss ich sagen, dass mein Sohn viel „körperlicher“ ist als meine Tochter. Sie ist eher emotional und oft scheint es als sei sie in ihren Emotionen gefangen. Meine Tochter muss diese Gefühle durchleben und alles rauslassen. Sie erlebt riesengroße Freude, singt, tanzt und erzählt fantastische Geschichten. Aber sie weint auch. Wenn z.B. in einem Trickfilm etwas Trauriges, Emotionales geschieht, dann nimmt sie dass oftmals auch sehr mit. Sie ist sehr empfänglich für Stimmungen und hat dafür auch sehr sensible Antennen.

Ihr kleiner Bruder hingegen ist eine wahre Frohnatur, immer am Lächeln und vor allem super mobil! Still liegen oder ruhig sitzen entspricht nicht gerade seiner Natur. Der kleine Mann hat schnell das Krabbeln für sich entdeckt und war von da an immer auf Achse. Mit gerade mal 10 ½ Monaten lief er frei durch unsere Wohnung. Er geht nicht an der Hand, sondern läuft selbstständig. Meine Tochter lief mit etwa 10 Monaten an der Hand oder schob Stühle durch die Gegend. Mit 1 Jahr und 2 Wochen lief sie dann frei. Ihr kleiner Bruder wollte scheinbar nicht so lange warten!

Dafür bekam meine Große ihren ersten Zahn mit ca. 7 Monaten. Der kleine Mann wollte erst Laufen lernen und bekam dann innerhalb von 4 Wochen seine ersten 4 vorderen Schneidezähne. Es scheint beinah so, als wollte unser kleiner Bär sein 1. Lebensjahr besonders schnell hinter sich bringen. Alle Meilensteine aus dem 1. Lebensjahr ganz schnell abhaken. Krabbeln? Check. Laufen? Check. Zähne? Check.

Kein Einheitsbrei

Auch in puncto Stillen und Beikost unterscheiden sich meine beiden Kinder sehr voneinander. Während meine Tochter in ihrem 1. Lebensjahr fast ausschließlich gestillt hat, spachtelt der kleine Kerl ordentlich was weg! Er stillt nach wie vor gern, allerdings meist nur in der Nacht. Tagsüber ist er mit Spielen, Rumlaufen und Futtern beschäftigt. Da bleibt keine Zeit für eine ruhige Stillpause. Meine große Tochter wollte lange nichts von Beikost wissen. Und auch heute noch, mit fast 4 Jahren, isst sie eher wie ein Spatz. Dafür bewegt sie sich aber auch nicht so viel wie ihr kleiner Bruder. Er hat ja einen ganz anderen Energieumsatz. Er isst richtig gut bei uns am Tisch mit.

In einem Punkt sind meine Kinder aber gleich: beide mochten keinen Babybrei. Weder gekauft noch selbst gekocht. Meine beiden Kinder haben in ihrem eigenen Tempo direkt am Tisch mitgegessen. Beide wollten das, was Mama oder Papa gerade auf dem Teller hatten. Mein Sohn halt mit etwa einem halben Jahr und meine Tochter eben etwas später.

Charakterzüge

Ich finde es ganz spannend, dass man manche Charakterzüge schon recht früh erkennen kann. Meine Tochter hat genau keine Geduld. Sie schlägt in diesem Punkt komplett nach ihrer Mutter… In ihrem 1. Lebensjahr gab es kaum etwas, mit dem sie sich wirklich lange beschäftigt hat. Sie ist viel gekrabbelt, gelaufen oder hat Spielsachen in Körbe oder Kisten sortiert. Aber nie so wirklich lange. Ihr kleiner Bruder hingegen kann sich eine ganze Weile selbst beschäftigen. Zum einen ist er einfach zufrieden, wenn er sich frei bewegen darf. Wenn er selbstständige Dinge von A nach B räumen kann, ohne dass ihn jemand dabei unterbricht. Und dann hat er auch viel mehr Geduld bei so „Fummelsachen“.

Er hat ein Rohr aus Kunststoff. Es ist eigentlich ein Teil vom Siphon. Es lang neu und ungenutzt rum, da habe ich es zweckentfremdet. Mein Sohn liebt es dort kleinere Dinge hinzustecken und dann wieder herauszuschütteln. Er schaut sich Dinge in Ruhe an und erkundet sie dann ausgiebig. Wenn mal etwas in dem Rohr steckenbleibt, dann fummelt er so lange rum bis es wieder heraus kommt. Sowas macht meine Tochter heute noch nicht. Sie hat auch kein Interesse an Puzzles.

Ich liebe es meine Kinder bei etwas zu beobachten, dass sie gern tun. Etwas, bei dem sie ihre individuellen Fähigkeiten benutzen können und Spaß daran haben. Wir haben in ihrem 1. Lebensjahr unserer Tochter so viel vorgelesen und vorgesungen. Sie hat auf unserem Schoß gesessen und bspw. bestimmte Lieder durch Gesten eingefordert. Bis heute bindet unsere Tochter meinen Mann und mich am liebsten in alles ein, was sie tut. Oder eben ihre Freunde.

Unser Sohn tut Dinge gern allein. Manchmal zeigt er uns etwas und streckt es uns entgegen, aber dann zieht er damit schon wieder weiter. Er hat zu viele Hummeln im Hintern als dass er mal für ein Buch sitzen bleiben würde. Aber er hört sehr gern seiner großen Schwester beim Singen zu. Dann klatscht er vor Freude in die Hände. Wenn sie durch den Raum tanzt, dann watschelt er ihr freudestrahlend hinterher.

Geschwisterliebe

Generell liebe ich die Verbundenheit zwischen meinen beiden Kindern. Mir ist bewusst, dass es unter Umständen nicht immer so sein wird. Umso mehr genieße ich diese gemeinsame Zeit mit ihnen. Es ist so toll zu sehen, wie der kleine Mann auf seine große Schwester reagiert. Oder wie meine Große sich alle Mühe gibt ihn abzulenken oder aufzuheitern, wenn er mal schlecht gelaunt ist. Da schmilzt mein Herz und ich bin so stolz auf mein großes Kind. Sie ist eine ganz wundervolle große Schwester mit einem zauberhaften kleinen Schelm als Bruder. Ich bin jeden Tag dankbar, dass die beiden meine Kinder sind und dass ich ihre Mama sein darf.

Dieses zweite 1. Lebensjahr ist gefühlt viel schneller vorüber gezogen als bei meiner Tochter. Es ist schwer für mich, weil ich dieses Mal nach nur einem Jahr wieder arbeiten gehen werde. Der 1. Geburtstag von meinem Sohn steht kurz bevor und ich werde jedes mal sentimental, wenn ich daran denke. Dabei ist gerade mal ein Jahr von seinem hoffentlich sehr langen Leben vorüber! Es folgen noch so viele, spannende, herausfordernde und glückliche Jahre mit ihm und seiner Schwester. Sie wird dieses Jahr bereits 4 und in gut 2 Jahren kommt sie bereits in die Schule und dann folgt ihr irgendwann ihr kleiner Bruder.

Was die Zukunft bringt…

Manchmal möchte ich kurz vorspulen, um zu sehen, was aus meinen Kindern einmal werden wird. Ob sie glücklich sind und zufrieden. Aber dann würde ich den ganzen Weg dahin verpassen. Erinnerungen und Erlebnisse überspringen, die uns hofentlich als Familie zusammenschweißen. Ich würde Gute-Nacht-Geschichten verpassen und die feuchten Küsse meiner Kinder. Die Streitereien würde ich manchmal schon gerne überspringen, aber dann gäbe es auch keine Versöhnung, kein von einander lernen oder für sich selbst einstehen. Kein miteinander wachsen. Ich würde einfach alles, was uns als Menschen und Familie ausmacht verpassen. Also warte ich lieber ab und beobachte meine Kinder beim Großwerden.

Das 1. Lebensjahr ist bei jedem Kind spannend, emotional aufwühlend und vermutlich viel zu schnell vorbei. Aber diesem 1. Lebensjahr folgen noch so viele weitere, wundervolle Jahre. Jedes bringt seine eigenen Erinnerungen mit und hoffentlich auch ganz viel Liebe. <3

 

Wie oft durftet ihr bereits das 1. Lebensjahr miterleben? Verging die Zeit auch wie im Flug?

Mit Liebe,
eure Anke

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